Drachrhein, @drachenmail 0.1

Von: dragon@universe.all
Betreff: About us
An: Peter_Lisa@gmail.com

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Hi Lisa, hallo Peter, ihr zwei Lieben!

Wir sind ursprünglich Einwohner eines Gasriesen in einem Universum, das ihr noch nicht kennt. Geistwesen. Nein, wir können es nicht näher beschreiben. Nicht ohne eine Einführung, die Äonen dauern würde. Nehmt es einfach hin. Wir bestanden normalerweise zu 90% aus einem Gasgemisch, das auf der Erde nicht vorkommt, wie ihr aus H2O. Vor langer, langer Zeit, als selbst die Jedi noch nicht geboren waren, gab es bei uns eine Bewegung, mit Geistis, die ihr wohl als „Hippies“ bezeichnen würdet.
Wieder einmal tobte ein „Bürgerkrieg“ im Universum, den sie verachteten. Sie fanden einen Weg der transuniversalen Verflüchtigung in die Schwerkraft. Ein Weg unter anderem zu eurem Planeten. Unsere Vorfahren waren entzückt von all dem Leben, das sich entwickelt hatte und beschlossen in Körper zu transformieren, die auf diesem Planeten leben konnten. Ein Leben als Gaswesen lehnten sie ab, so sehr hatten sie den ewigen Krieg in ihrem Gasriesenuniversum satt.
Sie vermischten sich unwiederbringlich mit der DNA eures Planeten. Aber wie bei euren Hippies auch, gab es Künstler, die nicht einfach irgendwie so werden wollten, sondern ihre Körper designen, als Kunstwerk leben wollten. Und so entstanden in tausend Agenturen, Studios und Ateliers Wesen wie ihr sie kennt. Entsprungen den Hirnen von Gasis, die berauscht von den Gerüchen der Dschungel und Savannen Drachen, Einhörner, Hexen, Trolle, Zwerge, Riesen, Elfen, Elben und all die Wesen, die ihr aus eurer „Fantasy“ kennt. Drachrhein, @drachenmail 0.1 weiterlesen

Drachrhein, Aventiure 2.0


Peter mulmigte. Natürlich hatten sie noch nie davon gesprochen. Sie studierten doch, er jedenfalls, Lisa schauspielerte. Tatsächlich und in echt. Schauspielschule in der Felina, Mannheim. Sie hatten noch nicht einmal eine gemeinsame Wohnung. Aber das würde sich wohl bald ändern, wenn sie einen Nebenjob gefunden hätten. Aber warum blieb Lisa dann bei jedem Juwelier in den Planken stehen und betrachtete auch Eheringe? Nein, sie sagte nix, drückte sich nur an ihn. Aber junge Leute müssen nicht immer sprechen, wenn sich Lippen bewegen sollen.
Die Drachen hatten sie nicht vergessen, aber verdrängt, wie die Welt auch. Zu viele scheußliche Dinge geschahen, die besprochen werden mussten. In Lisas und Peters Körper tanzten die Hormone und sie genossen sich. Sie tanzten zum ersten Mal in den Mai, im Capitol in Mannheim. Fatma2Soul soulte sich in ihre Seelchen. Und da war sie wieder, die Stimme im Kopf! Aber nicht donnernd, sondern ganz leise. „Könnt ihr kurz ‚rauskommen?“
Aber vor dem Capitol war nichts. Doch dann pfiff es, leise, aber durchdringend, als ob ein Wind falsch singen würde und dann sahen sie verblüfft eine Wolke aus Bleistiften über dem Neckar schweben, eine weitere Wolke zischte die Mittelstraße entlang, von der Schafweide her eine Vierte. Bald waren sie eingehüllt, als ob eine gigantische Mückenparade summte. Lisa lachte, doch Peter bemerkte es als Erstes. Das waren keine Bleistifte, das waren Besen. Kleine Besen und auf ihnen saßen Hexen. Kleine kitschige Hexen. Lisa schauderte. So stellte man auf keinem Theater der Welt mehr Hexen dar. Überhaupt. Faust musste man doch anders. Peter stöhnte. Die Theaterwelt, in die Lisa oft abglitt, nervte. Als ob alles eine Bühne wäre. Obwohl, die Walpurgisnacht. Drachrhein, Aventiure 2.0 weiterlesen

