Saar, Mosel, Rhein – Ein banales Süwex-Ding

Ich hatte es ja angekündigt! Das Spazierenfahren mit der Bahn geht weiter. Statt S-Bahn nach Homburg verlängerte ich. Mir war nach Fluss. Saar, Mosel, Rhein. Alles für 24 €. Das (Saar)-Rheinlandpfalz-Ticket macht es möglich.
Es begann wie immer mit der 5 aus dem hessischen Viernheim, über Mannheim in Baden-Würtemberg durch das Saarland hindurch, weiter in Rheinland-Pfalz, 4 Bundesländer, mit 2 Landeshauptstädten: Saarbrücken und Mainz. Mit 2 Tickets. Meiner Karte ab 60 bis Mannheim und dann jenes Ticket. Aber nein, eine Reform der Bundesländer brauchen wir nicht.  Die Saar entspringt übrigens wie die Mosel in Frankreich, der Rhein in der Schweiz. Was das Länderchaos noch erweitert.
Ich war die Strecke schon einmal gefahren, aber da herrschte Nebel. Also noch einmal. Mannheim, Kaiserslautern, Homburg, Saarbrücken, Trier, Cochem, Koblenz, Mainz, Mannheim. Es begann mit dem RE 4115! Der mutierte aber bald zum RE1 der DB-Regio Mitte.Die Bahntöchter samt Regio, Bundeskram und Ländergetütel. Egal.Es gibt diese Tickets, die Strecken dazu. Wie auch immer das zusammengerührt wird, von Regio zu Regio Amen! Und es klappte wie am Schnürchen. Alle Züge waren pünktlich wie weiland die Eisenbahn.
Es ging mir, wie schon besprochen, um eine Bahnfahrt im Winter, wenn kein Blatt in den Bäumen und Hecken die Aussicht begrenzt.
Die Fahrt verlief sehr angenehm, ich hatte viel Platz in den Süwex-Zügen. Bis Mainz immer alleine in einem Vierer-Sitz, mit Tisch und Steckdose. Veträumt schaute ich aus dem Fenster, die Gedanken wanderten, fast schien es, dass die Landschaft vorbei getragen würde. Menschen wuselten draußen umher, arbeiteten, kauften ein. Hier drin die Ruhe, fast klösterliche Stille, das Rattern der Räder als meditative Begleitung. Hinter Neustadt durch den Pfälzer Wald. Dieser Regional-Express ist wirklich schnell. Gefühlt kommt er den ICs sehr nahe. Durch die entlaubten Bäume ist mit dem Smartphone kaum ein Bild zu erhaschen, alles verwackelt, viel zu langsam die Maschinchen.

Der Pfälzer Wald

Ländliches Gebiet nach Kaiserslautern, Wälder, Felder; am Rand der Dörfer und Städte die Baumärkte, Supermärkte und Discounter, wie überall. Deutsches Einerlei. Die Häuser, die Kirchen. Nichts unterscheidet die Pfalz, die Waldpfalz, vom Saarland. Bis dann das erste Weltkulturerbe am Fenster vorbei gleitet. Die Völklinger Hütte

Völklinger Hütte

Irgendwann muss ich da auch ‚mal aussteigen und gucken gehen, wenn sich die UNESCO schon bemüht. Doch!
Endlich die Saar!

Die Saar.

Braun geschlammt zieht sie träge dahin, dreht Schleifchen um Schleifchen. Ich sinniere. Als der erste „Weinberg“ auftaucht wird mir klar, dass ich während des gesamten Ausflugs das Gebiet des ehemaligen Römischen Imperiums nicht verlassen werde. Ja, auch unser rechtsrheinisches Viernheim war einst Teil von „Germania superior“. Die Römer brachten Wein, Kultur -die wir lässig wieder vergaßen- und das Christentum, als Staatsreligion. Wieder einmal stellte ich mir vor, dass die hiesigen Franken, nach der Landnahme, auch eine romanische Sprache entwickelt hätten, mit keltischen Brocken. Vokalreicher, für meine Gedichte. Nach St. Ingbert das erste mal Mosel-Fränkisch im Ohr. Nebenan unterhalten sich zwei Männer durcheinander französisch und arabisch. Hätten auch Söldner in irgendeiner Legion sein können. Warum verorten wir die „Globalisierung“ erst heute als bedeutend? Schon damals war AUCH relevant, was in den Provinzen „Judaea“, „Syria“, „Athenae“, „Constantinopolis“ oder „Arabia“ vorging, die Legionäre und ihre Hilfstruppen aus der gesamten (damaligen) Welt rekrutiert. Das Saarland, erst 1959 ein deutsches Bundesland, ewig hin- und hergerissen zwischen Deutschland und Frankreich. Wie kann man denn heute wieder das Wort „Völkisch“ in den Mund nehmen? Absurd.

Saarschleifchen nach links. mit Weinberg und Gegen-Süwex in der Ferne.

Die Saarburg noch im Takt der Räder, gewaltig über der Saar. Man sieht nicht allzuviele Burgen, obwohl es sie gibt. Die berühmte Saarschleife kann man auch nicht erkennen. Von der Bahn aus.

Saarburg

In Konz ergießt sich die Saar in die Mosel. Sieht man im Zug nicht. Die Bahnlinie folgt erst hinter Konz die Mosel. Man sieht, das ist jetzt schon ein größerer Fluss.

Die Mosel hinter Konz, auf dem Weg nach Trier.

Es böte sich ja an in Trier zu Mittag zu speisen, aber das hatte ich jetzt schon oft. Oh ja, das zweite Weltkulturerbe an der Strecke. Siehe hier.

