Kreisen vom Odenwald zum Rin

Altes neu betrachten. Gedanken kreisen lassen. Hatte ich im vorletzten Artikel ja besprochen. Zuerst dachte ich auch daran Viernheim zu bereisen, zu deuten. So wie hier. Im Dialekt, lyrisch, vertont.

Uhne Ferz mit „Vänne“.

Aber dazu hab‘ ich im Augenblick keine Lust. Es gibt nichts besonderes hier. Würde ich über Viernheim schreiben, käme eine Art „Thomas Bernhard Geknatsche“ heraus oder ein „Papa erzählt vom Krieg“. Mag‘ ich nicht. Nicht lesen, nicht schreiben. Es gibt nämlich auch viele schöne Sachen. Theater zum Beispiel. Vielleicht mache ich das einmal, über Vänne bloggen. Vielleicht. So wie Claudia Reinhardt das in „no place like home“ machte.

Aber unseren Kreis Bergstraße will ich besprechen. Nicht politisch oder als Werbefilm, nicht als Ganzes, nicht vollständig, nur aus den Beständen dieses Blogs oder den Tiefen des lokalen Bildbestandes. Einfach als Fortsetzung der Reihe „anders betrachten“. Der Versuch eines Reframing. Im Voraus gesagt: Neu für mich ist eine plötzliche Wertschätzung, die auch Nähe bringt. Ich arbeitete ja in Weinheim in Baden-Württemberg, die Kultur beziehe ich immer noch aus Mannheim ebenda. Die zwei unmittelbaren Nachbarstädte westlich und östlich. Gefühlt ist die Kreisstadt viel weiter weg, Terra incognita, dabei nur 12 km entfernt, wie das Zentrum Mannheims auch. Der Bergsträßer Wein war in meiner Sozialisation ein fürchterliches Gemansche, was er heute gar nicht mehr ist, im Gegenteil. Irgendwie hat man es geschafft ein eigenes Anbaugebiet „Hessische Bergstraße“ zu werden. Aber was ist das schon gegen die Weinmeere der benachbarten Pfalz und Rheinhessens. Zu Ehren der Bergstraße trinke ich eine Riesling-Schorle aus einem Heppenheimer Stemmler, vom Supermarkt über der Straße.

Also, wie beginnen? Ich werde erst einmal ordnen. Einfügen. Definieren. Wir sind quasi das Bindeglied zwischen zwei Ballungsräumen: Den um Frankfurt, Wiesbaden, Mainz und dem um Mannheim, Heidelberg, Ludwigshafen. Mitten, zwischen drin. Mitglied der Metropolregion Rhein-Neckar und der Metropolregion Frankfurt/Rhein-Main
Wie auch immer diese Verbünde politisch funktionieren. Rechnete man die beiden Verbünde tatsächlich zusammen, so entstünde ein Raum, politisch sanktioniert, der nach dem Ruhrgebiet zweitgrößter Ballungsraum wäre, mit den größten Weinanbaugebieten, DAX-Unternehmen & all. Nur erwähnt um die Umgebung des Kreises nicht außer acht zu lassen.
Google Maps zeigt uns, dass der Kreis Bergstraße jede Menge Odenwald enthält, zwei Enklaven am Neckar besitzt und auch am Rhein liegt. Ein Ergebnis jahrhundertelanger Rangeleien allerlei hoher Herren, samt den Pfalzgrafen zu Rhein und dem Erzkanzler in Mainz. Neben dem Odenwald die Oberrheinische Tiefebene mit Dünen, Sumpf, Industrie und Gemüsebau. In der Mitte die „Bergstraße“ mit eigenem Weinanbaugebiet. Dominiert von den nicht kreisimmanenten Großstädten Darmstadt im Norden, Heidelberg im Süden und Mannheim im Südwesten, über dem Rhein die Stadt Worms. Keltisch besiedelt, die Römer hatten die Bergstraße bereits bepflastert, kann man in Heppenheim besichtigen. Die Fränkische Landnahme brachte die vielen Ortsnamen mit -heim hervor, manifestierte sich später in der Klostergründung Lorsch unter den Karolingern. Im Prinzip ist das Kreisgebiet der ehemalige Kernbesitz des Klosters Lorsch, das sich zu seinem Schutz in der Kreishauptstadt Heppenheim eine Schutzburg baute, die Starkenburg.

