#fürstenlager und Geschichte(n)

#tl;dr
(Achtung sehr langes Gedankenwinden, vom Hölzchen auf’s Stöckchen)
Ich war im „Staatspark Fürstenlager“, Bensheim-Auerbach #lustparken.
(Titelbild Scan des offiziellen Flyers)
Ich frage mich, warum ich nicht öfter dort bin. Es sind ja nur 20 km, 41 Bahnminuten weit. Gehört zu meinem Heimatkreis! Ein magischer Ort für mich, dieses Auerbach.
Website des Fürstenlagers | Wikipedia Fürstenlager | Wikipedia Bensheim-Auerbach.
Das Fürstenlager ist eine offene Landschaft 24/7 frei zugänglich.

„Herrenhaus“ im Staatspark Fürstenlager Bensheim-Auerbach.

Ich muss ausholen. Die Geschichte wurde in meiner Familie immer wieder kolportiert. Das Deutsche Reich, von der NSDAP regiert, verlangte von seinen Bürgern im öffentlichen Dienst & mehr, den „Ariernachweis“, per Gesetz von 1933.

Ahnentafel meiner Mutter
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529 Bingen und die Kultur in den Gärten

Rheinkilometer 529 Bingen.

Bingen. Ewig im Zug daran vorbei gedonnert. Hier beschrieben. Selbst bei meiner Radtour durch das Mittelrheintal nur aus der Bahn gestiegen und die Fähre nach Rüdesheim benutzt.
Im Mai dann ein Tipp von der Schirn:


Wenn die Schirn das sagt! Ich notierte das. Dann bloggte der Burgenblogger:


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Kreisen vom Odenwald zum Rin

Altes neu betrachten. Gedanken kreisen lassen. Hatte ich im vorletzten Artikel ja besprochen. Zuerst dachte ich auch daran Viernheim zu bereisen, zu deuten. So wie hier. Im Dialekt, lyrisch, vertont.

Uhne Ferz mit „Vänne“.

Aber dazu hab‘ ich im Augenblick keine Lust. Es gibt nichts besonderes hier. Würde ich über Viernheim schreiben, käme eine Art „Thomas Bernhard Geknatsche“ heraus oder ein „Papa erzählt vom Krieg“. Mag‘ ich nicht. Nicht lesen, nicht schreiben. Es gibt nämlich auch viele schöne Sachen. Theater zum Beispiel. Vielleicht mache ich das einmal, über Vänne bloggen. Vielleicht. So wie Claudia Reinhardt das in „no place like home“ machte.

Aber unseren Kreis Bergstraße will ich besprechen. Nicht politisch oder als Werbefilm, nicht als Ganzes, nicht vollständig, nur aus den Beständen dieses Blogs oder den Tiefen des lokalen Bildbestandes. Einfach als Fortsetzung der Reihe „anders betrachten“. Der Versuch eines Reframing. Im Voraus gesagt: Neu für mich ist eine plötzliche Wertschätzung, die auch Nähe bringt. Ich arbeitete ja in Weinheim in Baden-Württemberg, die Kultur beziehe ich immer noch aus Mannheim ebenda. Die zwei unmittelbaren Nachbarstädte westlich und östlich. Gefühlt ist die Kreisstadt viel weiter weg, Terra incognita, dabei nur 12 km entfernt, wie das Zentrum Mannheims auch. Der Bergsträßer Wein war in meiner Sozialisation ein fürchterliches Gemansche, was er heute gar nicht mehr ist, im Gegenteil. Irgendwie hat man es geschafft ein eigenes Anbaugebiet „Hessische Bergstraße“ zu werden. Aber was ist das schon gegen die Weinmeere der benachbarten Pfalz und Rheinhessens. Zu Ehren der Bergstraße trinke ich eine Riesling-Schorle aus einem Heppenheimer Stemmler, vom Supermarkt über der Straße.