Drachrhein, Aventiure 1.7

Halt! Die Stimme donnerte in ihren Köpfen! Der uralte Feind ist endlich erwacht, wir wissen jetzt, was vorging, was immer noch vorgeht. Zeigt keinerlei Interesse an Drachen, macht einfach, was reproduktionswillige Paare eurer Gattung so machen. Wir haben keine Zeit für lange Erklärungen. Wir kommen aus einem anderen Universum, in dem der Kampf schon lange zu Ende schien, nur hier hat sich noch eine Schar der Feinde gehalten. So wie wir in eure Mythen als Drachen eingingen, waren sie Einhörner, Elfen, Trolle und strahlende, fahrende Ritter, getarnt. Siegfried war so einer, wie Hagen einer von uns. Fast jedenfalls, natürlich unmythisch anders. Wir müssen erst herausfinden, was genau unsere Artgenossen damals hierher trieb, was geschah. Wir sind so etwas wie Archäologen, die hier gestrandet sind. Wir werden jetzt gehen, aber wir werden Euch aufklären, denn wir brauchen euch!
Und schon verkündete Twitter, wie immer zu erst, von Drachenzügen nicht nur den Rhein entlang, sondern jetzt auch den Jangtse, den Missouri, die Wolga, den Amazonas, den Nil entlang. Ein Drache putzte sich sogar die Algen der Spree auf dem Dach des Kanzleramtes aus dem „Gefieder“, was die Kanzlerin sehr erboste. Mochten die Drachen machen, was sie wollten, aber auf dem Kanzleramt ging das gar nicht und sie zitierte erregt die Chefs der bekannten und unbekannten Dienste zu ihr. Drachen auf dem Kanzleramt, das ging gar nicht. Bestimmt waren das Chinesen, die hatten es doch immer mit Drachen, oder doch chinesische US-Amerikaner. Die Presse feixte, der Bundespräsident sah die Freiheit in Gefahr und forderte den Einsatz der Bundeswehr!
Lisa und Peter sahen sich an, stiegen in Bobenheim-Roxheim aus der S-Bahn, sprachen nicht viel. Erst zu Hause, nach einer Weile, im Bett, aneinander gekuschelt diskutierten sie ihre Angst weg, küssten sich Herzrasen aus den Seelchen und beschlossen zunächst einmal gar nichts zu tun. Was sollten sie auch tun? Sie mussten warten, bis sich die Drachen wieder meldeten oder auch nicht. Und ihr Menschsein forderte sie auch hier und jetzt. Eine gemeinsame Zukunft musste ganz langsam angegangen werden, ungeplant, in die Zeit hinein.

Drachrhein, Aventiure 1.6

Lisa landete mit der S3 von Mannheim nach Speyer, der längsten S-Bahn Deutschlands. Ein Blick in Peters Augen und nichts war sonst wichtig. Hände fanden sich, Lippen. Ach was Dom, den kannten doch beide. Und ja dort und da. Ein Wahnsinn, wie schnell alles ging, als ob sie sich schon ewig gekannt hätten, nichts schien fremd und doch alles. Wie immer, wenn Blitzverliebte sich treffen. Wen interessierte Drachen oder die Kriege der Welt? Man las sich in den Augen und nach einer fast durchwachten Nacht, wer schläft schon mit einander in diesem Alter, das erste Frühstück und noch immer tanzten Kerzen in ihren Augen und dann in ihren Hirnen die Explosion!
„Irdische Reproduktionstechniken in Ehren, das war sehr inspirierend, aber wir brauchen Euch in Worms. Heute noch.“
Die Drachen waren in ihrem Hirn.
Sie erschraken, lachten, diskutierten und ihre Hände erzählten andere Geschichten und noch einmal spielten sie „Genosschenschaft“.
Lisa war es, die meinte, man könne das vielleicht aktiver gestalten! ( Ein schallendes Lachen der Drachen mit Röte in Menschengesichtern!) Worms? Peter lächelte. Er würde ihr immer folgen, wohin auch immer. Im Augenblick.
Dann halt Drachen! Und ihr Abenteuer begann!