Die Starkenburg in Vettelheim.
(Lyrisches zu Heppenheim von mir gibt es im deutschen Literaturarchiv Marbach als Blogbackup)
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LA – Spargel, Kanu-Polo und Biedensand

#wirziehnfallera anders. Das gewohnte, das zichmal begangene, die unmittelbare Umgebung durch schärferes hinsehen neu entdecken und dokumentieren. Wie fast alles in diesem Blog, das einmal Burgenblogger werden wollte.
Ich wollte einfach die Beschreibung unserer Nachbarstadt erweitern, die ich normal nur als Durchgangstation auf dem Weg nach Worms wahrnehme.
Lampertheim, das auch gerne einmal LA genannt wird, so von der „Lareed Bigband“. Das klingt doch, oder? Lampertheim ist auch berühmt für seine Olympikonin Nicole Reinhardt. Schließlich ist sie dort geboren und hat hier ihre Karriere begonnen und arbeitet lebenslang im Rathaus.

Gebäude des Wassersportvereins Lampertheim.

Irgendwann muss ich ‚mal dahin, wenn sie Kanu-Polo spielen. Klingt lustig.
Lampertheim beherbergt auch unser Amtsgericht, die Polizeistation und die Redaktion des „Südhessen Morgen“. Mit 32000 Einwohnern nur unbedeutend größer als Viernheim, aber halt 32 km² größer.

Und die haben es in sich. Im letzten Beitrag hier: „Vom Gelände zur Landschaft #wirziehnfallera“ schrieb ich ja bereits über die Heide und den Weg nach Lampertheim. Den Zug durch die Heide fand statt, siehe die #twly auf mikelbower.de

Faszinierend an Lampertheim ist vor allem die Vielzahl der Landschaften, die es beherbergt. Ich wiederhole hier einige der Tweets aus der „Heide“


Eine Heidelandschaft, wie aus dem Norden an den Rhein gezogen, die sich dann in eine intensive Landwirtschaftszone öffnet. Gestern sah ich zich Menschen, die Buschbohnen ernteten. Sonstiges Gemüse wird auch angebaut, es gibt sogar eine Gemüsering gmbh.

Natürlich Spargel. Eine wirklich große Anbaufläche für Spargel und das feiern die Lampertheimer auch mit ihrem Spargelfest samt Spargelkönigin.

#Asparagus #nächstesjahrwieder

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Der Weg führt jetzt durch die Stadt mit einigen schönen, alten Fachwerk-Gutshöfen mit Direktverkauf, frisch poliert die Römerstraße und das aufgeputzte Rathaus. Wäre alles nix besonderes, wenn es nicht den Biedensand gäbe. Ein Naturschutzgebiet am Altrhein, das bei der Rheinbegradigung vom Hauptstrom abgetrennt wurde. Denn man sieht es in der Stadt nicht, niemand schreibt Lampertheim/Rhein und doch ist es die erste hessische Stadt am Rhein, der von Mannheim (Baden-Württemberg) kommend heranstromert, gegenüber Lampertheim Bobenheim-Roxheim und Worms (Rheinland-Pfalz). Früher durfte er ja mäandern, heute ist er mehr Wasserstraße denn romantisches Subjekt.

Fahrradschilder in Lampertheim.

Hübsch anzuschauen der Altrhein. Man bekommt schlecht Zugang, es ist eben ein Naturschutzgebiet. Da muss das reguliert sein.

Altrhein Lampertheim

In die andere Richtung dient der Altrhein als Wassersport-Vergnügen siehe oben.

Altrhein Lampertheim mit Booten in Richtung Stadtrand

Im Biedensand per Fuß erreichbare Streuobstwiesen,

Streuobstwiese Biedensand

Hartholzauen und mehr!

Hartholzaue im Biedensand

Kopfweiden zwischen Getreidefeldern z.B., siehe das Beitragsbild oben.
Immer wieder führen Wege ins innere, Bänke laden zum Verweilen, wie die Presse immer schreibt, was nicht immer ein Vergnügen ist. Der Biedensand ist ein Sumpfgebiet mit vielen Tierarten, samt der blutrünstigen Sorten. Es summt alles, trällert, Horden von Schmetterlingen umschwirrten mich.
Eine Brücke führt über den Zufluss zum „Welschen Loch“. Da war fast kein Wasser zu sehen, als ausgedorrt von dieser mörderischen Junihitze 2017. Natürlich Schilf, Schilf, Schilf. Wir befinden uns ja im südhessischen Ried.

