Was weiß ich, was Heimat ist?

Ein Beitrag zur Blogparade von Katja Wenk.. „Was ist Eure Heimat?“

Aus 2013.
[Update 2018 Nein, ein Heimatministerium brauchen wir nicht. Heimat können wir ganz alleine! Oben die nie benutzte Moschee im Wittelsbachischen Schloßgarten Schwetzingen, erbaut vom Düsseldorfer Jan Wellem und dann Sommerresidenz eines kurpfälzischen Pfalzgrafen, der auch Kurfürst von Bayern war.]

Ich schreibe AUCH Mundart-Gedichte. Siehe hier oder hier. Leute wie mich, nennt man gerne Heimatdichter, alte Trottel, die vor sich hin sabbernd unreine Reime gießen. Ein negativer Begriff. Mit Händen und Füßen wehre ich mich dagegen. Ich schreibe auch in (kur)-pfälzisch, weil es meine Mutter & Vatersprache ist.

Reservierung im Festzelt zum Pfälzischen Mundartdichterwettstreit in Bockenheim / Weinstraße

Es gab und gibt Heimatfilme, zumeist Kitsch triefend, gefühlsduselig. Furchtbar. Soldaten schrieben von der Front in die Heimat, heute wieder, am Hindukusch, wo die Heimat einmal mehr verteidigt wird. Die USA haben ein “United States Department of Homeland Security” und das hört uns alle ab, liest unsere Daten aus, schnüffelt in der Post, stiehlt Wirtschaftsgeheimnisse. Heimat, Patria sagten die Römer, was von Pater kommt und in den Patriotismus mündete in das Vaterland, was beherrscht wurde und zu schützen war und ist. Frauen haben kein Vaterland? Dann doch lieber Heimat. Eigentlich gar nicht so schlecht das Wort, wenn man es nicht tümelt.
Früher war die Heimat klein. Reisen war mühselig und teuer. Alles war eng. Heute kennen manche Leute ihre zweite Heimat auf Mallorca besser, als ihre allernächste Umgebung. Wir sind mobil, vernetzt. Es gibt sogar Leute, die behaupten, sie wohnten im Netz, hier sei ihre Heimat, absurd das oder doch nicht?

Heimat, ja nun. Ich wohne im fast südlichsten Zipfel Hessens und fuhr täglich mit dem Rad zur Arbeit nach Baden-Württemberg, Sonntags kann es vorkommen, dass ich in Mannheim kurz über die Rheinbrücke husche um in Rheinlad-Pfalz einen Kaffee zu trinken. Nirgendwo kommt die deutsche Kleinstaaterei deutlicher und lächerlicher zu Tage. Doch, unser Verkehrsverbund musste von den Ministerpräsidenten in Mainz, Wiesbaden und Stuttgart ratifiziert werden und hat Anbindungen an das bayrisch besetzte Franken, das Saarland und Frankreich. Die Stadt, in der ich lebe, hat übrigens das Mainzer Rad im Wappen und wenn ich in die hessische Haupstadt will, mit der Bahn, dann muss ich in der rheinland-pfälzischen Haupstadt in die S-Bahn steigen und in die Schwesterstadt Wiesbaden fahren, vorher den Verkehrsverbund Rhein-Nahe tuschierend oder rechts des Rheins durch den Rhein-Main Verbund. Also, was soll ich Euch sagen, was meine Heimat ist?

Brutalistisches Viernheimer Rathaus hinter historischem Deko-Brunnen 2010

Kompliziert ist das, scheinbar. Zu allem Überfluss gibt es heutzutage auch noch Metropolregionen. Ge-nau. Und unser Kreis Bergstrasse, somit auch unsere kleine dumme Stadt ist ganz offiziell Mitglied von zwei dieser Dinger. Der Metropolregion Rhein-Neckar und der Metropolregion Rhein-Main. Mit was weiß ich wievielen Dax-Unternehmen und Großbanken, chemischer und anderer Industrie, zwei Atomkraftwerken, der Apfelweinmetropole und der größten Rebfläche Deutschlands, drei romanische Kaiserdome am Rhein und ja Heidelberg ist auch dabei und das Headquarter der USAREUR, der US_Army in Eurasien.
[Update, das ist umgezogen nach Wiesbaden, aber in der Region geblieben.
Aber auch das ist kompliziert. Um es einmal besser zu positionieren: Meine Heimat ist ungefähr das, wo man südhessisch, rheinhessisch und pfälzisch spricht (samt dem pfälzischen Ablegern im Saarland). Wer hat jetzt wieder Heimatdichter gesagt? Und hat man gemerkt, dass ich diese verrückte Gegend liebe? Aber ob das die Heimat ist? Was weiß ich. Kann so ein MundArt-Dichter nicht wissen. :))

[Das Blog von Katja Wenk gibt es wohl nicht mehr, daher auch die Blogparade nicht mehr. Ich weiß nicht warum…]

Fluxus an Gold und Mastodon, jawoll Kaiser Willem.

Fähnchen am Literaturhaus Darmstadt 2010
Darmstadt. Von den Eingeborenen Dammschdadd genannt. Die Stadt des Grohe und der Krone. Literaturstadt, wo Büchner und Leonce und Lena im Literaturhaus preisen, der PEN tobt.Wella, Merck, Software AG, das European Space Operations Centre. Zuletzt war ich in Darmstadt (nicht nur im HBF durchgefahren) zu Berechnung meiner Rente. Aber früher auch schon literrisch.

In Darmstadt aufgelesen


Auf Instagram entdeckte ich unlängst das Museum Bensheim und ich merkte mir die Aktion „Museen und Blüten an der Bergstraße vor.

Blütenburger. Von Vettel- nach Handschuhsheim


Aber es gibt ja den neuen Main-Neckar-Ried-Express, mit Wlan, siehe das Beitragsbild. Warum also nicht die ganze Bergstraße bereisen? Die 70 km Radweg sind zu lang für alte Rentnerknie.

Werbung für den Radweg „Die Bergstraße“ vor dem Staatstheater Darmstadt. Klick zur Karten-Website.

Dort, wo der Odenwald sich aus der Oberrheinischen Tiefebene erhebt, läuft die Bergstraße entlang. Ich arbeitete 37 Jahre an ihr. Ungefähr 500000 Menschen leben von Darmstadt bis Heidelberg an ihren Hängen, in 2 Kreisfreien Städten, zwei Bundesländern, 3 Landkreisen und hoffentlich bald mit der S-Bahn Heidelberg-Frankfurt verbunden.
Das Kurpfalzmuseum Heidelberg hab ich ja gerade gepostet.

Wittelsbacher, Mithras, Weihnachtsmarkt


Also gibt es hier jetzt lose Berichte von den Museen an der Bergstraße. Heute also vom Hessischen Landesmuseum Darmstadt. 1970 war ich da zuletzt drin. Wahlfach Kunst. Kursusflug. Wg. Beuys. Sieht heute alles anders aus.

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