Glühwein, Würmer, Heylshof und Barock

tl;dr
Ich fuhr mit der Buslinie 644 Viernheim-Worms (Nein, das ist nicht in BaWü ! Neuer Fahrplan, neue Gefährte, danke VRN!) die 26 km in die Drachenstadt Worms (Siegfried, ihr kennt das ja!) zum Weihnachtsmarkt dorten und zur Ausstellung „Das Goldene Zeitalter – Barock im Heylshof“, die ich, wie den Weihnachtsmarkt wärmstens empfehle!

Die Kaiserkrone über dem Wormser Dom. Nächstes Jahr wird das Lutherjahr hier toben! (Klick)
Die Kaiserkrone über dem Wormser Dom. Nächstes Jahr wird das Lutherjahr hier toben! (Klick)

Weil aber alle Welt von SEO und der Digitalisierung (#augenroll) berichtet, so wie man museal gesehen, über die „analog-digitale Kulturschnittstelle“ spricht, auch hier eine digital-historische Vorbemerkung zu Worms:
Worms, die Stadt, war früher sehr schwer zu googeln. Die Bildersuche zeigt es immer noch, Würmer halt. Dabei ist der LINDwurm das Wappentier. Mein Drachen-Storify kennt ihr ja! 🙂 🙂

Mir war nach Glühwein, das Thermometer zeigte endlich -1°. Und Glühwein bedeutet vor allem:
(Übrigens ein Cuvée aus Muskateller, Müller-Thurgau und Riesling vom Weingut Kloos)

Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt in Worms
Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt in Worms

Und dann wollte ich endlich auch wieder zum Geheimtipp der Kulturtussi: „PRUNKVERSUCHE. ANNÄHERUNG AN SCHINKEN“.

Am Zaun des Museums Heylshof Worms
Am Zaun des Museums Heylshof Worms

Ich war da schon lange nicht mehr. Nur vorbeigefahren. In kurzen Hosen, mit Fahrradschweiß gesegnet, besucht man keinen Rubens. Dabei ist das wirklich ein hübsches kleines Museum, in einem Neo-Barocken Gebäude, gestiftet von der Familie Heyl. Schade, dass man um den Dom herum baut und absperrt, dahinter liegt ein hübscher kleiner Park, mit Blick zum Dom, kann man gerade nicht besuchen.

Museum Heylshof in Worms zwischen Dom St. Peter und Lutherdenkmal.. (Klick)
Museum Heylshof in Worms zwischen Dom St. Peter und Lutherdenkmal.. (Klick)

Und wer hängt an der Wand? Karl Theodor Dalberg, den ich zuletzt in Aschaffenburg traf. War ja auch Wormser Bischof, nicht nur Großherzog von Frankfurt, Illuminati und Erzreichskanzler. Den Dalbergs gehörte ja vor den Heyls das Schloss in Herrnsheim, heute ein Stadtteil von Worms, ich nahm Euch dorthin ja auch mit. Ich dachte, dann müsste ich auch diesen Ausflug hier dokumentieren. (Ja, ja, der Bismarck hängt da auch. Noch’n Kanzler.)
Schlau hängt sich der Heylshof an das nahe Mannheimer Abmahnmuseum REM mit seiner Barockausstellung. Was eigentlich kein Kunststück ist, weil die Bestandsausstellung fast nur aus Barock besteht. Herr Heyl sammelte das wohl gerne. Dort hängen tatsächlich einige Schwergewichte, ich wollte jetzt nicht auch noch „Schinken“ sagen.

Screenshot "Das goldene Zeitalter des Barock. " (Klick)
Screenshot „Das goldene Zeitalter des Barock. “ (Klick)

Aber es gibt eine bemerkenswerte Sonderausstellung noch bis zum 31.12.2016. „Handzeichnungen des 17. und 18. Jahrhunderts aus der Sammlung Dalberg. (SIC!)“. Kaum ausgestellt, kaum erforscht. Also Kunstliebhaber, auf auf. Den Bestand könnt ihr auch sonst betrachten. Das ist übrigens direkt neben den Nibelungenfestspielen. (#zaunpfahl!) Ich bin dann mal gespannt, was sie in Herrnsheim noch so alles finden. Ach ja, das ist nicht so mein Ding, aber das Museum hat auch noch eine umfängliche Porzellan-Sammlung.
Man darf nicht knipsen. Braucht man auch gar nicht, denn tata!, die gezeigten Werke sind vollständig digitalisiert. Hier entlang, Damens und Herren, macht Euch neugierig. Einfach Gemälde oder Zeichnungen wählen.

