Kunst, Twitter und der Odenwald

Irgendwo hatte mich Dagmar, die Geschichtenagentin auf die Ausstellung „Alltagsmenschen“ in Mosbach (Baden) aufmerksam gemacht. Sie war schon vor Ort, auf Instagram beurkundet. Ich hatte das ganz vergessen. Die @odenwaelderin aka Landlebenblog hatte das ja schon im Juni auf Facebook bebildert!

Alla donn!

Es scheint immer dringlich im September, wenn der Herbst dem Sommer mit Schauern droht. Ganz schnell muss man noch dies und das und überhaupt machen und tun und ich eben gen Mosbach bahnen. Mit der S4 des VRN, der S41 des KVV, einem RE 12066 der DB Regio. Ach, die 5 des RNV natürlich. Dem Neckar entlang. Ich war ja erst im Februar da, in Mosbach.

Selfie

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Es ist eine interessante Ausstellung. Skulpturen von Christel Lechner. Gut kuratiert, inszeniert, in die mittelalterliche Altstadt integriert. Die Skulpturen sind hinterfotzig. Sie karikieren ohne Comedy zu sein, liebenswürdig und doch verdreht, als ob Loriot Pate wäre. Sie passen so stark in die Umgebung, sind Alltag, dass man manchmal Mühe hat sie zu finden, obwohl man schon x-mal daran vorbei gelaufen war. Ich hörte auch niemanden meckern. Die Menschen lächeln die Figuren an, Kinder spielen sofort mit ihnen, als wären es Kaufhauspuppen zur Weihnacht.

Christel Lechner "Reise nach Jerusalem" #alltagsmenschen

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Man möchte sich dazu setzen, manchmal, um dann festzustellen, dass man jetzt sich selbst karikiert.

Christel Lechner "Bistroszene" #alltagsmenschen

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Eine Gruppe Alltagsmenschen begegnete mir bereits bei der Skulptur Triennale in Bingen. Irgendwie kam ich aber nicht dazu die Gruppe für mein Storify zu knipsen. Hier der Screenshot der Website.

Fotogruppe, o.J. von Christel Lechner in Bingen.

Interessant was dort, auf der Website zu der Skulptur und über Frau Lechner zu hören ist.

Das Pedant dazu in Mosbach, direkt vor einem Supermarkt.

Christel Lechner "Fotogruppe" #alltagsmenschen

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(Ganz oldschool mit Kamera, keine Selfies. Notabene!)
So ging ich durch die Straßen, dem Flyer folgend, der die Fotogruppe allerdings anderswo verortete, aber was soll’s, ich fand alles trotzdem.
In Mosbach träumt man wohl immer noch davon, die Hauptstädter in ihre Sommerfrische zu locken, während überall schon Menschen plakatieren, um nach Berlin gewählt zu werden. Wie es Euch gefällt, nämlich.

Christel Lechner "Berliner Paar" #alltagsmenschen

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Christel Lechner "Der Ernst des Lebens" #alltagsmenschen

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Ob sich die Bundestager (kandit.) das in etwa so vorstellen? Ich musste sofort daran denken. Also ich hätte da „Pressekonferenz“ dazu getitelt. Oder „Parlament“. Ich könnte mir die Skulptur auch auf dem Domplatz in Köln vorstellen mit dem Titel: „Warten auf das Dreigestirn“ oder in Mainz, neben dem Fastnachtsbrunnen mit dem Titel: „Komitee im Sommer“. Oder frech, im Foyer eines großen Museums mit dem Titel „Führung“…. Übrigens Museumspädagogik… Diese Ausstellung wäre ein ganz hervorragendes Event für einen Instawalk oder Tweetup, oder Social Meetup. Da dürfen dann alle Socialmenschen mitmachen, die etwas ins Internet schreiben, egal wohin. Aber es ist ja schon bald vorbei. 🙁

Christel Lechner "Sitzender" #alltagsmenschen (Vor Buchhandlung.Kindlers)

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Nein, das ist kein Buchblogger, der Stimmen für den Award sammelt oder Bücher empfiehlt, für seinen VHS-Kurs. Oder ein Oberstudienrat, der guckt, ob seine Schüler auch die richtige! Lektüre kaufen.