Also, wie beginnen? Ich werde erst einmal ordnen. Einfügen. Definieren. Wir sind quasi das Bindeglied zwischen zwei Ballungsräumen: Den um Frankfurt, Wiesbaden, Mainz und dem um Mannheim, Heidelberg, Ludwigshafen. Mitten, zwischen drin. Mitglied der Metropolregion Rhein-Neckar und der Metropolregion Frankfurt/Rhein-Main
Wie auch immer diese Verbünde politisch funktionieren. Rechnete man die beiden Verbünde tatsächlich zusammen, so entstünde ein Raum, politisch sanktioniert, der nach dem Ruhrgebiet zweitgrößter Ballungsraum wäre, mit den größten Weinanbaugebieten, DAX-Unternehmen & all. Nur erwähnt um die Umgebung des Kreises nicht außer acht zu lassen.
Google Maps zeigt uns, dass der Kreis Bergstraße jede Menge Odenwald enthält, zwei Enklaven am Neckar besitzt und auch am Rhein liegt. Ein Ergebnis jahrhundertelanger Rangeleien allerlei hoher Herren, samt den Pfalzgrafen zu Rhein und dem Erzkanzler in Mainz. Neben dem Odenwald die Oberrheinische Tiefebene mit Dünen, Sumpf, Industrie und Gemüsebau. In der Mitte die „Bergstraße“ mit eigenem Weinanbaugebiet. Dominiert von den nicht kreisimmanenten Großstädten Darmstadt im Norden, Heidelberg im Süden und Mannheim im Südwesten, über dem Rhein die Stadt Worms. Keltisch besiedelt, die Römer hatten die Bergstraße bereits bepflastert, kann man in Heppenheim besichtigen. Die Fränkische Landnahme brachte die vielen Ortsnamen mit -heim hervor, manifestierte sich später in der Klostergründung Lorsch unter den Karolingern. Im Prinzip ist das Kreisgebiet der ehemalige Kernbesitz des Klosters Lorsch, das sich zu seinem Schutz in der Kreishauptstadt Heppenheim eine Schutzburg baute, die Starkenburg.

Die Starkenburg in Vettelheim.
(Lyrisches zu Heppenheim von mir gibt es im deutschen Literaturarchiv Marbach als Blogbackup)

Wir werden wieder hierher zurückkommen. Fangen wir mit den Enklaven an. Bis 1938 war auch Bad Wimpfen Teil des Kreises Heppenheim, aber das verlinke ich jetzt nur.


Die südlichste Stadt des Kreises und Hessens Hirschhorn.

Wie Bad Wimpfen und Neckarsteinach 1803 beim Geschachere entstanden, nach Napoleons Durchmarsch, dem Großherzog in Hessen zugeordnet. Da war ich schon lange nicht mehr, nur vorbeigefahren, wie mann sieht. Ein hübsches, pittoreskes Städtchen mit einem gehörigen Schwung Neckarromantik.

Neckarsteinach, my love.  Lyrisch gepriesen hier. Das Schwalbennest.
Die vier Burgen, Heimat der Bligger.

Das war der Neckar. Die Grenze hier zwischen Hessen und Baden-Württemberg.

image

Die Mittelinie des Kreises. Die Bergstraße. Die B3 von Zwingenberg, Bensheim Heppenheim. An den Ersthängen des Odenwalds. Die Weinlinie, die Marktplatz-Histotiker, faachwerkgebaut, die Blütenmonster. Starkenburg, Schloss Auerbach

Blüte unterhalb der Starkenburg, Heppenheim

Das Elend an der B3, der Bergstraße ist aber der donnernde Dauerverkehr, es macht werktags keinen Spaß auf dem parallel laufenden Radweg zu radeln. Man zieht die Wege abseits in der Ebene vor. Nur wenn die Blüten locken nimmt man das in Kauf.

Betrachtete ich bisher den Kreis mittig, von Nord nach Süd, dann müssen wir jetzt über den Odenwald sprechen, den hier im Kreis. Ich könnte jetzt auch die Hässlichkeiten hier zeigen, nur warum? Ich will einfach einen anderen Blick haben und wenn ich das alles so ansehe ist da mehr, als man so vor sich hin denkt.

Blick von der Starkenburg in den Odenwald.

Irgendwo dahinten liegt Oberhambach, wo das Drama um die Odenwaldschule stattfand.
Man könnte natürlich auch die „Odenwaldhölle“ des FAZ-Feuilleton anführen. Aber das ist jetzt durchgekaut. Das Landlebenblog fasst das alles sehr gut zusammen. Die Täler der Weschnitz und des Grundelbachs sind verkehrstechnisch wirklich die Hölle, bevölkert mit Pendlern in die Städte. Auch und gerade zu der Firma, für die ich dereinst arbeitete. Aber nein, das soll ja kein „Opa erzählt vom Krieg werden. Versuchen wir es literarisch. Die entsprechenden Touristik dazu gibt es im Niebelungenland. Gar nicht mal so schlecht gemacht, vieles, was ich hier anspreche findet man auch dort. Ich suchte tatsächlich eben gerade danach.

Screenshot der Seite „Nibelungenland“

Hätte ich mir das hier sparen können? E-gal, jetzt mach ich weiter.
Es geht um das Niebelungenlied. Kennt jeder. Wenn nicht kann man das in seinen Handschriften nachlesen.
In der Handschrift C und der Aventiure 15 Zeile 919 ff steht:

Screenshot der Handschrift C des Nibelungenliedes der bibliotheka Augusta.

