Deutsches Eck und Neckarspitz

Ein eher düsterer Text als #Burgenblogger Training

Das sollte eigentlich ein Spotttext auf die Werbung der Metropol-Region Rhein-Neckar werden, die in ihren PR-Filmchen das Rhein-Neckar-Dreieck, die „Neckarspitz“, wie die Mannheimer sagen, immer unterschlägt, ganz im Gegensatz zu Koblenz, wo die Moselmündung als „Deutsches Eck“ prächtigst ausgestattet ist. Überhaupt, dass die Stadt Koblenz an Rhein und Mosel gebaut ist, während Mannheim die Flüsse eher weniger mit einbezieht, fast nur industriell nutzt. Und dann der halb gare Witz, dass man von einer überfluteten Stadt Mannheim noch nie gehört hat. Ein blöder Witz und dann beim Sortieren der eher mäßigen Bilder kam mir ein ganz anderer Zusammenhang.

Kurz vor dem sehr angenehmen Tweetup in Koblenz musste ich natürlich noch zum Deutschen Eck rennen, Tourist spielen, wie schon oft.

Der preußische Protz, der sich da am Deutschen Eck breitmacht, lässt mich aber immer wieder frösteln. Das martialisches Getue, dass sich letztendlich im 1. Weltkrieg niederschlug, dessen 100jähriges ja geradezu gefeiert wird, als hätten die Medien danach gegiert endlich wieder Kriegsgerät darstellen zu können und von Fronten zu berichten.

Das Deutsche Eck ist kein Ort, an dem man sich gerne hinsetzt und Kaffee trinkt.


Man bewundert die Aussicht, die Feste oben und geht wieder und hofft, dass sich eine solche kriegsherrliche Mentalität nie wieder durchsetzt. Das ehemals kurfürstliche Schloss samt Theater war mir lieber. Kunst statt Militär steht Koblenz gut zu Gesicht!

Dann Mannheim. Hat natürlich auch ein ehemaliges kurfürstliches Schloss, heute Uni, kaum älter als das Koblenzer. Wuchtigster Barock, für ein paar Jahre nur kurfürstlich, der Wittelsbacher musste nach München.

Und dann das Rhein-Neckar-Delta, wie es die ehemalige Stadtzeitschrift Meier so gerne nannte, die Neckarspitz, der Schmelzpunkt der Neckar- mit der Rheinromantik, den ein Schild des Neckar-Tal-Radwegs, fast karikierend markiert.

Kein Denkmal, keine Burg, Industrie pur. In Mannheim, dem zweitgrößten Binnenhafen Deutschlands, so sagt man, entronnen fließt der Neckar ganz unspektakulär in Vaters Rheinbett.

Gegenüber die BASF, das größte Chemiewerk der Welt. Bitte kein Naserümpfen über Chemie. Ohne Chemie kein Auto, kein Smartphone, kein Tablet, kein Computer, mit dem dieser Text gerade konsumiert wird.

Ohne Chemie ist unsere Welt so nicht mehr denkbar. Ich habe in meinem Arbeitsleben in der kunstoffverarbeitenden Industrie Abertausende Tonnen Chemikalien von dort drüben weiterverarbeitet. Unter anderem zu Schlappen, die wundersamerweise den Grünen und Alternativen heute noch zugeordnet werden, als modische Unmöglichkeit gehandelt wird. Aber. Dort drüben wurde auch das Kohlenmonoxid für die Konzentrationslager gefertigt. Der Stoff des Massenmordes, der dem Raubzug durch jüdischen Besitz folgte und nein das waren nicht nur die bösen Nazis.
Das Frösteln lässt nicht nach.

Und doch müssen wir den Kaiser Willem wie auch die Konzentrationslager als Geschichte ertragen. Wir können sie nicht ungeschehen machen, aber die Zukunft erträglicher gestalten, was im Augenblick immer schwieriger wird. Siehe meinen letzten Post.

Und zum Überfluten, ohne dummen Witz. Was passiert eigentlich, wenn der Rhein doch einmal die Fawwerik flutet? Noch ein Schaudern!
Was tun? Zum Beispiel Auseinandersetzung in der Kunst, Theater, Musik, Literatur! Wie im Nationaltheater Mannheim, so auch in Koblenz!

Es scheint so einfach zu sein, eine Burgschleifung von Burg Sooneck zu beschreiben, aber die gerade erlebte Vergangenheit? Auch das ist #Burgenblogger Training.