Christel Lechner "Bauarbeiter" #alltagsmenschen

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Ich musste sofort an den Langzeitwitz „Arbeiterdenkmal“ denken. (Sic!) Wenn ich ver.di wäre, ich kaufte das für die Streikposten.

Christel Lechner "Badender" #alltagsmenschen

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Ob die Dopingproblematik im Schwimmsport schon gelöst ist? Gibt es eine Freibaddebatte in Mosbach? Früher, zu Kinderzeiten, als wir noch wild zelten durften, in den Zeltlagern, wuschen wir uns so. Natürlich nicht in dem Badeanzug, aber doch. Der Alltagsmensch sieht allerdings eher aus, als ob er vor dem Eiskiosk des Flussbades am Neckar warten würde.
Ich suchte nach der nächsten Figur, sie war sehr versteckt und dann kam die @odenwaelderin, die Landlebenbloggerin aus ihrem Büro. Ungeplant. Ein spontanes Twittertreffen. Twitter führt eben sehr wohl zu persönlichen Begegnungen, manchmal, ist interaktiv analog-digital. Zum Abschied dann immer: „Man liest sich“.


Ich war so überrascht, dass ich sie doppelt postete. 🙂 Hier also nochmal in Groß und Farbe.

Landlebenbloggerin beim Feierabend vor Büro und Sonnenanbeter-Skulptur. Ihr Hund ist lebendig. 🙂

Danke für den Kaffee&, übrigens, und das Gespräch!


Innerlich lächelnd genoss ich die Plauderei, denn sie fragt wirklich gerne, nein nicht im Interviewstil, sondern wirklich wissen wollend, verstehen und gibt auch gerne Auskunft, denkt über Aktionen nach, ist auch ganz Bloggerin, genau wie sie es hier beschreibt.
Dann noch schnell die restlichen Skulpturen betrachten. Die Dunkelheit drohte bereits einzubrechen. Kommt jeden Tag völlig überraschend. Wieder ein Hund. Ohne Leine in der Fußgängerzone!

Christel Lechner "Großer Mann mit Hund" #alltagsmenschen

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Noch ein Arbeiter vor dem Herrn. Ohne Hund, mit Schubkarre. Man hält die Infastruktur in Schuss in Mosbach!

Christel Lechner "Blaumann" #alltagsmenschen

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Einst versammelte man sich am Brunnen vor der Linde oder so, heute ist das alles legerer. Fehlt nur der Grill! Das Teil sähe ich gerne auf der Neckarwiese in Heidelberg mit Schlossblick.

Christel Lechner "Picknik" #alltagsmenschen

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Zum Abschluss wird sauber gemacht. Man hatte mich vorgewarnt. Mosbach sei in einer halben Stunde leergefegt. Das war tatsächlich so. Da war wohl das halbe Umland shoppen und in den gefühlt drölfzig Eisdielen löffeln, tagsüber. Es wird also sauber gemacht, für die Kunden und Touris am nächsten Tag.

Christel Lechner "Putzfrauen" #alltagsmenschen

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Es passt wirklich alles! Frau Lechner soll nur mal öfter ausstellen. Warum nicht in der Pfalz? Hhm. In Speyer um den Dom herum?
Oder Figuren am Fluss, wie in Wiesbaden-Biebrich Frau Helmy, da war ich auch erst, vor ein paar Tagen.

Die Froschkönigin von Birgit Helmy am Rheinufer Wiesbaden-Biebrich.
Die Froschkönigin von Birgit Helmy am Rheinufer Wiesbaden-Biebrich.

Weil alles leer war, in der Hauptstadt des Neckar-Odenwald-Kreises, der ja auch zu unserer Metropolregion gehört, relaxte ich lieber in Mannheim. 🙂 Ob es in Mosbach Cider vom Fass gegeben hätte?. Ich muss irgendwann nachsehen kommen. Der Kreis hat ein interessantes Wappen, gefällt mir gut! Die Wittelsbacher Rauten mit dem Mainzer Rad. Da behakten sich wohl der Pfalzgraf zu Rhein und der Reichserzkanzler um ihre Leibeigenen, sintemals. Kurfürsten halt…..

3 Gedanken zu „Kunst, Twitter und der Odenwald“

  1. Ich fand die auch ganz toll. Nur das Berliner Paar fand ich ein bisschen unrealistisch und vorjahrhundertlich. Weniger Preußen mehr Kreuzberg würde ich mir für die wünschen.

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