Drachrhein, Aventiure 1.6

Lisa landete mit der S3 von Mannheim nach Speyer, der längsten S-Bahn Deutschlands. Ein Blick in Peters Augen und nichts war sonst wichtig. Hände fanden sich, Lippen. Ach was Dom, den kannten doch beide. Und ja dort und da. Ein Wahnsinn, wie schnell alles ging, als ob sie sich schon ewig gekannt hätten, nichts schien fremd und doch alles. Wie immer, wenn Blitzverliebte sich treffen. Wen interessierte Drachen oder die Kriege der Welt? Man las sich in den Augen und nach einer fast durchwachten Nacht, wer schläft schon mit einander in diesem Alter, das erste Frühstück und noch immer tanzten Kerzen in ihren Augen und dann in ihren Hirnen die Explosion!
„Irdische Reproduktionstechniken in Ehren, das war sehr inspirierend, aber wir brauchen Euch in Worms. Heute noch.“
Die Drachen waren in ihrem Hirn.
Sie erschraken, lachten, diskutierten und ihre Hände erzählten andere Geschichten und noch einmal spielten sie „Genosschenschaft“.
Lisa war es, die meinte, man könne das vielleicht aktiver gestalten! ( Ein schallendes Lachen der Drachen mit Röte in Menschengesichtern!) Worms? Peter lächelte. Er würde ihr immer folgen, wohin auch immer. Im Augenblick.
Dann halt Drachen! Und ihr Abenteuer begann!

Tiefburg Beta

Dies ist ein Beta-Beitrag, der nächstes Frühjahr als endgültige Version erscheinen wird!
An diesem strahlenden Sonntag einmal nicht mit dem Rad, sondern der Straßenbahn Linie 5 des RNV auf Burgenjagd. Vorbei an den Weinheimer Burgen, der Strahlenburg, nach Heidelberg. Nein, nicht zu dem berühmten Schloß, da geht man nicht alleine hin :)

Am Hans-Thoma-Platz in HD-Handschuhsheim aussteigen und ein paar Meter zur Tiefburg latschen.
Da kommt man am alten Rathaus vorbei. Nein, das war kein Schloss, das haben die Handschuhsheimer als Rathaus so gebaut. Man hatte es ja, nicht wahr.

Die Fahne hing da, weil die Heidelberger ihren alten OB wählten, der ohne echten Gegenkandidaten antrat. Heidelberger Kommunalpolitik verstehe ich seit Jahrzehnten nicht. Tja, und dann war die Tiefburg doch zu, obwohl es der 3. Sonntag im Oktober war. Aber die Burg wird von einem Verein ehrenamtlich gepflegt, da kann das schon mal vorkommen. Vielleicht mussten die Burgöffner auch Wahlhelfer spielen, wer weiß das schon so genau.
Dann traben wir halt einmal kurz außen herum.




Ist ja alles nicht so schlimm. ABER. Im Cafe Tiefburg, mit seinen legendären Kuchen und dem einzigen Konditoreis weit und breit war die Eis-Saison auch abgelaufen. Kein Eis, keine Innenburg. Das Unternehmen Handschuhsheim wurde abgebrochen. Dann bis nächstes Jahr, wenn es wieder Eis gibt! Fahren wir halt mittags mit dem Rad zu Kerwe nach Mannheim-Feudenheim, denn da fährt die 7 des RNV gerade nicht hin, weil irgendetwas neu gebaut wird. Schienen, was weiß ich.
Und auf dem Weg zur Haltestelle sieht man, warum Heidelberg Literaturstadt werden will. Sogar die Ampeln sind betextet.

Wie gesagt, Heidelberg an sich ist schwer zu verstehen.
Obwohl ich dort auch schon einige Herzen verlor.
Ein Lied von Uhneferz, wie immer mit einem Text von mir. :)