In der Wikipedia wird das so übersetzt:
Da wir uns der Heerfahrt so entledigt sehn,
so will zur Jagd ich reiten von Worms über den Rhein
und will Kurzweil beim Odenwalde haben
Jagen mit den Hunden wie ich es oft getan.

Hagen von Tronje lockt also den Siegfried aus Worms in den Odenwald um ihn dort zu töten.  Wagner sieht das ja ganz anders… #tsss. Betrachtet man Google Maps oben, sieht man sofort, dass die Helden dann durch das Ried in den Odenwald, durch diesen unseren Kreis geritten sein müssten. Nein, ich will jetzt nicht diskutieren, ob das denn und überhaupt. Das ist Literatur. Steht da so. Ich finde es ja auch witzig, wie genau bestritten und erforscht wird, ob und wenn ja dann nicht, Bligger von Steinach (sic!) der Autor des Liedes sei. Ich weiß das so wenig wie der Rest der Welt, aber die Idee gefällt mir schon.
Weil also der Siegfried im Odenwald gemeuchelt wurde, an einem Brunnen, gibt es unzählige Siegfriedsbrunnen im Odenwald. Lange nicht mehr gelesen gibt es einen feinen Wikipedia-Artikel dazu.
Die Region vermarktet das alles als Nibelungenland, siehe oben, jede Gemeinde noch einmal für sich und es gibt  zwei Straßen, eigentlich ganz gewöhnliche Bundesstraßen. Die Nibelungenstraße und die Siegfriedstraße. (Siehe das Beitragsbild ganz oben.)
Weil also niemand genau weiß, wo das war und ob das überhaupt war erlaubte ich mir den Ritt der Herren neu zu singen. Einmal im Standard-Dialekt und im Kurpfälzer.

Die Idee dabei: Den Kreis von Hammelbach bis zum AKW in Biblis der Weschnitz entlang zu befahren, zu bedichten. Ein Klick ins Bild führt zu den Bändlein.  Ich arbeitete doch auch direkt an der Weschnitz, überquerte sie werktäglich zweimal, aß an ihrem Ufer in der Kantine… 🙂

Wiese in Hammelbach mit der Quelle des Ulfenbachs. Unweit der Weschnitzquelle.

Die Erstlesung vom Sigges fand am Originalschauplatz statt. :))

Hinweis auf die Sigges-Lesung.

Der Recherche-Weg dazu führte von der Quelle

Weschnitzquelle in Hammelbach

bis zur Mündung nahe des AKW Biblis, jetzt abgeschaltet und das nächste ist nicht nur ironisch gemeint, rund um das AKW ist Naturschutzgebiet angesagt.


Also auch hier ein Streifzug durch verschiedenste Landschaften.

Glockenbuckel Viernheim, Flugsanddüne

Nur keine Heide, die ist Lampertheim/Viernheim vorbehalten. Ihr erinnert euch.

Die kleine Weschnitz in den Wiesen auf dem Weg gen Rhein.
bei Birkenau
Dem Odenwald entronnen, wie ein Strich durch die Landschaft…

Über Lorsch, das ich ja erst vor kurzem hier besprach

Die Weschnitz in Lorsch an der Abtei Altenmünster.

Bleiben wir aber doch literarisch: Das Nibelungenlied erzählt von Lorsch.

Handschift C des Nibelungenlieds Aventure 19 „Die Gründung des Klosters Lorsch.

Im Siegfriedbrunnen-Wiki übersetzt mit
Ein reiches Fürstenkloster stiftete Frau Ute
nach dem Tode Dankrats aus ihrem Witwengute
mit reichen Einkünften, die ihm noch heut gehören
dort zu Lorsch dem Kloster. Sein Ansehen steht in hohen Ehren.

Die Idee, dass die Burgunder am Bachlauf der Weschnitz entlang in den Odenwald ritten ist also garnicht so abwegig, gell? Auf einer der ersten aufgeschriebenen „Gedichte“, den Lorscher Bienensegen will ich hier nicht verzichten.
Der Lorscher Bienensegen? Guckt:

Lorscher Bienensegen. Quelle Wikipedia und docwarkentin.ca (Gemeinfrei)

Weiter nach Einhausen, woher meine Großeltern mütterlicherseits stammen.

Weschnitz mit Brücke von Kleinhausen nach Großhausen, das heute Einhausen ist.

Opa erzählte immer, dass die jungen Buschen, wenn die Weschnitz, wie so oft sintemals, vor der Christenlehre Sonntags mit den Schlittschuhen nach „Biwwls=Biblis“ fuhren und dann in der kalten Kirche dampften, was dem Pfarrer sehr missfiel und die Väter mussten sie dann züchtigen.
Heute folgen wir dem Nibelungenpfad des Odenwaldklubs.

