Die Strahlenburg.

Oder warum wir eigentlich lieber unten bleiben.

Die Burgen an der Bergstraße sehen für Ruinen eigentlich gut aus, beherbergen heute Gastronomie und doch sind sie jetzt nicht DER Renner, bei uns Menschen der Ebene. Doch doch, wir schätzen sie, bewundern sie gerne von unten, aber eigentlich überlassen wir die Burgen gerne den Touristen, wie man eigentlich auf’s Heidelberger Schloss nur mit Besuch geht.

Weil man da so einen tollen Blick hat, auf die grausame Wahrheit, gerade bei der Strahlenburg in Schriesheim. Der Horizont wird eingerahmt, ganz im Hintergrund nordwestlich, das Atomkraftwerk Phillipsburg, gen Südwest leuchtet das AKW Biblis, in der Mitte die Block-Trutzburgen des Kohle-Großkraftwerks Mannheim. Die Zinnen und Kugeln des größten Chemiewerks der Welt blockieren das Auge auf die Haardt und ihre Burgen und den Rebenmeeren. Wir wollen uns ja nicht beschweren. Das hat alles seine schöne Ecken, aber die Industrielandschaft von oben ist nicht so der Renner, wie in den engen Tälern des Neckars, der Mosel, des Mittelrheins, selbst des Mains.

Seltsam auch, dass von den Burgen in der Pfalz, wie z.B. der Wachtenburg in Wachenheim das alles viel besser aussieht. Das gleiche Rhein-Neckar-Delta. Seltsam.

Und sieht die Burg von unten nicht viel besser aus? 🙂
Samt dem ganzen Wein, den man trinken kann. ( Das ist eine der höchsten Lobpreisungen für Wein, den die Gegend aufbringt. Verkostungslyrik ist dem gemeinen (Kur)Pfälzer abhold.)

Ich werde jetzt aber nicht in Wikipedia-Prosa verfallen und Euch „Schriese“ erklären wollen, samt seiner Gründungsburg. Lest doch einfach selbst. Schon merkwürdig, was denen alles einfiel, nur 9 km vom Kurfürsten in Heidelberg entfernt, dem Pfalzgraf zu Rhein, dem Erztruchsess des heiligen römischen Reichs deutscher Nation.
Ich mag die Strahlenburg von unten sehr, wenn man von Westen her wieder heimwärts fährt, ein Juwel an der Bergstraße.

Die Burg von innen ist mir kindheitstraumatisiert. Als Teenie zu Besuch in Viernheim ( wir wohnten da anderswo ) mit Geld von Opa versehen, mit dem 0-Gang-Rad in die Höhe geschoben, reichte unser Geld nicht für ein ausreichend bemessenes Eis. Im Tal gab es dafür 3 Kugeln mehr! Also bleibt es dabei: In Schriesheim ist es sehr schön, man sitzt sehr gut im Cafe am Marktplatz und weiß sich beschützt von der Strahlenburg.
Raubritter eben! Wie der örtliche Baseball-Club.