Screenshot der Website des Museums Heylshof..(Klick)
Screenshot der Website des Museums Heylshof..(Klick)

Ich finde das erstaunlich für so ein kleines Museum. Und ein Beispiel für kleinere Einrichtungen. Die ganze Website mit WordPress realisiert. WordPress Theme Detector verrät mir das Theme „Tiny Framework“ und als Plugin u.a. „Photo Gallery“. Die Website ist voller Informationen, zur Architektur, zur Sammlung, zur Familie, in angenehm verständlicher Sprache, ohne kunsthistorische Maiandachten und eben via Photogalerie und Framework die Gemälde und Zeichnungen. Klar ginge das auch eleganter mit teurer Software und und, aber zum teasern reicht das alle mal, zum nachschauen. Mir kam die Idee, da die Site ja responsive ist sie als „App“ zu benutzen. Leider zeigt das Theme die Hauptnaviagation nicht an. Aber direkt aufgerufen funktioniert das durchaus.

Android Screenshot der Website "Gemälde" von heylshof.de
Android Screenshot der Website „Gemälde“ von heylshof.de

Was mich auf die Idee bringt, dass man so tatsächlich eine „App“ für eine kleinere Ausstellung aufbauen könnte. Eigene WordPress Installation (5 min Arbeit) mit speziellem Theme. Navigation per „Nummer“ Bild, Beschreibung und mp3/org. Nur damit ich das nicht vergesse…. Aber das ist eine andere Geschichte.
Also, hingehen und hinsurfen…
Und pssst, das ist ein nettes Museum, mit nettem Personal. Ich war der einzige Besucher, eigentlich wie immer, wenn ich dort war. „Wollen Sie diesen Raum auch besichtigen? Wissen Sie, wir sind angehalten sparsam zu sein, deshalb schalte ich das Licht immer aus.“ So lief die Dame mir voraus, neben mir her, nett plaudernd, betrachtete mit mir die Bilder, sie hatte sie wohl noch nie richtig betrachtet und knipste schön das Licht an und aus, selbst als ich manche Dinge noch einmal sehen wollte, ohne zu murren, immer freundlich lächelnd. Auf jeden Fall besser und angenehmer als als diese grimmig dreinblickenden Museumswächter*innen, die unsereinen ja ausschließlich als potentielle Diebe oder Attentäter beblicken und beschleichen. Muss auch einmal gesagt werden.

Dann war Weihnachtsmarkt. Der ist in diesem Jahr viel kleiner, der Marktplatz verwaist…Warum auch immer, irgendwann hatte ich mal was über politische Querelen gelesen, aber angesichts der Weltlage als unwichtig abgelegt.
Aber der Glühwein, siehe oben war und ist Top!

Noch ein Gutshof in Worms vertreten.
Noch ein Gutshof in Worms vertreten.

Ich begann beim Glühwein zu sinnieren. Ich sollte alle Wormser Museen hier einmal vorstellen, wäre ein Grund einmal wieder hinzugehen. Die sind viel zu unbekannt, vor allem das „Jüdische Museum im Raschi-Haus“.

Und zu den Weihnachtsmärkten will ich dieses Jahr nur noch geplant nach Speyer und Mainz.

Speyer, Worms, Mainz, war da nicht was? Das sind die „SchUM-Städte“, die Weltkulturerbe werden wollen.
Zitat:

Als SchUM-Städte bzw. SchUM-Gemeinden bezeichneten die Juden im Mittelalter die drei größten und einflussreichsten jüdischen Gemeinden im deutschen Raum. Mainz, Worms und Speyer waren sowohl Freie Städte als auch Bischofssitze und erlangten schon früh im Mittelalter überregionale Bedeutung, sowohl politisch als auch wirtschaftlich. Alle drei Städte lagen direkt am Rhein und fungierten somit auch als wichtige Handelsposten für Kaufleute.
Der Bezeichnung SchUM setzt sich aus den Anfangsbuchstaben der mittelalterlichen, hebräischen Namen der drei Städte zusammen: Schin (Sch) für Schpira, Waw (U) für Warmaisa und Mem (M) für Magenza.

Auch so ein Projekt, das sich hier darstellen ließe. Man liest sich…

2 Gedanken zu „Glühwein, Würmer, Heylshof und Barock“

  1. Danke für die netten Worte, was die Website angeht. Tatsächlich ist WordPress ja erstaunlich flexibel, wenn es um die Realisation kleinerer Sites geht. Allerdings sollte es auch auf dem Smartphone eigentlich eine Navigation geben, sie ist halt nur nicht dauerhaft eingeblendet (auf „Menü“ tippen). Grüße vom Ururgroßneffen des Kunstsammlers.

    1. Hallo,
      ja, ich war fasziniert. Ich hatte die Website lange nicht mehr betrachtet. Das Menü zeigt leider auf Android 6 nicht die „Werke“-Seiten… Träumen eigentlich Urururgroßneffen davon solch einen Schinken geerbt zu haben und im Wohnzimmer aufgehängt? :))

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