Wanderweg „Nibelungenpfad“

Inzwischen habe ich die A5 und die A6 überquert, die Bahnstrecke Heidelberg-Frankfurt und hier die Riedstrecke zum Frankfurter Flughafen.


Es bleibt uns nicht erspart am AKW vorbei zu fahren.

Die teuerste Ruine des Kreises heutzutage, abgeschaltet, Lager für den ewigen Atomschrott, nur noch als Rechtsstreit taugend.

Auf dem Weg zu Burg Stein, einer ehemaligen Hafenanlage der Römer, die irgendwann der Hafen des Klosters Losch wurde.


Direkt dahinter, versteckt, kaum erreichbar die Mündung der Weschnitz, kaum ein paar hundert Meter vom AKW entfernt, ein schmaler Pfad führt dort hin.

Weschnitz-Mündung bei Biblis-Wattenheim.

Was noch fehlt? Kultur!
Museen.
Gebloggt hatte ich hier zur „Überwälder Traumnacht“.
Ich las dort vor fünf Jahren. Das ist so etwas wie die Lange Nacht der Museen, rund um Wald-Michelbach. Doch mitten im Odenwald gibt es Museen, sogar Kulturbüros.

Den Artikel dazu gibt es hier: „Wortkunst“.
Jetzt fällt mir auf, dass ich im Kreis sonst keine Museen kenne. Wäre ein Projekt für die dunklen Tage!
Ja, ja, es gibt noch viel mehr, aber das hier sollte ja kein Kreisbericht sein. Es ging mir um eine Würdigung unseres Kreises und seine verschiedenen Landschaften. Übrigens alles in Fahrradreichweite.
Wenn ich es recht überlege ist dieser Kreis „HP“ gar nicht so tröge, wie man sich die Provinz halt so vorstellt. Es gibt nirgends ein Gefühl „Wir im Kreis Bergstraße“, nein. Aber das ist ein tatsächlich tradierter Kreis. Seit mindestens 1000 Jahren schon. In dieser Konstellation seit 1945, weil die Franzosen die linksrheinischen Teile nach Rheinland-Pfalz abhackte. Ich wollte nicht überall wohnen, aber ich wohne ja schon und habe nicht vor da wegzuziehen. Viernheim ist ja auch die einzige Stadt im Kreis, die Straßenbahnanschluss, die 5 des RNV hat und die führt mich dann zu 8 Burgen und Schlössern im Rhein-Neckar-Kreis des Landes Baden-Württemberg, den Stadtkreisen Mannheim und Heidelberg.
Nein, der Kreis Bergstraße ist eine politische Größe. Er ist Teil, aber nicht all meine Heimat. Heimat ist viel größer und auch jenseits des Tellerrands. Dies hier war der gelungene Versuch in den Teller zu sehen und feststellen, dass das gut ist!
Obwohl es so manches zu schämen gibt.

Ansonsten geht die Sonne unter, wie anderswo auch!

Sonnenuntergang in den Viernheimer Wiesen.

LA – Spargel, Kanu-Polo und Biedensand

#wirziehnfallera anders. Das gewohnte, das zichmal begangene, die unmittelbare Umgebung durch schärferes hinsehen neu entdecken und dokumentieren. Wie fast alles in diesem Blog, das einmal Burgenblogger werden wollte.
Ich wollte einfach die Beschreibung unserer Nachbarstadt erweitern, die ich normal nur als Durchgangstation auf dem Weg nach Worms wahrnehme.
Lampertheim, das auch gerne einmal LA genannt wird, so von der „Lareed Bigband“. Das klingt doch, oder? Lampertheim ist auch berühmt für seine Olympikonin Nicole Reinhardt. Schließlich ist sie dort geboren und hat hier ihre Karriere begonnen und arbeitet lebenslang im Rathaus.

Gebäude des Wassersportvereins Lampertheim.

Irgendwann muss ich ‚mal dahin, wenn sie Kanu-Polo spielen. Klingt lustig.
Lampertheim beherbergt auch unser Amtsgericht, die Polizeistation und die Redaktion des „Südhessen Morgen“. Mit 32000 Einwohnern nur unbedeutend größer als Viernheim, aber halt 32 km² größer.

Und die haben es in sich. Im letzten Beitrag hier: „Vom Gelände zur Landschaft #wirziehnfallera“ schrieb ich ja bereits über die Heide und den Weg nach Lampertheim. Den Zug durch die Heide fand statt, siehe die #twly auf mikelbower.de

Faszinierend an Lampertheim ist vor allem die Vielzahl der Landschaften, die es beherbergt. Ich wiederhole hier einige der Tweets aus der „Heide“


Eine Heidelandschaft, wie aus dem Norden an den Rhein gezogen, die sich dann in eine intensive Landwirtschaftszone öffnet. Gestern sah ich zich Menschen, die Buschbohnen ernteten. Sonstiges Gemüse wird auch angebaut, es gibt sogar eine Gemüsering gmbh.