Drachrhein, Aventiure 1.5

Peter arbeitete hart. Aufräumen, putzen. Lisa kam. Das Gästezimmer richten, aber auch sein Zimmer so präparieren, dass, falls und er träumte von Wonnen, riss sich aber los. Er wollte nicht alles kaputt machen, bevor es denn begonnen hatte. Keinen #aufschrei riskieren. #aufschrei hatte er laut ausgesprochen und es kicherte. Ein Minidrache saß auf seinem Tablet und kicherte. „Du hast den hashtag vergessen mit zu singen“. Das Wesen sprach Farsi mit eindeutig Pfälzer Zunge. Peter verstand eigentlich kein Farsi. Da saß ein verkitschtes Abbild eines Drachen auf seinem Tablet, das seine Twitter-Timeline zeigt. Nein, das war ja gar nicht seine. Der Kitschdrache saß ganz ruhig, war ja auch nur eine Plastikfigur und sprach direkt in sein Hirn. „Das wird schon mit Lisa, das muss etwas werden, wir brauchen Euch zwei“. Das war dieses mal Mandarin. „Wir werden es Euch mitteilen, was ihr für unsere Welt tun müsst, weil nur ihr es könnt!“ „Das war Pfälzisch“, sang die Maus von der ARD in Peters Kopf. Der Drache sagte nichts mehr, war einfach nur noch eine dämliche Plastikfigur, die er einmal in Worms gekauft hatte. Nur, wie kam die auf sein Tablet? Wurde er jetzt verrückt? Hörte er Stimmen? Sein Vater hatte draußen einen Winzer-Trester aus Bockenheim stehen, der trieb sich dort jährlich beim Dialekt-Gedingse im Winzerzelt herum. Ach was, er war einfach überspannt, hatte schon ewig keinen anständigen Sex mehr gehabt, bestimmt schon zwei Monate, aber Vorsicht, Vorsicht, nichts übertreiben morgen, das sollte kein One-Night-Stand werden. Er trank seinen Trester und schaltete die xBox ein. Was hatte sein Bruder gesagt, da sei ein neues Spiel d’rauf. Gamer! Und was war neu da? Dragon Age, Dragon Ball, Dragon Age 3, Dragon Age Inquisition. Und eine der Drachen in der Box zwinkerte und in seinem Kopf grölte es trunken: „Gruß an Lisa morgen.“ Peter riss den Stecker aus der Dose und die xBox erstarb brutal. „Vergiss uns nicht, zwitscherte der kleine Drache auf dem Tablet. Peter warf ihn an die Wand, trank noch zwei Trester und legte sich schlafen, verdrängte die Drachen und dachte an Lisa.