Zufluss zum „Welschen Loch“ Biedensand, Lampertheim.

Zwei km westlich der Rhein, samt „Natorampe“ Der kalte Krieg lässt grüßen, da wurden aber auch die Kraftwerkturbinene von ABB verladen.

Natorampe Lampertheim. Ganz im Hintergrund zu ahnen, die Rheinbrücke in Worms.

Kann aber ganz lauschig sein, da am Rhein, wenn da keine Industrie zu sehen ist.
Rheinufer Lampertheim gegenüber Bobenheim-Roxheim.

Am Rhein dann eine Neuentdeckung. „Zum Neurhein“. Direkt am Rhein. Kein Strom, laufendes Dieselaggregat. Man meint halt es wären die Rheinschiffe. So ein Bratwurst-mit-Kartoffelsalat-Gasthaus. Im Stile der 50iger Jahre, als ob es am Mittelrhein stünde. Aber direkt am Rhein, das gibt es bei uns so wenig. Ich werde wieder hinfahren, sind ja nur 15 km.
Gaststätte „Zum Neurhein“ Lampertheim, nahe Natorampe.

Kann man sitzen und gucken. Mutige Menschen gibt es, oder?
Wasserski am Rhein vor Lastschiff in enger Fahrrinne.

Von der Heide über Spargelfelder durch den Sumpf zum Rhein. Erstaunlich für eine Stadt!

Vom Gelände zur Landschaft #wirziehnfallera

Im Texteblog hatte ich es ja angekündigt! Ich will bei der Aktion #wirziehnfallera der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe und der Herbergsmütter mitmachen, mit dem Format #twly (Twitterlyrik). Es gibt dazu ein Tumblr.
[Update] Ich war in der Heide und es gibt ein Storify dazu![/update]
Es geht um „Landschaft auf die Hand – Digitale Promenadologie“ zu der Ausstellung „Unter freiem Himmel – Landschaft sehen, lesen, hören“ in Karlsruhe vom 18. Februar 2017 – 27. August 2017.
Zur Wahl stellte ich mir als Landschaft Wachenheim, Dilsberg/Odenwald.
Ich war gestern auch in Wachenheim und konstantierte:


Slevogt wollte ich da im Kopf haben, aber das ging nicht. Ich hatte dauernd das im Hirn:

Weinvollernter bei Heppenheim

Wer malt denn heute so etwas? Im Odenwald umherturnen? Habe ich da Netz? Es soll ja eine Smartphone-Aktion werden! Ich hätte ja zu gerne mit Bleistift auf eine Wanderhüttenwand ein Gedicht geschrieben, wie einst Goethe. Kennt ihr alle, oder? „…Warte nur, balde / Ruhest du auch.“ (Von den Klassikern lernen #seufz)
Auf Twitter und sonstigen Plattformen kamen dann die ersten Bilder von der Dokumenta 14. Ja, ja, es kommt gleich, ich will nur die Gedankenkette hier dokumentieren!
Kassel. Ich war dort zum Wehrdienst befohlen. Während der Documenta 5. Siehe da!
Man klickt heutzutage dann herum und ich suchte nach unserem Truppenübungsplatz. Dönche hieß der. Und siehe da: Das ist jetzt ein Naturschutzgebiet!
Bämm! Kunst hilft. Einen ehemaligen Truppenübungsplatz habe ich um die Ecke auch. 1 km entfernt. Das Militär kennt ja keine Landschaften, dort ist alles Gelände. Nicht zum umherspazieren, sondern um zu kriegen. Doch, das muss sein…..
Ich werde also diese Woche noch eine #twly-Lauf durch das ehemalige Gelände machen. Hier wollte ich nur beschreiben, wo das ist und was das ist. Das wird lyrisch schlecht zu fassen sein.
Es geht um den heiß umkämpften Viernheimer Panzerwald. Der Truppenübungsplatz der US-Army, direkt im Wasserschutzgebiet für das Käfertaler Wasserwerk, der Ressource für Mannheim und auch uns Viernheimer. Das sah so aus dort. Link zu einem Bericht mit Archivbild.
Man konnte auch gerne mitten hindurch fahren. Zum Tiergehege am Karlstern z.B. War nett, wenn die M 33 nebenan umherdüsten. Seit 1994 fuhren dann keine Panzer mehr, wenigstens. Aber im Wald war immer noch die Infantrie. Ich hatte es ja hier beschrieben. Aus 2007.
„Gänsehaut und die Army im Wald. Noch.“