Drachrhein, Aventiure 1.5

Peter arbeitete hart. Aufräumen, putzen. Lisa kam. Das Gästezimmer richten, aber auch sein Zimmer so präparieren, dass, falls und er träumte von Wonnen, riss sich aber los. Er wollte nicht alles kaputt machen, bevor es denn begonnen hatte. Keinen #aufschrei riskieren. #aufschrei hatte er laut ausgesprochen und es kicherte. Ein Minidrache saß auf seinem Tablet und kicherte. „Du hast den hashtag vergessen mit zu singen“. Das Wesen sprach Farsi mit eindeutig Pfälzer Zunge. Peter verstand eigentlich kein Farsi. Da saß ein verkitschtes Abbild eines Drachen auf seinem Tablet, das seine Twitter-Timeline zeigt. Nein, das war ja gar nicht seine. Der Kitschdrache saß ganz ruhig, war ja auch nur eine Plastikfigur und sprach direkt in sein Hirn. „Das wird schon mit Lisa, das muss etwas werden, wir brauchen Euch zwei“. Das war dieses mal Mandarin. „Wir werden es Euch mitteilen, was ihr für unsere Welt tun müsst, weil nur ihr es könnt!“ „Das war Pfälzisch“, sang die Maus von der ARD in Peters Kopf. Der Drache sagte nichts mehr, war einfach nur noch eine dämliche Plastikfigur, die er einmal in Worms gekauft hatte. Nur, wie kam die auf sein Tablet? Wurde er jetzt verrückt? Hörte er Stimmen? Sein Vater hatte draußen einen Winzer-Trester aus Bockenheim stehen, der trieb sich dort jährlich beim Dialekt-Gedingse im Winzerzelt herum. Ach was, er war einfach überspannt, hatte schon ewig keinen anständigen Sex mehr gehabt, bestimmt schon zwei Monate, aber Vorsicht, Vorsicht, nichts übertreiben morgen, das sollte kein One-Night-Stand werden. Er trank seinen Trester und schaltete die xBox ein. Was hatte sein Bruder gesagt, da sei ein neues Spiel d’rauf. Gamer! Und was war neu da? Dragon Age, Dragon Ball, Dragon Age 3, Dragon Age Inquisition. Und eine der Drachen in der Box zwinkerte und in seinem Kopf grölte es trunken: „Gruß an Lisa morgen.“ Peter riss den Stecker aus der Dose und die xBox erstarb brutal. „Vergiss uns nicht, zwitscherte der kleine Drache auf dem Tablet. Peter warf ihn an die Wand, trank noch zwei Trester und legte sich schlafen, verdrängte die Drachen und dachte an Lisa.

3 Jagdschlösser im Nibelungenland

Lampertheim-Neuschloss, Lampertheim-Hüttenfeld, Hemsbach.
Ein Sonntagmorgenradausflug von 2,5 Stunden (weil das Fotografiergetrödel so aufhält).

Durch den Herbstwald die 8 km nach Lampertheim, nein keine Bilder vom bunten Laub, das sieht da so aus, wie überall. Lampertheim, da muss ich einmal mehr darüber schreiben. Unsere schwer unterschätzte Nachbarstadt. Ein riesige Fläche mit den Eingemeindungen, enthält ein sehr interessantes Naturschutzgebiet, in den Rheinarmen der Kanutische Olmpyia-Stützpunkt, mit Olympia-SiegerInnen, eine Balthasar-Neumann-Kirche und eben zwei Schlösser, von der Großchemie am Rande schweigen wir heute. Und Lampertheim ist eben die Nachbarstadt von Worms, nur durch den Rhein getrennt. Die Strecke, die ich da radelte, könnte (KÖNNTE) durchaus dem Teilweg entsprochen haben, den der Autor des Nibelungenliedes die Recken gehen ließ, als sie in den Odenwald jagen ritten und Hagen Siegfried, den Drachentöter, meuchelte. Hier der Weg von Worms nach Grasellenbach, wo einer der gefühlt 200 Siegfriedbrunnen gefeiert wird. Meine Variante habe ich ja hier dargelegt! (Vorsicht Dialekt). Ihr wisst jetzt, warum ich so mit den Drachen herumeiere? :)
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Drachrhein, Aventiure 1.4

Lisa konnte nicht einschlafen. Sie dachte nur noch an den morgigen Ausflug nach Speyer und an Peter. Es begannen da Schmetterlinge zu toben. Seit sie mit Jan Schluss gemacht hatte, war dies das erste Mal wieder. Schmetterlinge im Bauch und weiter unten begann auch einiges sich wieder zu regen. Nein, sie wollte jetzt nicht, lieber bis morgen warten. Sie belächelte sich selbst. Sie benahm sich, wie ein Teenie, dabei war sie jetzt schon 21 Jahre alt, hatte Abitur und arbeitete für ein Theater! Um sich abzulenken stöberte sie auf ihrem Phone im Netz und googelte nach Drachen. Und wurde ernst. Tatsächlich gab es seit Jahrtausenden in allen Kulturkreisen Drachen. Peter hatte recht, das musste ja irgendwo herkommen. Das ist nicht nur diese blühende Fantasy-Industrie. Sie fand den römischen Draconarius und dann gleich die Apocalypse von Johannes 12. Sie las zwar die Lutherüberetzung dazu, aber ihr aufgeputschtes Gehirn sah die Vulgata in Fraktur einen Kitschdrachen umfließend:

Und Luther übersetzte das so:

…Und sie war schwanger und schrie in Kindesnöten und hatte große Qual zur Geburt.
Und es erschien ein anderes Zeichen im Himmel, und siehe, ein großer, roter Drache, der hatte sieben Häupter und zehn Hörner und auf seinen Häuptern sieben Kronen;…Und sie gebar einen Sohn, ein Knäblein, der alle Heiden sollte weiden mit eisernem Stabe. Und ihr Kind ward entrückt zu Gott und seinem Stuhl.

Das war jetzt eindeutig zu viel. Geburts-Dinge, wenn man einen User das erste mal besuchte…Sie trank schnell den winzigen Grapparest von der WG-Party, stürzte das Bier hinunter und ging schlafen. Worauf hatte sie sich nur eingelassen?

