Ruinen, Burgen und Absurdistan

Dieser Sommer findet bisher immer tageweise statt. Gestern auf einen Schlag +30°. Ich wollte, musste, sollte, hinaus. Mir war nach kühlem Wald nach heißem Ritt. Ich war ja letztes Jahr schon dort, aber die Deiche wurden immer noch saniert. Ich wollte nachsehen. Ein Trip nur im eigenen Bundesland, dem heimatlichen Kreis. Geht bei uns ja nur gen Norden.


Stark sinnierend. Erstaunlich flott unterwegs. Durch die Heide, die ja nur durch den kalten Krieg entstand, Panzer hatten den Wald fast tot geübt. Dann durch die Ebene mit intensiver landwirtschaftlicher Nutzung. Nichts außergewöhnliches, meist Spargel. Dann die Gärtnersiedlung in Bürstadt-Boxheimerhof Ich nenne es immer Suppenweg. Möhren, Lauch, Sellerie, Zwiebel, alles am Wegrand und vor allem die Firma Böttcher, Kräuter en Masse, vor allem Schnittlauch. Auf einem Feld wurde geerntet, von Hand und gebündelt, nein, arbeitende Menschen wollte ich nicht knipsen..


Wehmut irgendwie, heute ist ja Johannis, die Spargelzeit ist vorbei, wie der Mitsommer. Das Jahr eilt schon wieder dem Herbst entgegen.


Der Weg durch die fast verlassenen Orte im südhessischen Ried in der Knallsonne, Bobstadt noch und dann Biblis. Die Gurkenstadt. Ewig verdrängt, das AKW. Gleich begrüßt von der Weschnitz.

Das wirkt immer wie aus dem Mond gefallen, der ICE in der Landschaft, nicht im lärmenden Bahnhof.

Die Bach, die Bech, weiter flussaufwärts. Ich arbeitete 37 Jahre an ihr, überquerte sie mindestens 2 täglich, da in Weinheim. Nichts natürliches an ihr. Wie ein Strich in die Landschaft gegraben, seit Jahrhunderten. Aber solche Ungeheuer können auch die Römer nicht auf diesem Bächlein transportiert worden sein, wie oft behauptet wird, wenigstens meiner geringen Meinung halber.
(Bild eingebettet aus Wikipedia)

Felsenmeer Reichenbach Altarstein 01.jpg
Von Kuebi = Armin Kübelbeck – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3267492

Aber dann der Weg zum AKW. Immer noch seltsam anmutend, auf gänzlicher leerer Straße. Bis ganz hin und dann links vorbei. (Wer mit dem Auto zur Burg Stein will sollte dort parken, ob man das darf? Dann einfach hoch zum Damm und links ab, so 1 km bis zur Brücke.)

Die teuerste Ruine des Kreises heutzutage, abgeschaltet, Lager für den ewigen Atomschrott, nur noch als Rechtsstreit taugend.


Tatsächlich ist die gesamte Umgebung des AKW als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Klingt absurd, ich weiß, absurd wie die gesamte Atomgeschichte, samt Wende.
Dabei ist es schön dort. Zu ihrem Abgang in den Rhein hat man ihr ein wundersames Bettchen gegraben.


Ich vesperte und las, lies es mir gut sein, da im Steiner Wald.


Dann ein paar Meter weiter die Burg Stein. Ursprünglich einer der rechtsrheinischen Schutzhäfen der Römer wider diese garstigen Barbaren, ja, auch die Franken, meine Vorfahren, die sich dann doch irgendwann das Land nahmen. Nicht migrierten, gell, mit dem Schwert in der Hand die keltisch-römische Kultur zerstörend, das was damals das Abendland war, ich höre ja schon auf.


So ist das also in Biblis mit den alten und ganz neuen Ruinen am Rhein. Pardon, Biblis-Nordheim.
Dann noch am Damm entlang hinunter an den Rhein. „Zur Fähre“ heißt die Kneipe. (Merke! Der Kreis Bergstraße besteht eben nicht nur aus Odenwald. Hier beginnt der Rhein sein hessische Abenteuer bis hinauf nach Rüdesheim.

Dann nach Hause, via Nordheim, Hofheim

Aber das hatte ich ja schon hier erzählt.

Mitten im Wald dann ein Anruf: „Geht es dir gut?“ Ich hatte nix mit bekommen. Geiselnahme in Viernheim. Kein Kilometer von meiner Wohnung entfernt. Absurdistan. Das Gefühl, dass alles nur noch absurd ist. Durch unser Städtchen geradelt, alles ganz gewöhnlich und doch war da ein Mensch erschossen worden. Die Tage werden es noch zeigen, was das denn war. Der Brexit drohte auch. Trump geistert. Absurd, absurd, absurd. Mein Wunsch nach Dada wird übermächtig. Ich werde die Tage das Zeug wirklich schreiben. Der geistigen Gesundheit geschuldet.

Egal, mein Leben geht weiter, was soll ich auch machen. Ich wusste nicht, ob die 5 fuhr (Die Straßenbahn führt ja direkt am Kino vorbei). Also noch einmal aufs Rad, diese Mal dem Häusermeer entgegen. Theater.

Absurd? Absurd! Ich bin so absurd, wie die Welt. Vor dem Heimweg noch ein Bier am Fluss, dem großen Nebenfluss, nicht der Weschnitz, 20 Rheinkilometer weiter südlich.

Und zum Abschied der Blick, hinüber zur BASF, die hoffentlich nie Ruine wird, die tickt vielleicht länger, als die Atom-Eier, den Rhein aufwärts..

Bald ist wieder Europameisterschaft, wo das Absurdistan siegen wird, egal welches.

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