Soldatin im Panzerwald 2007

2012 lösten dann die Amerikaner Eisenhowers Army-Europazentrale in Heidelberg und die dazugehörigen Kasernen auf und zogen nach Wiesbaden.
Es entstanden zwei Naturschutzgebiete, die so eigentlich nicht in die Landschaft passen. Die Dünen plattgewalzt wurden zur „Heide“ mit Pflanzen, die nicht hierhergehören. Das sieht jetzt so aus:

Naturschutzgebiet im Käfertaler Wald

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Poenia Lollipop und die Erwähner

Pfingstrosen in Öl. Ausstellung „Paeonie – die Blume Chinas“ 2014
Ich verkündete es ja bereits: Ich radelte schon wieder nach Lorsch. Nach Lorsch mit dem Fahrrad ist für mich nichts besonderes. Schon als Kind mit dem Großvater in seinen Geburtort Einhausen mitgenommen, ohne Gangschaltung, sintemals. Viel später dann meine Sonntagmorgen Tour, oder Teil einer längeren Tour, siehe hier 2005. Einen Kaffee vor dem Welterbe und weiter. Da wurde lange umgebaut, überall Bauzäune. Meine Besuche wurden weniger. Dann kam der Welterbetag 2014 und diese Ausstellung „Paeonie, die Blume Chinas“. War stark! Hier der Flyer zur Ausstellung des Geoparks Bergstraße Odenwald als PDF. Seitdem versuche ich diesen Pfingstrosengarten in voller Blüte zu erwischen. Dieses Jahr sollte es gelingen! Ich fand dazu in der Vorbereitung die Website des Heimat- und Kulturvereins Lorsch. Alle Achtung! Dieser Pfingstrosengarten ist ein Bürgerprojekt! Erstaunlich, was dieser Verein leistet.
Rollrasenpflege vor der Bergstraßenkulisse mit der Starkenburg auf dem Weg nach Lorsch.
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Lauresham, Zeitreise zu Karl dem Großen.

(Hier wird es demnächst einen weiteren Artikel zu Lorsch, der Anfahrt und den Welterben geben, ich werde nächste Woche (vielleicht) wieder hin radeln, die Pfingstrosen werden hoffentlich bis dahin noch blühen. Es sind ja nur 15 km . Wird verlinkt, ihr könnt, bei unbändigem Verlangen, solange meine sonstigen Lorsch-Ausflüge hier nachlesen.) Update: Hier ist der Link!
tl;dr
Ich war im „Experimentalarchäologische Freilichtlabor karolingischer Herrenhof Lauresham des Welterbe Areal Kloster Lorsch“.
Ich bin begeistert!

Ein Youtube-Video zur Eröffnung von Laueresham von Matern TV.

Eigentlich sollte der Nachmittag nur eine der üblichen Rundfahrten  werden, wie ich sie schon 2005 beschrieb und später in dieses Blog hievte. Bisher war das wohl ein (fast) hessisches Jahr in meinen Blogs. Die Blüte an der Bergstraße, Nolde im Museum Wiesbaden, Margritte in der Schirn, im Städel der Geschlechterkampf, nun also Lauresham. Ich schlich schon lange um das Gelände herum und dachte man könne da nur als vorangemeldete Gruppe darin herumwuseln und tweetete 2015:


Bösartig, dabei arbeiten dort so nette Leute! Tschuligung!

Auf der – für mich – „neuen“ Website stand, dass man auch in spontanen Gruppen besichtigen könne. Im Besucherzentrum telefonierte man für mich und als eine Führung zustande kam, verständigte mich ein Mitarbeiter, ich war solange in einer anderen Ausstellung!
Also Lauersham, einer der vielen Namen des Städtchens, des Klosters, das ich von Kindesbeinen an kenne.
Über Lauresam hatte ich schon viel gelesen. In den Blogs von „Spektrum der Wissenschaft“ „Frieren für die Wissenschaft: Lauresham im Winter“, Artikel des Bensheimer Anzeiger, der so etwas twittert oder Bilder auf Instagram angesehen, einer Facebookseite folge ich auch. Man versucht im Rahmen des Projektes auch eine Reproduktion des Aucherochsen durch Zurückzüchtung zu bewerkstelligen, also kein Cloneversuch oder ähnliches. Ich lese schon geraume Zeit in dem Blog dazu mit. Hier entlang!  Mit Kälbchen-Content :))
Trotzdem hatte ich nicht wirklich in aller Tiefe kapiert, was genau das sein soll.
Es wurde erklärt und ich lernte viel! Lauresham, Zeitreise zu Karl dem Großen. weiterlesen

