Zirbeln in Rätien

Allgegenwärtig in Augsburg: Die Zirbelnuss, zu dem sie auch Pinienzapfen sagen. Überall! Sogar das Logo des FC Augsburg ist damit verziert, wie das Stadtwappen sowieso. Das Rathaus trägt eine, als ob es eine Christbaumspitze wäre.

Rathaus Augsburg

Vielleicht ihr zu Ehren sitzen junge Leute, selbst bei 15° noch, vor dem Rathaus auf dem gleichnamigen Platz, auf blanker Erde und vertilgen kalte Getränke, vorwiegend mit Hopfenanteil.
Auf jedem Touri-Schild ist sie verewigt:

Touristen-Infos in Augsburg!

Die Gelehrten streiten sich wohl, woher das rührt und wie das kam. Aber weil wir gerade das Schild betrachten, das zum Stadtmarkt führt: Das ist wirklich ein Spaß sich dort zu tummeln, einzukaufen, zu speisen.

#dasistmaleinmarkt

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Aber für mich steht fest: Diese Nuss steht für „Wir sind Römer“. Augusta Vindelicorum war Hauptstadt der römischen Provinz Raetia, als drüben in München die Schamanen noch im Bärenfell auf der Wiesn tanzten, von Berlin nicht zu reden. Hei ihr Kölner und sonstige Rheinischen, auch wir sind von diesem Augustus am Lech gegründet worden, oder so. (Ja, ich weiß, auch hier in Viernheim haben sie Römer ausgebuddelt :)) )

Augustusbrunnen Augsburg (Klick ins Bild zur Wikipedia)

Tatsächlich war dieser Zapfen wohl so eine Art rätisches Überall-Logo, denn man fand zahlreiche Grabsteine, aus Römerzeiten. Stehen am Dom umher. Mit Inschrift im 2-3. Jahrhundert Post Christum!

Römischer Grabstein in Augsburg. Mit Zirbelnuss.
Infotafel in Augsburg zum Grabmahl oben.

Ich kann im Augenblick schlecht mal für länger fort, aber es gab jetzt Gelegenheit und so besuchte ich mehr Augsburg und München als meinen Bruder Johann und Gabi, verehrte Schwägerin. (Danke für Speis, Trank und Bett!)

Mein Bruder Johann auf dem Weg zu einer Besprechung. Die Verwandtschaft ist unleugbar!

Ich wollte zuerst ganz locker und ziellos durch Augsburg wandern, Hans wohnt in mitten der Altstadt, aber ich kam nicht weit. Alleine Hoher Weg / Maximilianstraße locken mit so vielen Dingen zum verweilen. Zum betrachten, sinnieren.
Zuerst der Dom, dem ich dieses Mal mehr als eine flüchtige Betrachtung zukommen ließ.

Dom Augsburg, Südportal

Geld haben sie ja gar keins. Drei Orgeln zählte ich in dem verwinkelten Bau. Beguckte, wo die Bischöfe, die Weihbischöfe und das Domkapitel begraben sind, schön getrennt. Wunderte mich über die Ölgemälde aller Bischöfe seit 738 pChrN, freute mich, dass Mixta noch nicht da hängt, meiner geistigen Gesundheit willen. Und dann dieser Kreuzgang! Ich verbrachte darin eine 3/4 Stunde meditierend.

#kreuzgangwandeln #augsburg #dom

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Dann Richtung Rathausplatz, der Goldene Saal wurde gerade zur Repräsentation benutzt, wenn ich einmal rein will.
Erstaunlich, wie dominant heute noch die Pfeffersäcke um Fugger die Stadt dominieren. Auch wenn heute die Tauben ihren Senf dazugeben.

Skulptur des Johann Fugger in Augsburg, na wo? Am Fuugerplatz!

In ehemaligen Palästen des Geldadels ist heute das Maximilianmuseum untergebracht. Es erzählt viel über die Stadtgeschichte, wie keine andere geprägt durch die Auswirkungen der Reformation, mit Luther, Kaiser bis zum 30-jährigen Krieg und dem städtischen Feiertag „Friedensfest“. Gerade in diesen Tagen der Reformationsfeierlichkeiten. Alles in Tafeln festgehalten, sachlich ohne zu werten. Vor allem auch die „paritätische“ Handhabung der Kunst, der Politik im konfessionalen Nebeneinander nachdem 30 Jahre Krieg herrschte, wegen Dingen, zu denen sie Religion sagten. Schiller beschrieb das so gut in seinem Wallenstein, dem Warlord .


Überwältigend auch die hohe Zahl der Kunsthandwerker, Maler, Goldschmiede im Laufe der Zeit. Ich sah alles meist flüchtig, wie immer. Aber ich werde wiederkommen. Übrigens gewährten alle Museen, die ich besuchte, auch die Pinakotheken (das wird ein eigener Blogpost) Senioren/Rentner-Rabatt. Gibt es hier gar nicht. Nicht alles ist schlecht in Bayern, gelle Horst!
Dann der Hammer: Das Schaezlerpalais. Noch so ein Stadtpalais der Pfeffersäcke und Silberhändler. Ich fand gleich einen Gleichgesinnten.


Wie ich wohl mit Perücke aussehen würde? Mal eruieren! Wirklich umwerfend der Festsaal!

Festsaal im Schätzlerpalais Augsburg.

Bei der Einweihung tanzte dort Marie Antoinette, ob sie wohl auch Kuchen aß, auf jeden Fall hatte sie noch ihren Kopf auf dem Hals. Zeiten waren das und heute plärren sie dauernd: Umbruch.
Für mich total überraschend, ich war ja einfach los gelaufen, ist in das Museum integriert/angeschlossen die „Staatsgalerie Altdeutsche Meister“, eine Filiale der Pinakotheken im ehemaligen Katharinenkloster. Das ist so überwältigend in diesen hohen gotischen (?) Räumen, keine Verzierung, pur weiß gestrichen. Dort hinten, mittig das Dürerbild von Fugger dem Reichen, das ich schon im Städel sah. Ganz alleine scheint er die Kirche zu halten, mit seinen Konten und der doppelten Buchführung. Verbissen, ein Kapitalist durch und durch. Kein Hase, keine betenden Hände. Große Kunst, die hier grandios wirkt. Bravi!

Staatsgalerie in der Katharinenkirche, Augsburg

Jetzt war ich erschlagen, mit Eindrücken vollgestopft… Alles innerhalb von 2 km oder so. Hat was, dieses Augsburg. Ich feierte noch den Lampenmittwoch.. auf Instagram, doch da bin ich inzwischen auch und die Meme machen Spaß.

#lampenmittwoch #maximilianmuseum

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Eine Fahrradwallfahrt, zur Stadtheiligen? Afra? Ach, nicht Afri… Es bleibt noch viel zu gucken..

Radschild Augsburg

Es wurde Zeit gen Feierabend zu #lustwandeln. Hans und Gabi warteten mit Essen und einem Riesling von St. Hildegard. 🙂


[Update am Reformationstag.]
Ich war leider nicht in St. Anna, der evangelischen Hauptkirche in Augsburg. Aber Johann erwähnte es ja im Kommentar. Es gibt noch viel zu tun. Also Luther war zwei mal in Augsburg, weigerte sich auch dort zu widerrufen, in den Fuggerhäusern natürlich! Man wird das nächstes Jahr wohl gebührend feiern. In St. Anna gibt es ein extra Luthermuseum, die Lutherstiege. Ist fest eingeplant! So lange gucken wir eben den Museumstrailer an.

3 Gedanken zu „Zirbeln in Rätien“

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