Natürlich Spargel. Eine wirklich große Anbaufläche für Spargel und das feiern die Lampertheimer auch mit ihrem Spargelfest samt Spargelkönigin.

#Asparagus #nächstesjahrwieder

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Der Weg führt jetzt durch die Stadt mit einigen schönen, alten Fachwerk-Gutshöfen mit Direktverkauf, frisch poliert die Römerstraße und das aufgeputzte Rathaus. Wäre alles nix besonderes, wenn es nicht den Biedensand gäbe. Ein Naturschutzgebiet am Altrhein, das bei der Rheinbegradigung vom Hauptstrom abgetrennt wurde. Denn man sieht es in der Stadt nicht, niemand schreibt Lampertheim/Rhein und doch ist es die erste hessische Stadt am Rhein, der von Mannheim (Baden-Württemberg) kommend heranstromert, gegenüber Lampertheim Bobenheim-Roxheim und Worms (Rheinland-Pfalz). Früher durfte er ja mäandern, heute ist er mehr Wasserstraße denn romantisches Subjekt.

Fahrradschilder in Lampertheim.

Hübsch anzuschauen der Altrhein. Man bekommt schlecht Zugang, es ist eben ein Naturschutzgebiet. Da muss das reguliert sein.

Altrhein Lampertheim

In die andere Richtung dient der Altrhein als Wassersport-Vergnügen siehe oben.

Altrhein Lampertheim mit Booten in Richtung Stadtrand

Im Biedensand per Fuß erreichbare Streuobstwiesen,

Streuobstwiese Biedensand

Hartholzauen und mehr!

Hartholzaue im Biedensand

Kopfweiden zwischen Getreidefeldern z.B., siehe das Beitragsbild oben.
Immer wieder führen Wege ins innere, Bänke laden zum Verweilen, wie die Presse immer schreibt, was nicht immer ein Vergnügen ist. Der Biedensand ist ein Sumpfgebiet mit vielen Tierarten, samt der blutrünstigen Sorten. Es summt alles, trällert, Horden von Schmetterlingen umschwirrten mich.
Eine Brücke führt über den Zufluss zum „Welschen Loch“. Da war fast kein Wasser zu sehen, als ausgedorrt von dieser mörderischen Junihitze 2017. Natürlich Schilf, Schilf, Schilf. Wir befinden uns ja im südhessischen Ried.

Zufluss zum „Welschen Loch“ Biedensand, Lampertheim.

Zwei km westlich der Rhein, samt „Natorampe“ Der kalte Krieg lässt grüßen, da wurden aber auch die Kraftwerkturbinene von ABB verladen.

Natorampe Lampertheim. Ganz im Hintergrund zu ahnen, die Rheinbrücke in Worms.

Kann aber ganz lauschig sein, da am Rhein, wenn da keine Industrie zu sehen ist.
Rheinufer Lampertheim gegenüber Bobenheim-Roxheim.

Am Rhein dann eine Neuentdeckung. „Zum Neurhein“. Direkt am Rhein. Kein Strom, laufendes Dieselaggregat. Man meint halt es wären die Rheinschiffe. So ein Bratwurst-mit-Kartoffelsalat-Gasthaus. Im Stile der 50iger Jahre, als ob es am Mittelrhein stünde. Aber direkt am Rhein, das gibt es bei uns so wenig. Ich werde wieder hinfahren, sind ja nur 15 km.
Gaststätte „Zum Neurhein“ Lampertheim, nahe Natorampe.

Kann man sitzen und gucken. Mutige Menschen gibt es, oder?
Wasserski am Rhein vor Lastschiff in enger Fahrrinne.

Von der Heide über Spargelfelder durch den Sumpf zum Rhein. Erstaunlich für eine Stadt!