Blütenburger. Von Vettel- nach Handschuhsheim

Jedes Jahr gibt es ein paar Tage, an denen die Bergstraße in Blüten ertrinkt.
Die Bergstraße ist schlicht der Anstieg zu den ersten „Bergen“ des Odenwalds (von 100 m über 0 200 – 500 m über 0) aus der Oberrheinischen Tiefebene zwischen Darmstadt und Wiesloch, unterteilt in einen hessischen und badischen Teil.
Dort läuft eine uralte Straße entlang, die schon die Römer benutzten, heute die B3 mit Abzweigungen. Nichts dramatisches, nur im Frühling, wenn die Blüte beginnt wirkt die Mischung aus noch blätterlosen Weinbergen, Burgen und den erblühten Obstbäumen sehr reizvoll. Ich kenne sie gut, die Bergstraße. Zwei Jahre wohnte ich an ihr, mit Balkonblick, 37 Jahre arbeitete ich zu ihren Füßen, so 400 m entfernt…
Dia alte Bergstraße von Schriesheim habe ich jedes Jahr im Auge.. Siehe hier vom 22.April(sic!) 2016. Dieses Jahr schon im März.

Blüten vor Reben und Burg. Strahlenburg Schriesheim 2017.

Aber! Tags zuvor wollte ich noch Schlehen bewundern und amüsierte mich wie immer über dieses Schild, war ich doch auf den 8 km bis hierher mindesten drei mal über die Landesgrenze zu Baden-Würtemberg gezockelt. Es verkündet die Grenze von Laudenbach zur Kreisstadt Heppenheim (ja die mit dem Vettel) des Kreises Bergstraße.

Willkommensschild in Hessen zwischen Laudenbach und Heppenheim an dem R8.

Dreht man sich um, an der Stelle….


Und man sieht an den Hängen das Weiß. Nichts wie hin. Einmal um den Bruchsee gesaust, die Esel und Hühner begrüßt..

Rechts ab zum Radweg gen Süden. Immer der B3 entlang. Auf der Höhe der Odenwaldquelle bietet sich dieser Anblick: (Ich nenne diesen Ort bei mir gerne Schorle-Punkt, die Mineralwasserfabrik direkt am Wingert. 🙂 )

Blüte unterhalb der Starkenburg, Heppenheim

Es setzt sich auch immer mehr rechts des Rheins durch. Nach dem Motto: Was brauchen wir Gimmeldingen, um Mandelblüten zu sehen!

Mandelblüten an Rebhang, Vettelheim / Bergstraße.

Ich fuhr dann bis Weinheim den Weg direkt an der B3. Das ist nicht unbedingt erholsam. Zum Teil muss man da auf der Straße fahren, die Radwege sind weiter unten, in der Ebene, aber ich wollte am Hang bleiben. Ich bin diesen Weg schon ewig nicht mehr so gefahren und hei! Das ist ja auch ein gewaltiges Blütenmeer, zum Teil richtige Mandel-Alleen. Sorry, aber ich habe nix geknipst, war zu fasziniert und traute mich nicht, ob der Verkehrsströme. Vielleicht fahr‘ ich da nächste Woche noch einmal hin…

Denn ich hatte gestern ja noch die Fortsetzung vor mir, mein altbekanntes Wegstück von Schriesheim nach Heidelberg-Handschuhsheim über Dossenheim. Die Strahlenburg mit Blüte wacht ja schon im Eingangsbild. Es ist eigentlich eine 5-Burgen-Strecke, aber die B3 in Weinheim ist wenig reizvoll, die Burgen strahlen dort über der Blütenpracht ihrer Parks. Man könnte ‚mal wieder überall hinrennen. 🙂 Aber bitte: Die Strahlenburg, ihre Reben und Blüten.