Ich kenne das Moseltal zwischen Trier und Koblenz nicht. Cochem war das Ziel nach fast 4 Stunden. In der Mitte. Ich wollte das sehen. Erleben, was man mir erzählte. Die Bahnlinie verläuft sich aber zuerst durch die Südeifel, eine Wanderlandschaft, wie unser Odenwald auch. Bestimmt hübsch durch zufahren, im Sommer, wenn da Vieh auf den Weiden steht. Irgendwann kommt die Mosel wieder an die Bahn, wir überqueren den Fluss bei Billay?? und auf einmal biete sich dieses Bild. Manchmal ist es schwierig zu entscheiden, wo man gerade fährt. 🙂

Mosel bei Bullay ???

Cochem würde bald erreicht sein. Der Bahnhof. Wie so oft ein Protzbau von dereinst preußischen Eisenbahngnaden. Morbide schön und fast unbenutzt. Das Gleis 9, eine Wirtschaft war leider geschlossen, wegen einer Beerdigung. Es ist so schade, dass solche Gebäude vor sich hingammeln. man beachte das Telefonhäuschen! Für die Jüngeren: Das gelbe Teil!

Cochem Bahnhof

Eigentlich ein hübsches Städtchen, aber ich möchte nicht wissen, was da im Sommer los ist. Die unzähligen Parkhausschilder lassen übles ahnen.

Cocem an der Mosel mit St. Martin und der Reichsburg.

Nein, das hat nichts mit diesen Reichsspinnern zu tun. Wir hatten nämlich einmal ein wirklich ruhmreiches Reich, mit Kaisern und allem, ziemlich scharf. Das sieht gut aus und ich suchte nach Futter, ich hatte nur 2 Stunden Zeit, eine 1/2 Stunde war schon verplempert. Zur Burg hoch wollte ich nicht. Die Moselpromenade lockte.

Moselpromenade Cochem.

Entlang gelaufen. Die Tavernen haben alle Moselblick, was sonst? Es gibt Senioren-Kännchen-Kuchen, Senioren-Sonst-etwas. Ich beobachtete meine Mit-Senioren, die noch sehr unzahlreich umhersaßen und meist holländisch sprachen. Mussten die nicht wählen? Wirke ich auch so bescheuert? Ich tippelte und guckte. Das ähnelte doch alles sehr dem Kitsch von St. Goar. Allerdings sah ich keine Kuckuckxuhrenläden. Hier gab es allerdings eher XXL. Was das wohl für Fleisch ist, bei den Preisen?

Restaurant-Werbeschild in Cochem / Mosel.

Ich hatte Hunger, ich hatte nur noch eine Stunde Zeit und ich ergab mich dem Moselkitsch. Wenigstens warb man hier mit Seniorentellern und nicht mit xxl. (Alle Gerichte) Ich mag inzwischen Seniorenteller. Mit bald 65 darf man das. Ich stehe zu meinem Alter. Aber gut, der Hunger wurde gestillt. Das ist alles auf Massenabfertigung ausgelegt. Ich hätte in Trier essen sollen und einen Viez trinken.

Restaurant in Cochem.

Inspektion des Radwegs: Von übel, auch wie im Mittelrheintal, wohl auf der ganzen Strecke und strich eine Radtour aus dem Gedächtnis. Wenn Mosel, dann ab Trier gen Metz. Ok. vielleicht wäre das Stück Trier-Bullay besser? Ich bezweifle es.

Auf dem Weg ‚gen Koblenz  doch einige romantische Bebilderungen. Da drüben lockt Alken.

Bevor dann die Moseltalbrücke über das Tal gespannt ist. Ein Bauwerk des klingonischen Stelzenvolks für die Autobahnnation Schland. Da wächst scheinbar auch Wein unter der Brücke.

Moseltalbrücke (A 61) Man beachte den Fahrradweg unten.

In Koblenz ein gemütlicher Umstieg und doch ging es gleich weiter.  In Koblenz war ich mit euch ja eben gerade.
Das Mittelrheintal war so schön, dieses mal. Der Zug im Schatten, der Rhein, samt Burgen und Kram in der Sonne. Ich hatte das ja schon soft bereist…

Aber das sieht man nur im Winter. Schloss Stolzenfels. Noch so ein Disney-Preußisches-Prinzen-Projekt. Ach so ja, das ganze Tal ist Weltkulturerbe 3 am Zugfahrplan.

Schloss Stolzenfels

Ich genoss jede Minute der Fahrt, als ob ich die Strecke nicht kennen würde 🙂

Die Burgen schossen dahin.

Burg hinter Bäumen am Rhein.

Ich spare mir jetzt die Loreley und die anderen geknipsten Welthits. Nur den Mäuseturm, samt angehängter Burg Ehrenfels, bei Bingen, am Ende des Kulturerbes, wie man es nur im Winter sieht!

Mäuseturn und Burg Stolzenfels bei Bingen

In Mainz umgestiegen, wir waren ja gerade da.
Durch die grünen Hügel Rheinhessens nach Worms (da waren wir ja auch letzthin) und dann MA HBF.

Die grünen Hügel Rheinhessens. Irgendwo zwischen Mainz und Worms. Gespiegeltes Smartphone.

Ich weiß: Banal. Mit dem RE auf Tagesausflug. Kein Meer, kein Gebürg, keine Vulkane. Provinz. Kein Tucholskay, der das zum Zitieren einst pries. Ich mag das. Rund um dieses seltsam gestückelte Rheinland-Pfalz, quer durch das Saarland. Deutschland Südwest. Eine alte Kulturlandschaft. Fast in Frankreich, an Luxemburg gerade so vorbei. Ein Rentnertag zum träumen. Danke für’s lesen!