Drachrhein, Aventiure 1.1

[In dem das alles internationalisierte, die Schweizer SVP sich empörte. In Österreich Mozartopern gestört werden, die Mosel beflogen,in Mannheim hängende Drachen besucht werden und ein Bahnstreik wahrscheinlicher wird]

In Worms war die Polizei alarmiert, das Technische Hilfswerk, das Sanitätswesen, 3 Bürgenwehren und die Friedensbewegung, die kriegerische Handlungen befürchtete. Die mächtigen Tierschutzorganisationen zögerten, wussten sie doch nicht, ob das tatsächlich Tiere waren. Aber das Wesen war nicht wirklich da. Irgendeine Art von dreidimensionaler Projektion flatterte da um den ehrwürdigen Dom umher. Es sprach auch nicht mehr, war nur präsent. Hubschrauber störte es auch nicht, auch nicht die vom ADAC. Schnell ging das Gerücht um, das wäre eine neue Erfindung der Chinesen. Das sei doch so ein Drachenvolk. Das Reich der Mitte plane eine Revolution von innen, oder dies sei der erste Vorstoß einer Invasion. Was natürlich Unsinn war. Chinas Invasion bestand aus Waren und Geld. Dafür braucht man keine Waffen. Die deutsche Bundeswirtschaft bewies das doch auch in den 50igern, sehr zum Unmut der Siegermächtewirtschaften.
Als die ersten bischöflich-lizenzierten Exorzisten auftauchten, die das Teufelszeug wegbeten wollten, man war schließlich auf römisch-kirchlichen Grund, wortwörtlich, begann das Wesen Feuer zu lächeln. Keiner hätte sagen können, warum das ein Lächeln war, aber alle wussten es. Mit den virtuellen Krallen zog es die Kirchenkämpfer leicht an den Ohren, was diese später mit roten Köpfen als eine fast sexuell-stimuliernde Geste beschrieben wurde. Jetzt war der Boulevard gar nicht mehr zu halten. Ohrensex, Exorzismus, Drachen. Als aber die rasenden Reporter und selbige Innen auftauchten und zu palavern begannen und zu Papparazieren verblasste das Wesen langsam immer mehr, bis nichts mehr zu sehen war. Noch einmal hatte es „Joy und Peace“ gebrüllt und war das Nichtseiende In Worms.
Aber über all am Rhein, dem Neckar, dem Main und der Mosel, diesmal sogar an der Weschnitz bei Mörlenbach tauchten aus den Wassern virtuelle Wesen auf, lächelten Feuer vor den Schulen, winkten und verschwanden wieder.
In Mannheim besuchte eines der Wesen die Drachendekoration in Geschwaderform, blies Luft zwischen die Kollegen und rief: „Siegfried, Siegfried, da sind sie, da sind sie“, und e auf dem Dach eines TGV und fuhr Richtung Paris mit. Man sagte in Metz wäre es Richtung Koblenz der Mosel entlang geflogen. Berichte darüber verurteilten die Funktionäre der Lokführer-Gewerkschaft scharf. Das sein nur ein weiterer PR-Gag der Bahn, um einen Streik zu provozieren. Man werde mit den französischen Kollegen über gemeinsame Aktionen sprechen. Das Wesen, das wieder am Seerhein in Konstanz auftauchte, schwamm dieses Mal in den See, begleitete kurz den Katameran, begrüßte die Schlange von der Zauberflöten-Inszenierung mit Feuer speiendem Getöse und störte die Aufführung mit „Joy und Peace“-Rufen, die verdächtig nach Beethoven klangen. Als das Wesen dann in Richtung Zürich verschwand, sprachen Sprecher der SVP sofort von einer Invasion wider die Neutralität von Ausländern, vielleicht sogar außerirdischen Mächten und forderte die Mobilmachung der Schweizer Luftwaffe, aber die hatte gerade Pause, weil Sonntag war. Ein Beben dröhnte bis Bern, aus gefeuertem Lächeln und das Wesen verschwand in der Limmat. Bemerkenswert, dass zum ersten Mal in politischen Kreisen von Außerirdischen die Rede war. Die Affäre wurde jetzt auch europäisch. Österreich, Frankreich waren betroffen. Die diplomatischen Kanäle glühten, in Brüssel drängte die Lobby die Kommissare zum Handeln, die Schlapphüte begannen zu hyperventilieren. Der amerikanische Präident war besorgt, weil selbst die NSA nichts empfangen hatte und die Wesen weder kontrollieren, noch aushorchen konnte, obwohl sie doch in die Internetknoten eingedrungen waren, obwohl niemand wusste, wie. Russland verhielt sich merkwürdig ruhig. Nur die Kinder auf allen Gassen sangen laut „Joy und Peace“ in allen Gassen. Bald würde Youtube-Stars geboren werden. Aber die nächsten Wochen wurde kein Drache mehr gesichtet, die gelöschten Facebook-Accounts nicht wieder geöffnet. Es herrschte Ruhe und Langeweile. Die Kriege gingen weiter, die Armen wurden ausgebeutet. Im Fernsehen wurde weiter gekocht und gelabert.