Strahlenburg, Schriesheim

In Dossenheim wird es dann mythisch. Palmen an Blüten in Schwarzgewölk. Diese Palme, an ein Mietshaus geschmiegt, die dauerhaft dort wächst, erstaunt mich seit Jahren!

Palmen, Blüten, Hügelberge in Dossenheim

Die 2,2 km nach Handschuhsheim sind dann reinster Blütenporno. Mit meiner Handy-Knipse nicht einzufangen. Unten Schrebergärten, am Hang aufgegebene? Gärten, die ein Blütenfeuerwerk verbreiten.

Bergstraße in Heidelberg-Handschuhsheim

Es ist wirklich prachtvoll. Wer Gelegenheit hat, sollte es sich ansehen!

Zum Abschluss die Tiefburg, dahinter lockt das Eis! Hab‘ ich ja hier schon verknipst.

Tiefburg, Heidelberg-Handschuhsheim mit Magnolie.

Noch wird es trotz Sommerzeit kühl am Abend. Zurück durch die Ebene, die Bergstraße im Blick. An einem weiteren mythischen Ort.

„Leugensäule für den römischen Kaiser Severus Alexander (222-235), im Jahre 222 gesetzt, 1 gallische Leuge (2,2 km) von Lopodunum entfernt, von der Civitas Ulpia Sueborum Nicrensium“

Tafel an der Leigensäule für Kaiser Severus Alexander in Ladenburg

Es ist schön entlang der Bergstraße nach Hause zu radeln. Alla Hopp!


Übrigens hat SWR4 seinen Fotografen auch dort losgeschickt.

Straßburg, die Kunst, die Angst und der Rucksack an der Hand!

„Ticketplus“ Alsace des VRN

Mir war nach einer weiteren Bahnspazierfahrt und Kunst. Der Samstag versprach strahlend blau zu werden, ich wollte einmal mehr das „Ticketplus Alsace“ benutzen, einfach so und der Kosten wegen, quasi für siebenfuffzisch nach Straßburg hin und zurück. Mit der Karte ab 60 bis nach Weißenburg, dann mit dem TER nach Straßburg. Ich war noch nie in den Museen dort! Nur touristisch unterwegs, hier der Bericht von 2008. Dieses Ticket gilt nur an den Wochenenden, also überwand ich mich an einem Samstag loszuziehen, als Rentner.

Es war eine sehr meditative Fahrt. Der Schlehdorn fraß sich weis blühend durch die Landschaft und die ersten Frühblüher schimmerten auch weis bis rosa. Drei Stunden Fahrt, französisches Gebabbel um mich herum. Ich weiß, mit dem ICE oder dem TGV wäre ich in einer Stunde und ein paar Minuten da, wie langweilig und regulär für 90 €. Rentner haben mehr Zeit als Geld! Außerdem mag ich die TER-Züge mit ihren Sofas!

„Sofa-Sitze“ in einem Zug des „Transport express régional“

Straßburg empfing mich blaugestrahlt und beblühtet, die Straßen-Bistros entschleunigten die Einheimischen, die gelassen den Zug der Touristen gen City betrachteten.

Straßburg blüht. Man beachte die hervorragende Fahrradführung durch die Stadt!

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Saar, Mosel, Rhein – Ein banales Süwex-Ding

