Vom Gelände zur Landschaft #wirziehnfallera

Im Texteblog hatte ich es ja angekündigt! Ich will bei der Aktion #wirziehnfallera der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe und der Herbergsmütter mitmachen, mit dem Format #twly (Twitterlyrik). Es gibt dazu ein Tumblr.
[Update] Ich war in der Heide und es gibt ein Storify dazu![/update]
Es geht um „Landschaft auf die Hand – Digitale Promenadologie“ zu der Ausstellung „Unter freiem Himmel – Landschaft sehen, lesen, hören“ in Karlsruhe vom 18. Februar 2017 – 27. August 2017.
Zur Wahl stellte ich mir als Landschaft Wachenheim, Dilsberg/Odenwald.
Ich war gestern auch in Wachenheim und konstantierte:


Slevogt wollte ich da im Kopf haben, aber das ging nicht. Ich hatte dauernd das im Hirn:

Weinvollernter bei Heppenheim

Wer malt denn heute so etwas? Im Odenwald umherturnen? Habe ich da Netz? Es soll ja eine Smartphone-Aktion werden! Ich hätte ja zu gerne mit Bleistift auf eine Wanderhüttenwand ein Gedicht geschrieben, wie einst Goethe. Kennt ihr alle, oder? „…Warte nur, balde / Ruhest du auch.“ (Von den Klassikern lernen #seufz)
Auf Twitter und sonstigen Plattformen kamen dann die ersten Bilder von der Dokumenta 14. Ja, ja, es kommt gleich, ich will nur die Gedankenkette hier dokumentieren!
Kassel. Ich war dort zum Wehrdienst befohlen. Während der Documenta 5. Siehe da!
Man klickt heutzutage dann herum und ich suchte nach unserem Truppenübungsplatz. Dönche hieß der. Und siehe da: Das ist jetzt ein Naturschutzgebiet!
Bämm! Kunst hilft. Einen ehemaligen Truppenübungsplatz habe ich um die Ecke auch. 1 km entfernt. Das Militär kennt ja keine Landschaften, dort ist alles Gelände. Nicht zum umherspazieren, sondern um zu kriegen. Doch, das muss sein…..
Ich werde also diese Woche noch eine #twly-Lauf durch das ehemalige Gelände machen. Hier wollte ich nur beschreiben, wo das ist und was das ist. Das wird lyrisch schlecht zu fassen sein.
Es geht um den heiß umkämpften Viernheimer Panzerwald. Der Truppenübungsplatz der US-Army, direkt im Wasserschutzgebiet für das Käfertaler Wasserwerk, der Ressource für Mannheim und auch uns Viernheimer. Das sah so aus dort. Link zu einem Bericht mit Archivbild.
Man konnte auch gerne mitten hindurch fahren. Zum Tiergehege am Karlstern z.B. War nett, wenn die M 33 nebenan umherdüsten. Seit 1994 fuhren dann keine Panzer mehr, wenigstens. Aber im Wald war immer noch die Infantrie. Ich hatte es ja hier beschrieben. Aus 2007.
„Gänsehaut und die Army im Wald. Noch.“

Soldatin im Panzerwald 2007

2012 lösten dann die Amerikaner Eisenhowers Army-Europazentrale in Heidelberg und die dazugehörigen Kasernen auf und zogen nach Wiesbaden.
Es entstanden zwei Naturschutzgebiete, die so eigentlich nicht in die Landschaft passen. Die Dünen plattgewalzt wurden zur „Heide“ mit Pflanzen, die nicht hierhergehören. Das sieht jetzt so aus:

Naturschutzgebiet im Käfertaler Wald

Mein Anfahrtweg nach Mannheim. Nichts für Rennfahrer, aber schön geschottert. Fährt man links weiter kommt man zu den ehemaligen Kasernen der Panzerfahrer.

Ehemalige „Sullivan-Kaserne“ in Mannheim Käfertal.

Die werden aber als „Franklin“ konversiert zu einem bürgerlichen Stadtteil.

Großbaustelle „Franklin“ Mannheim.

Tja, ich lasse heute nix aus. Jetzt kommt #theaterimnetz:
Wie es da innen aussah beschreibt ein Storify des Nationaltheaters Mannheim zu den Schillertagen 2014.
Da sind diese Herbergsmütter auch erwähnt :)))) Ein Tweet von mir dabei:


Fährt man dort oben aber nach links kommt man zum Glockenbuckel, dem ersten Naturschutzgebiet.

Glockenbuckel Viernheim, Flugsanddüne

Aus dem Flyer des Regierungspräsidiums Darmstadt:

Die Dünenlandschaft des Glockenbuckels von Viernheim ist Vieles: Zeugnis der letzten Eiszeit und “Geotop des Jahres” 2007, ehemaliges Panzerübungsgelände und nicht zuletzt ein beliebtes Naherholungsgebiet.

Der Flyer zum nachlesen (pdf) Der Buckel wird beim #twly zu sehen sein!
Weiter kommt man dann auf den inzwischen stark befestigten Schotterweg nach Lampertheim, der ehemaligen Trasse der Bahnstrecke Weinheim-Worms, die 1960 eingestellt wurde. Auch dieser Weg war Teil des Truppenübungsplatzes, siehe das Bild der Soldatin oben. Parallel dazu verläuft eine Stromtrasse und eine Gasverbundleitung. Das ist heutzutage sehr gut herausgeputzt!

„Viernheimer Heide und angrenzende Gebiete“. Im Hintergrund die Bergstraße.
Viernheimer Heide und angrenzende Gebiete

Aus dem Flyer zur Tafel oben:

Die Viernheimer Waldheide entstand durch Rodung und Beweidung früherer Waldflächen. Später wurden ein Truppenübungsplatz eingerichtet und die rund 40 Meter hohe Hochspannungsleitung gebaut. Nach Ende der militärischen Nutzung begannen die offenen Sandflächen zu verbuschen. Heute befreien der Netzbetreiber, Hessen-Forst und ehrenamtliche Naturschützer in regelmäßigen Einsätzen die Flächen von Büschen und Bäumen. Denn die seltenen, lichtliebenden Arten, die hier zu Hause sind, brauchen die offene Landschaft. Schafe, Ziegen und Esel halten die Sandtrockenrasen kurz und legen hier und da offenen Boden frei, wo sich spezielle Tiere und Pflanzen ansiedeln.

Zum Flyer (pdf).
Dort stehen auch die Tafeln, siehe Beitragsbild oben. Die Hinweistafeln zur Gefährlichkeit der Gasleitung sind bei manchen heraus gefallen und bieten sich als Rahmen für #wirziehfallera an.

Leere Hinweistafel in der Viernheimer Heide.

So werde ich meine verschiedenen Perspektiven rahmen. Die Erinnerung an eine hässliche Landschaft, die sich durch Menschenhand stark zum positiven geändert hat. Keine Postkartenlandschaft, aber eine sehr meditative Umgebung, die nichts versteckt. Eine heutige Landschaft, mit Ernergieträgern und derem Schutz. Die militärische Vergangenheit ist immer noch zu spüren, aber der Spruch gilt heute aber allgemein: „Umkehren“.

Hinweis- und Schutzpoller Vienheimer Heide

Bis zum #twly die Tage! Falls mir nix eingefallen ist vermelde ich es hier!

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