Vom Gelände zur Landschaft #wirziehnfallera

Im Texteblog hatte ich es ja angekündigt! Ich will bei der Aktion #wirziehnfallera der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe und der Herbergsmütter mitmachen, mit dem Format #twly (Twitterlyrik). Es gibt dazu ein Tumblr.
[Update] Ich war in der Heide und es gibt ein Storify dazu![/update]
Es geht um „Landschaft auf die Hand – Digitale Promenadologie“ zu der Ausstellung „Unter freiem Himmel – Landschaft sehen, lesen, hören“ in Karlsruhe vom 18. Februar 2017 – 27. August 2017.
Zur Wahl stellte ich mir als Landschaft Wachenheim, Dilsberg/Odenwald.
Ich war gestern auch in Wachenheim und konstantierte:


Slevogt wollte ich da im Kopf haben, aber das ging nicht. Ich hatte dauernd das im Hirn:

Weinvollernter bei Heppenheim

Wer malt denn heute so etwas? Im Odenwald umherturnen? Habe ich da Netz? Es soll ja eine Smartphone-Aktion werden! Ich hätte ja zu gerne mit Bleistift auf eine Wanderhüttenwand ein Gedicht geschrieben, wie einst Goethe. Kennt ihr alle, oder? „…Warte nur, balde / Ruhest du auch.“ (Von den Klassikern lernen #seufz)
Auf Twitter und sonstigen Plattformen kamen dann die ersten Bilder von der Dokumenta 14. Ja, ja, es kommt gleich, ich will nur die Gedankenkette hier dokumentieren!
Kassel. Ich war dort zum Wehrdienst befohlen. Während der Documenta 5. Siehe da!
Man klickt heutzutage dann herum und ich suchte nach unserem Truppenübungsplatz. Dönche hieß der. Und siehe da: Das ist jetzt ein Naturschutzgebiet!
Bämm! Kunst hilft. Einen ehemaligen Truppenübungsplatz habe ich um die Ecke auch. 1 km entfernt. Das Militär kennt ja keine Landschaften, dort ist alles Gelände. Nicht zum umherspazieren, sondern um zu kriegen. Doch, das muss sein…..
Ich werde also diese Woche noch eine #twly-Lauf durch das ehemalige Gelände machen. Hier wollte ich nur beschreiben, wo das ist und was das ist. Das wird lyrisch schlecht zu fassen sein.
Es geht um den heiß umkämpften Viernheimer Panzerwald. Der Truppenübungsplatz der US-Army, direkt im Wasserschutzgebiet für das Käfertaler Wasserwerk, der Ressource für Mannheim und auch uns Viernheimer. Das sah so aus dort. Link zu einem Bericht mit Archivbild.
Man konnte auch gerne mitten hindurch fahren. Zum Tiergehege am Karlstern z.B. War nett, wenn die M 33 nebenan umherdüsten. Seit 1994 fuhren dann keine Panzer mehr, wenigstens. Aber im Wald war immer noch die Infantrie. Ich hatte es ja hier beschrieben. Aus 2007.
„Gänsehaut und die Army im Wald. Noch.“

Soldatin im Panzerwald 2007

2012 lösten dann die Amerikaner Eisenhowers Army-Europazentrale in Heidelberg und die dazugehörigen Kasernen auf und zogen nach Wiesbaden.
Es entstanden zwei Naturschutzgebiete, die so eigentlich nicht in die Landschaft passen. Die Dünen plattgewalzt wurden zur „Heide“ mit Pflanzen, die nicht hierhergehören. Das sieht jetzt so aus:

Naturschutzgebiet im Käfertaler Wald

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Poenia Lollipop und die Erwähner

Pfingstrosen in Öl. Ausstellung „Paeonie – die Blume Chinas“ 2014
Ich verkündete es ja bereits: Ich radelte schon wieder nach Lorsch. Nach Lorsch mit dem Fahrrad ist für mich nichts besonderes. Schon als Kind mit dem Großvater in seinen Geburtort Einhausen mitgenommen, ohne Gangschaltung, sintemals. Viel später dann meine Sonntagmorgen Tour, oder Teil einer längeren Tour, siehe hier 2005. Einen Kaffee vor dem Welterbe und weiter. Da wurde lange umgebaut, überall Bauzäune. Meine Besuche wurden weniger. Dann kam der Welterbetag 2014 und diese Ausstellung „Paeonie, die Blume Chinas“. War stark! Hier der Flyer zur Ausstellung des Geoparks Bergstraße Odenwald als PDF. Seitdem versuche ich diesen Pfingstrosengarten in voller Blüte zu erwischen. Dieses Jahr sollte es gelingen! Ich fand dazu in der Vorbereitung die Website des Heimat- und Kulturvereins Lorsch. Alle Achtung! Dieser Pfingstrosengarten ist ein Bürgerprojekt! Erstaunlich, was dieser Verein leistet.
Rollrasenpflege vor der Bergstraßenkulisse mit der Starkenburg auf dem Weg nach Lorsch.
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Lauresham, Zeitreise zu Karl dem Großen.