Ich hatte es ja angekündigt! Das Spazierenfahren mit der Bahn geht weiter. Statt S-Bahn nach Homburg verlängerte ich. Mir war nach Fluss. Saar, Mosel, Rhein. Alles für 24 €. Das (Saar)-Rheinlandpfalz-Ticket macht es möglich.
Es begann wie immer mit der 5 aus dem hessischen Viernheim, über Mannheim in Baden-Würtemberg durch das Saarland hindurch, weiter in Rheinland-Pfalz, 4 Bundesländer, mit 2 Landeshauptstädten: Saarbrücken und Mainz. Mit 2 Tickets. Meiner Karte ab 60 bis Mannheim und dann jenes Ticket. Aber nein, eine Reform der Bundesländer brauchen wir nicht.  Die Saar entspringt übrigens wie die Mosel in Frankreich, der Rhein in der Schweiz. Was das Länderchaos noch erweitert.
Ich war die Strecke schon einmal gefahren, aber da herrschte Nebel. Also noch einmal. Mannheim, Kaiserslautern, Homburg, Saarbrücken, Trier, Cochem, Koblenz, Mainz, Mannheim. Es begann mit dem RE 4115! Der mutierte aber bald zum RE1 der DB-Regio Mitte.Die Bahntöchter samt Regio, Bundeskram und Ländergetütel. Egal.Es gibt diese Tickets, die Strecken dazu. Wie auch immer das zusammengerührt wird, von Regio zu Regio Amen! Und es klappte wie am Schnürchen. Alle Züge waren pünktlich wie weiland die Eisenbahn.
Es ging mir, wie schon besprochen, um eine Bahnfahrt im Winter, wenn kein Blatt in den Bäumen und Hecken die Aussicht begrenzt.
Die Fahrt verlief sehr angenehm, ich hatte viel Platz in den Süwex-Zügen. Bis Mainz immer alleine in einem Vierer-Sitz, mit Tisch und Steckdose. Veträumt schaute ich aus dem Fenster, die Gedanken wanderten, fast schien es, dass die Landschaft vorbei getragen würde. Menschen wuselten draußen umher, arbeiteten, kauften ein. Hier drin die Ruhe, fast klösterliche Stille, das Rattern der Räder als meditative Begleitung. Hinter Neustadt durch den Pfälzer Wald. Dieser Regional-Express ist wirklich schnell. Gefühlt kommt er den ICs sehr nahe. Durch die entlaubten Bäume ist mit dem Smartphone kaum ein Bild zu erhaschen, alles verwackelt, viel zu langsam die Maschinchen.

Der Pfälzer Wald

Ländliches Gebiet nach Kaiserslautern, Wälder, Felder; am Rand der Dörfer und Städte die Baumärkte, Supermärkte und Discounter, wie überall. Deutsches Einerlei. Die Häuser, die Kirchen. Nichts unterscheidet die Pfalz, die Waldpfalz, vom Saarland. Bis dann das erste Weltkulturerbe am Fenster vorbei gleitet. Die Völklinger Hütte

Völklinger Hütte

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Spazier-Bahn im Neckartal

In der S1 Rhein-Neckar, die längste S-Bahn-Strecke Deutschlands

Richtig spazieren fahren mit Bahnen und Fenster zur Aussicht kann man eigentlich nur im Winter, wenn die Bäume entlaubt sind und man Einblicke erhält, die sonst Hecken und Blätter verwehren. Ich wollte schon länger einmal die gesamte S1 Rhein-Neckar abfahren von Homburg (Saar) bis nach Osterburken. Durch den Pfälzer Wald, die Weinberge, die Rheinebene mit den fast zusammengewachsenen Städten Ludwigshafen, Mannheim und Heidelberg mit zusammen 625000 Einwohnern, durch das Neckartal und das Bauland bis Osterburken. Diese vielfältigen Landschaften, urban und ländlich, visuell erfassen. Aber diese 200 km, die so ungefähr auch meinen sehr ausgedehnten Heimatbegriff West-Ost darstellen, dauern mit einer S-Bahn halt auch 3,5 Stunden + 2 x 30 min Straßenbahnanfahrt. Zum Vergleich: Für die 236 km nach Köln brauche ich per City+ ICE 2 Stunden. 🙂 Da ich in der Mitte wohne müsste ich auch erst zu einem Einsatzort düsen, was dann doch unerquicklich wäre, obwohl alles mit der ÖPNV-Flatrate des VRN finanztechnisch abgedeckt wäre.
Also unterteile ich das. Zuerst dem Neckar entlang, von Mannheim nach Mosbach, am 27.1.2017, was gleich zu berichten sein wird. Die Strecke Mosbach-Osterburken, durch das visuell eher langweilige Bauland werde ich im Sommer befahren, das Rad mitschleppend, für eine Maintour, das Ticket gilt nämlich verlängert bis Würzburg! Die Strecke gen Westen nach Homburg werde ich die nächsten Tag im Süwex zurücklegen, mit der Rheinlandpfalz-Saarland-Ticket für 24 € verlängert via Saarbrücken, Trier, Koblenz, Mainz die Saar, Mosel und Rhein entlang… Ich werde berichten!

Blick zum Großkraftwerk Mannheim (am Rheine gelegen) in fahle Sonne und Kondensstreifen

Es war eine sehr meditative Fahrt in fast leerer Bahn, die noch nicht von Schülern und Pendlern bevölkert war mit einer fahlen Sonne und schmelzendem Eis auf dem Fluss. Spazier-Bahn im Neckartal weiterlesen