Drachrhein, Aventiure 1.4

Lisa konnte nicht einschlafen. Sie dachte nur noch an den morgigen Ausflug nach Speyer und an Peter. Es begannen da Schmetterlinge zu toben. Seit sie mit Jan Schluss gemacht hatte, war dies das erste Mal wieder. Schmetterlinge im Bauch und weiter unten begann auch einiges sich wieder zu regen. Nein, sie wollte jetzt nicht, lieber bis morgen warten. Sie belächelte sich selbst. Sie benahm sich, wie ein Teenie, dabei war sie jetzt schon 21 Jahre alt, hatte Abitur und arbeitete für ein Theater! Um sich abzulenken stöberte sie auf ihrem Phone im Netz und googelte nach Drachen. Und wurde ernst. Tatsächlich gab es seit Jahrtausenden in allen Kulturkreisen Drachen. Peter hatte recht, das musste ja irgendwo herkommen. Das ist nicht nur diese blühende Fantasy-Industrie. Sie fand den römischen Draconarius und dann gleich die Apocalypse von Johannes 12. Sie las zwar die Lutherüberetzung dazu, aber ihr aufgeputschtes Gehirn sah die Vulgata in Fraktur einen Kitschdrachen umfließend:

Und Luther übersetzte das so:

…Und sie war schwanger und schrie in Kindesnöten und hatte große Qual zur Geburt.
Und es erschien ein anderes Zeichen im Himmel, und siehe, ein großer, roter Drache, der hatte sieben Häupter und zehn Hörner und auf seinen Häuptern sieben Kronen;…Und sie gebar einen Sohn, ein Knäblein, der alle Heiden sollte weiden mit eisernem Stabe. Und ihr Kind ward entrückt zu Gott und seinem Stuhl.

Das war jetzt eindeutig zu viel. Geburts-Dinge, wenn man einen User das erste mal besuchte…Sie trank schnell den winzigen Grapparest von der WG-Party, stürzte das Bier hinunter und ging schlafen. Worauf hatte sie sich nur eingelassen?

Drachrhein, Aventiure 1.3

In dem erstmals Lisa und Peter auftauchen, eine Lovestory beginnt und die Drachen in Worms eine Rolle spielen, es wird wohl eine Drache-Love-Story werden…jenseits des Storify)
Peter schickte Lisa einen Link via WhatsApp. Via Twitter DM ging das ja nicht mehr. „Guck ‚mal da hat einer eine Storify zu dem Thema gebastelt. Drachen in Worms. Drachen am Rhein.“ Sie hatten sich kennengelernt bei einem der üblichen Memes, als wieder einmal „Kevin und Schantalle“ durch das Netz getrieben wurde. Sie hatten sich geoutet, genauso zu heißen, aber wegen diesen Dummheiten, die sie wegen nichts als dem Namen als Unterschichtenproleten per Se brandmarkten, doch lieber zu ihren Zweitnamen Zuflucht ergriffen hätten. Irgendwann klinkten sie sich aus der Dummdebatte, die via Twitter, Facebook und auf diversen Tumbrls lief, einfach aus. So begann dann eine typische Internet-Sache. Bilder wurden ausgetauscht, geWhatsApped, geDemmt, gechattet auf Facebook. Im Augenblick waren sie beim Telefonieren angelangt. Man fand sich sympathisch, ein Treffen lag in der Luft. Sie hatten beide die Drachen gesehen. Drachrhein, Aventiure 1.3 weiterlesen

Drachrhein, Aventiure 1.2

Drachrhein, Aventiure 1.2

(Zwischenspiel)

Die Internetkonzerne sind konsterniert. Die Drachen-Accounts waren alle wieder aktiv und auf allen Kanälen tauchte ein „Gedicht“ auf, ohne Titel, auf Youtube sogar animiert.


Verbindung zu Youtube erst nach dem Klick.

Wieder ohne jeden Device gepostet, ohne ID, wie aus dem Nichts in die Server geblasen. Die Sheriffs der christlichen und sozialen Parteien wetterten und verlangten ein Vorratsdatenspeicherung. Sie hatten das noch nie kapiert.