(Hier wird es demnächst einen weiteren Artikel zu Lorsch, der Anfahrt und den Welterben geben, ich werde nächste Woche (vielleicht) wieder hin radeln, die Pfingstrosen werden hoffentlich bis dahin noch blühen. Es sind ja nur 15 km . Wird verlinkt, ihr könnt, bei unbändigem Verlangen, solange meine sonstigen Lorsch-Ausflüge hier nachlesen.) Update: Hier ist der Link!
tl;dr
Ich war im „Experimentalarchäologische Freilichtlabor karolingischer Herrenhof Lauresham des Welterbe Areal Kloster Lorsch“.
Ich bin begeistert!

Ein Youtube-Video zur Eröffnung von Laueresham von Matern TV.

Eigentlich sollte der Nachmittag nur eine der üblichen Rundfahrten  werden, wie ich sie schon 2005 beschrieb und später in dieses Blog hievte. Bisher war das wohl ein (fast) hessisches Jahr in meinen Blogs. Die Blüte an der Bergstraße, Nolde im Museum Wiesbaden, Margritte in der Schirn, im Städel der Geschlechterkampf, nun also Lauresham. Ich schlich schon lange um das Gelände herum und dachte man könne da nur als vorangemeldete Gruppe darin herumwuseln und tweetete 2015:


Bösartig, dabei arbeiten dort so nette Leute! Tschuligung!

Auf der – für mich – „neuen“ Website stand, dass man auch in spontanen Gruppen besichtigen könne. Im Besucherzentrum telefonierte man für mich und als eine Führung zustande kam, verständigte mich ein Mitarbeiter, ich war solange in einer anderen Ausstellung!
Also Lauersham, einer der vielen Namen des Städtchens, des Klosters, das ich von Kindesbeinen an kenne.
Über Lauresam hatte ich schon viel gelesen. In den Blogs von „Spektrum der Wissenschaft“ „Frieren für die Wissenschaft: Lauresham im Winter“, Artikel des Bensheimer Anzeiger, der so etwas twittert oder Bilder auf Instagram angesehen, einer Facebookseite folge ich auch. Man versucht im Rahmen des Projektes auch eine Reproduktion des Aucherochsen durch Zurückzüchtung zu bewerkstelligen, also kein Cloneversuch oder ähnliches. Ich lese schon geraume Zeit in dem Blog dazu mit. Hier entlang!  Mit Kälbchen-Content :))
Trotzdem hatte ich nicht wirklich in aller Tiefe kapiert, was genau das sein soll.
Es wurde erklärt und ich lernte viel! Lauresham, Zeitreise zu Karl dem Großen. weiterlesen

Blütenburger. Von Vettel- nach Handschuhsheim

Jedes Jahr gibt es ein paar Tage, an denen die Bergstraße in Blüten ertrinkt.
Die Bergstraße ist schlicht der Anstieg zu den ersten „Bergen“ des Odenwalds (von 100 m über 0 200 – 500 m über 0) aus der Oberrheinischen Tiefebene zwischen Darmstadt und Wiesloch, unterteilt in einen hessischen und badischen Teil.
Dort läuft eine uralte Straße entlang, die schon die Römer benutzten, heute die B3 mit Abzweigungen. Nichts dramatisches, nur im Frühling, wenn die Blüte beginnt wirkt die Mischung aus noch blätterlosen Weinbergen, Burgen und den erblühten Obstbäumen sehr reizvoll. Ich kenne sie gut, die Bergstraße. Zwei Jahre wohnte ich an ihr, mit Balkonblick, 37 Jahre arbeitete ich zu ihren Füßen, so 400 m entfernt…
Dia alte Bergstraße von Schriesheim habe ich jedes Jahr im Auge.. Siehe hier vom 22.April(sic!) 2016. Dieses Jahr schon im März.

Blüten vor Reben und Burg. Strahlenburg Schriesheim 2017.

Aber! Tags zuvor wollte ich noch Schlehen bewundern und amüsierte mich wie immer über dieses Schild, war ich doch auf den 8 km bis hierher mindesten drei mal über die Landesgrenze zu Baden-Würtemberg gezockelt. Es verkündet die Grenze von Laudenbach zur Kreisstadt Heppenheim (ja die mit dem Vettel) des Kreises Bergstraße.

Willkommensschild in Hessen zwischen Laudenbach und Heppenheim an dem R8.

Dreht man sich um, an der Stelle….


Und man sieht an den Hängen das Weiß. Nichts wie hin. Einmal um den Bruchsee gesaust, die Esel und Hühner begrüßt..

Rechts ab zum Radweg gen Süden. Immer der B3 entlang. Auf der Höhe der Odenwaldquelle bietet sich dieser Anblick: (Ich nenne diesen Ort bei mir gerne Schorle-Punkt, die Mineralwasserfabrik direkt am Wingert. 🙂 )

Blüte unterhalb der Starkenburg, Heppenheim

Es setzt sich auch immer mehr rechts des Rheins durch. Nach dem Motto: Was brauchen wir Gimmeldingen, um Mandelblüten zu sehen!

