Die Starkenburg in Vettelheim


Das Welterbe in Lorsch hatte Angst und flehte beschützt zu werden,
samt dem was sonst noch übrig ist.

Also befahl Papst Unesco II. den Karolingern mit der Bulle „Non delendam esse“ zu bauen. Statt einem Oktaeder wie in Aachen errichteten sie aber eine Burg, damit der Schutz eine Heimat und der Durst seinen Wein bekam.

Die Starkenburg in Vettelheim.
(Lyrisches zu Heppenheim von mir gibt es im deutschen Literaturarchiv Marbach als Blogbackup)

Das wäre eigentlich ein hübscher Anfang für eine moderne Burgensage, aber mit Heppenheim kann ich das nicht. Das ist schließlich unsere Kreisstadt. Nicht Hauptstadt. Viernheim ist größer und zum Einkaufen geht man in die Großnachbarstadt Mannheim. Die Heppenheimer kommen dann zu uns ins Rhein-Neckar-Zentrum. Nach Heppenheim geht man zu den Festspielen oder einfach auf den Marktplatz.

Das ist alles schön seltsam bei uns. Nachdem Karl der Große Heppenheim samt angegliederter Mark, also uns, dem Kloster Lorsch geschenkt hatte begann nach dessen Niedergang das Gezerre der Herren Kurfürsten der Kurpfalz und Mainz um das „Oberamt Starkenburg“ und die Grenzen der Gegend hier wurden erst im Bergsträßer Rezess festgezurrt. Seitdem kann man in den Nachfolgestaaten munter von einem Bundesland zum anderen hoppeln, Rad fahren und mit der Straßenbahn durch drei Bundesländer fahren. Heppenheims südliches Nachbardorf Laudenbach, zum Beispiel, liegt dann auch an der Badischen Weinstraße, was aber nicht heißt, dass die Trauben von dort nicht in das Anbaugebiet „Hessische Bergstraße“ gebracht werden und von der „Bergsträßer Winzer eG“ im hessischen Heppenheim auch vermarktet würden.

Aber ein schöner Spaziergang ist es hinauf zur Burg. In der Frühherbstsonne bekommt man fast mediterrane Gefühle, aber das ist entlang des Rheins oft so. Die Geschichte der Burg und so steht wie immer in der Wikipedia und hier gibt es eine Broschüre zum „Burgsteig Bergstraße“ (pdf). Dort oben den Burgenblogger zu geben ist übrigens einfach! Das ist eine Jugendherberge!

Ich kenne jetzt also persönlich den Rheinsteig, den Neckarsteig, jetzt den Burgsteig Bergstraße. Nicht, dass ich sie erwandern wollte. Eine wahre Inflation der Steige ist das.
Zur Starkenburg hinauf führt auch weggleich der Planetenweg zur Sternwarte oben, der Weiterbildung ist kein Ende.

Der Blick vom Turm in die Ebene ist typisch. Bei schönstem Wetter liegt ein Dunst über der Ebene, der die Großstädte und die Pfälzer Weinstraße (bei denen ist alles pfälzisch an einem Stück) verschwinden lässt. Das ist oft so. Komischerweise kann man fast immer von der Pfalz aus die Bergstraße genau sehen, obwohl der Dunst (?) doch der Gleiche ist.

Beim Abstieg den Burgsteig hinab der Blick in den Odenwald zum Teilort Hambach, wo die Odenwaldschule ihren Schülern die wahre Odenwaldhölle antat. Merke: Liebliche Landschaften schützen nicht per se!
Betrachtet man diesen Burgsteigenplan genau, dann geht er korrekt der Bergstraße entlang, die eben in Darmstadt anfängt und in Heidelberg endet oder umgekehrt. Hhmm.
Dann sind die Burgen in den Kreis-Enklaven am Neckar nicht dabei. In Neckarsteinach waren wir schon zusammen, Hirschhorn bekommen wir irgendwann auch einmal. Mit den Gemeinden Lampertheim und Biblis liegt das Starkenburgterretorium aber auch am Rhein und doch, auch in Biblis gibt es eine Burg, die werden wir als Nächstes besuchen. :))
So könnte der Kreis auch Rhein-Neckar-Kreis heißen, aber das haben ja schon die Heidelberger gekrallt. Eigentlich könnte er Rhein-Weschnitz-Kreis heißen, denn die Weschnitz entspringt in der Kreismitte in Hammelbach und mündet in Biblis in den Rhein. Nur durch Weinheim durchfließt sie nicht den Kreis. Aber was solls, ist auch egal.

Als Burgenblogger sollte man natürlich auch mit den Menschen reden, aber ich traf halt nur Exkollegen im Ruhestand und wir rissen Witze darüber, dass der wahre Grund des Landrates zum Nichtwiederwahlantritt seine Sehnsucht nach Bollywood sei. Doch der Herr Wilkes verteidigte nicht nur das Weschnitztal gegen die böse Frankfurter Großzeitung, die jetzt doch Leute entlassen muss, weil sie in Birkenau die Odenwaldhölle reporterte, sondern er holte auch mehrere Bollywood-Produktionen in den Kreis. Der Set stand auf dem Marktplatz von Heppenheim, wie auch auf unserem Apostelplatz (Youtube Video). Strange. Und dann traf ich noch einen Bekannten vor dem Landratsamt, der Dinge über das Bauamt sagte, die man nur nach rechtsanwaltlicher Beratung schreiben könnte.
Nur der Nebenbei-Winzer den ich vom Sehen kenne berichtete dass er den Dornfelder und den Spätburgunder, dort am Schlossberg schon weghätte, der Riesling muss noch hängen und Öchsle produzieren.

Ich hatte es schon gesehen auch hier war der Vollmäher im Müller-Thurgau am Werkeln, während nebenan der Spätburgunder von Hand geerntet wird, von zarten polnischen Händen.

Und nein, ich habe keine Lust darauf mitzumachen … 🙂
Unten bei der Genossenschaft stehen die Trauben Schlange, bis die Kübel abgesaugt werden.

Das riecht echt gut dort

und nein meine Lieben wollen bestimmt keine Rieslingtasche

aus der Genossenschaft-Vinothek. Die Genossen-Weine aus Heppenheim sind drüben beim Knupfer, unserem heimischen Mini-Super-Markt, tatsächlich bis zu einem € billiger.

Also beschloss ich noch zur Vinothek der Bergsträßer Domäne der hessischen Staatsweingüter zu radeln, aber davor saßen schöne junge Damen und Herren im kleinen Schwarzen und Nadelstreifen und huldigten der Verkostungslyrik. Die hessischen Rebmütter halt.

Meine Schorle trank ich dann in der Pause Heimfahrt, direkt vor dem Welterbe in Lorsch und ich dachte über den Papst Uefa I. nach, der dann aber doch zu Unesco II. wurde.