Zwerge kochen
Drachen im eigenen Blut
Feuer speien Herzen
ein Schwert blinkt
Laser in die Ahnen

In den Netzen tobte das Volk. Trolle und Antitrolle interpretierten. Der Khaos Kumputer Klub warnte vor dem Angriff der Aliens auf das Netz und fordert riesige Firewalls, was die Witzbolde in allen Teilen der Welt bis zum Umfallen lachen ließ. Drachen-Firewall wurde zum geflügelten Wort, die germanistischen Oberseminare weltweit brüteten über dem Text. Der Bundespräsident forderte aufgeschreckt, die Bundesregierung auf, mehr Verantwortung zu übernehmen und die Bundeswehr zu involvieren, was die Generalität nervös werden ließ, hatten sie doch weder echte noch Internetkanonen.
Das Geschwader selbst tauchte urplötzlich am Oberrhein auf, aus dem Turm des Freiburger Münster kommend, umflatterte den Kaiserstuhl und verschwand diesmal im Straßburger Münster, nachdem es kurz im Grand Canal d’Alsace baden war.

Im Deutschen Fernsehen gab es wieder Kochsendungen und Quiz. Bayern München wurde als künftiger deutscher Meister gehandelt. Der Dax sang zu bodenständigen mittelständigen Weisen. Die Welt atmete weiter. Atemlos war nur ein Schlägerchen.

Drachrhein, Aventiure 1.1

[In dem das alles internationalisierte, die Schweizer SVP sich empörte. In Österreich Mozartopern gestört werden, die Mosel beflogen,in Mannheim hängende Drachen besucht werden und ein Bahnstreik wahrscheinlicher wird]

In Worms war die Polizei alarmiert, das Technische Hilfswerk, das Sanitätswesen, 3 Bürgenwehren und die Friedensbewegung, die kriegerische Handlungen befürchtete. Die mächtigen Tierschutzorganisationen zögerten, wussten sie doch nicht, ob das tatsächlich Tiere waren. Aber das Wesen war nicht wirklich da. Irgendeine Art von dreidimensionaler Projektion flatterte da um den ehrwürdigen Dom umher. Es sprach auch nicht mehr, war nur präsent. Hubschrauber störte es auch nicht, auch nicht die vom ADAC. Schnell ging das Gerücht um, das wäre eine neue Erfindung der Chinesen. Das sei doch so ein Drachenvolk. Das Reich der Mitte plane eine Revolution von innen, oder dies sei der erste Vorstoß einer Invasion. Was natürlich Unsinn war. Chinas Invasion bestand aus Waren und Geld. Dafür braucht man keine Waffen. Die deutsche Bundeswirtschaft bewies das doch auch in den 50igern, sehr zum Unmut der Siegermächtewirtschaften.
Als die ersten bischöflich-lizenzierten Exorzisten auftauchten, die das Teufelszeug wegbeten wollten, man war schließlich auf römisch-kirchlichen Grund, wortwörtlich, begann das Wesen Feuer zu lächeln. Keiner hätte sagen können, warum das ein Lächeln war, aber alle wussten es. Mit den virtuellen Krallen zog es die Kirchenkämpfer leicht an den Ohren, was diese später mit roten Köpfen als eine fast sexuell-stimuliernde Geste beschrieben wurde. Jetzt war der Boulevard gar nicht mehr zu halten. Ohrensex, Exorzismus, Drachen. Als aber die rasenden Reporter und selbige Innen auftauchten und zu palavern begannen und zu Papparazieren verblasste das Wesen langsam immer mehr, bis nichts mehr zu sehen war. Noch einmal hatte es „Joy und Peace“ gebrüllt und war das Nichtseiende In Worms.
Aber über all am Rhein, dem Neckar, dem Main und der Mosel, diesmal sogar an der Weschnitz bei Mörlenbach tauchten aus den Wassern virtuelle Wesen auf, lächelten Feuer vor den Schulen, winkten und verschwanden wieder.
In Mannheim besuchte eines der Wesen die Drachendekoration in Geschwaderform, blies Luft zwischen die Kollegen und rief: „Siegfried, Siegfried, da sind sie, da sind sie“, und e auf dem Dach eines TGV und fuhr Richtung Paris mit. Man sagte in Metz wäre es Richtung Koblenz der Mosel entlang geflogen. Berichte darüber verurteilten die Funktionäre der Lokführer-Gewerkschaft scharf. Das sein nur ein weiterer PR-Gag der Bahn, um einen Streik zu provozieren. Man werde mit den französischen Kollegen über gemeinsame Aktionen sprechen. Das Wesen, das wieder am Seerhein in Konstanz auftauchte, schwamm dieses Mal in den See, begleitete kurz den Katameran, begrüßte die Schlange von der Zauberflöten-Inszenierung mit Feuer speiendem Getöse und störte die Aufführung mit „Joy und Peace“-Rufen, die verdächtig nach Beethoven klangen. Als das Wesen dann in Richtung Zürich verschwand, sprachen Sprecher der SVP sofort von einer Invasion wider die Neutralität von Ausländern, vielleicht sogar außerirdischen Mächten und forderte die Mobilmachung der Schweizer Luftwaffe, aber die hatte gerade Pause, weil Sonntag war. Ein Beben dröhnte bis Bern, aus gefeuertem Lächeln und das Wesen verschwand in der Limmat. Bemerkenswert, dass zum ersten Mal in politischen Kreisen von Außerirdischen die Rede war. Die Affäre wurde jetzt auch europäisch. Österreich, Frankreich waren betroffen. Die diplomatischen Kanäle glühten, in Brüssel drängte die Lobby die Kommissare zum Handeln, die Schlapphüte begannen zu hyperventilieren. Der amerikanische Präident war besorgt, weil selbst die NSA nichts empfangen hatte und die Wesen weder kontrollieren, noch aushorchen konnte, obwohl sie doch in die Internetknoten eingedrungen waren, obwohl niemand wusste, wie. Russland verhielt sich merkwürdig ruhig. Nur die Kinder auf allen Gassen sangen laut „Joy und Peace“ in allen Gassen. Bald würde Youtube-Stars geboren werden. Aber die nächsten Wochen wurde kein Drache mehr gesichtet, die gelöschten Facebook-Accounts nicht wieder geöffnet. Es herrschte Ruhe und Langeweile. Die Kriege gingen weiter, die Armen wurden ausgebeutet. Im Fernsehen wurde weiter gekocht und gelabert.