Mandelblüten an Rebhang, Vettelheim / Bergstraße.

Ich fuhr dann bis Weinheim den Weg direkt an der B3. Das ist nicht unbedingt erholsam. Zum Teil muss man da auf der Straße fahren, die Radwege sind weiter unten, in der Ebene, aber ich wollte am Hang bleiben. Ich bin diesen Weg schon ewig nicht mehr so gefahren und hei! Das ist ja auch ein gewaltiges Blütenmeer, zum Teil richtige Mandel-Alleen. Sorry, aber ich habe nix geknipst, war zu fasziniert und traute mich nicht, ob der Verkehrsströme. Vielleicht fahr‘ ich da nächste Woche noch einmal hin…

Denn ich hatte gestern ja noch die Fortsetzung vor mir, mein altbekanntes Wegstück von Schriesheim nach Heidelberg-Handschuhsheim über Dossenheim. Die Strahlenburg mit Blüte wacht ja schon im Eingangsbild. Es ist eigentlich eine 5-Burgen-Strecke, aber die B3 in Weinheim ist wenig reizvoll, die Burgen strahlen dort über der Blütenpracht ihrer Parks. Man könnte ‚mal wieder überall hinrennen. 🙂 Aber bitte: Die Strahlenburg, ihre Reben und Blüten.

Strahlenburg, Schriesheim

In Dossenheim wird es dann mythisch. Palmen an Blüten in Schwarzgewölk. Diese Palme, an ein Mietshaus geschmiegt, die dauerhaft dort wächst, erstaunt mich seit Jahren!

Palmen, Blüten, Hügelberge in Dossenheim

Die 2,2 km nach Handschuhsheim sind dann reinster Blütenporno. Mit meiner Handy-Knipse nicht einzufangen. Unten Schrebergärten, am Hang aufgegebene? Gärten, die ein Blütenfeuerwerk verbreiten.

Bergstraße in Heidelberg-Handschuhsheim

Es ist wirklich prachtvoll. Wer Gelegenheit hat, sollte es sich ansehen!

Zum Abschluss die Tiefburg, dahinter lockt das Eis! Hab‘ ich ja hier schon verknipst.

Tiefburg, Heidelberg-Handschuhsheim mit Magnolie.

Noch wird es trotz Sommerzeit kühl am Abend. Zurück durch die Ebene, die Bergstraße im Blick. An einem weiteren mythischen Ort.

„Leugensäule für den römischen Kaiser Severus Alexander (222-235), im Jahre 222 gesetzt, 1 gallische Leuge (2,2 km) von Lopodunum entfernt, von der Civitas Ulpia Sueborum Nicrensium“

Tafel an der Leigensäule für Kaiser Severus Alexander in Ladenburg

Es ist schön entlang der Bergstraße nach Hause zu radeln. Alla Hopp!


Übrigens hat SWR4 seinen Fotografen auch dort losgeschickt.

Straßburg, die Kunst, die Angst und der Rucksack an der Hand!

„Ticketplus“ Alsace des VRN

Mir war nach einer weiteren Bahnspazierfahrt und Kunst. Der Samstag versprach strahlend blau zu werden, ich wollte einmal mehr das „Ticketplus Alsace“ benutzen, einfach so und der Kosten wegen, quasi für siebenfuffzisch nach Straßburg hin und zurück. Mit der Karte ab 60 bis nach Weißenburg, dann mit dem TER nach Straßburg. Ich war noch nie in den Museen dort! Nur touristisch unterwegs, hier der Bericht von 2008. Dieses Ticket gilt nur an den Wochenenden, also überwand ich mich an einem Samstag loszuziehen, als Rentner.

Es war eine sehr meditative Fahrt. Der Schlehdorn fraß sich weis blühend durch die Landschaft und die ersten Frühblüher schimmerten auch weis bis rosa. Drei Stunden Fahrt, französisches Gebabbel um mich herum. Ich weiß, mit dem ICE oder dem TGV wäre ich in einer Stunde und ein paar Minuten da, wie langweilig und regulär für 90 €. Rentner haben mehr Zeit als Geld! Außerdem mag ich die TER-Züge mit ihren Sofas!

„Sofa-Sitze“ in einem Zug des „Transport express régional“

Straßburg empfing mich blaugestrahlt und beblühtet, die Straßen-Bistros entschleunigten die Einheimischen, die gelassen den Zug der Touristen gen City betrachteten.

Straßburg blüht. Man beachte die hervorragende Fahrradführung durch die Stadt!

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