Drachrhein, Prolog

Ein gewisser Kai Gramlich sah sie bewusst als Erster. Seltsame Wesen, exakte 1000 mm lang, im Wildgänse-Anflug auf Rheinkilometer 0 am Seerhein in Konstanz. Aber es war 4 Uhr morgens und er hatte 2,5 Bier zu viel am Steuer, es können auch 2,7 gewesen sein. Also erzählte er nichts, sehnte nur sein Bett. Bis 06:00 Uhr MESZ glühten die Telefonleitungen am Rhein, die Funkzellen vibrierten. Tausende sahen sie den Rhein entlang fliegen, in geschlossener Formation, vierzig Stück. Kurz umflogen sie die vielen Pappdrachen in Worms, fauchten belustigt, wurden um 07:00 über Mannheim gesichtet. Durch die Social Media Kanäle gejagt, waren bereits bis in die Mandschurei Tausende von Verschwörungstheorien auf den Webservern dieser unserer Welt gespeichert. Regierungssprecher wiegelten ab. Die Polizei wollte Ermittlungen nicht gefährden, die technischen Hilfswerke und die Feuerwehren tuteten durch die Städte und Dörfer. Der Generalinspekteur bedauerte im Inland nicht ohne den Bundestag und überhaupt wären alle, na ja, tauglichen Flugmaschinen im Kampf gegen die Feinde im Ausland. Witze schossen in Gehirne, Kinder lachten oder weinten. Es waren eindeutig keine Drohnen.
Es waren Drachen, Drachrhein, Prolog weiterlesen