Isis, Mater, Leitkultur. Wer hat den Domschatz geklaut?

#tl;dr
Ich war in Mainz im Isis Heiligtum, im Dommuseum und auf dem Weihnachtsmarkt. Zum sinnieren sehr geeignet!

Ich gehe zu Weihnachtsmärkten um dem Dekowahn (sieht gut aus, so geschrieben es ist), auch in den Geschäften, zu entgehen, weil der Wahnsinn dorten geballt zu sehen ist, in der Masse unbesinnlich wirkt; um im Freien, außerhalb der Radsaison etwas in der Kälte zu tun, ohne den Ski- und Rodelwahnn (SIC!). Um Licht zu trinken in der Dunkelheit und sich zu schämen dabei für die Lichtverschmutzung, was sind wir alle so zweiseitig. Um Dialekt zu hören und zu sprechen, so geballt findet man das sonst nur auf Weinfesten, wobei, was sind Weihnachstmärkte eigentlich sonst? In Worms kam mir eher zufällig die Idee das mit einem Museumsbesuch zu verbinden. Aber das kennt ihr ja schon. Dieses mal wollte ich das, wie angesprochen, gezielt machen. Im Gutenberg-Museum hatte ich ja schon gelesen. Musste ich nicht schon wieder hin. Mich interessierte schon eine Weile dieses Isis- und Mater Magna-Heiligtum. Und BÄMM, alle Mainz-Klischees wurden wahr. Das Isis-Heiligtum wurde beim Bau einer dieser albernen neudeutschen City-Malls entdeckt, der Römer-Passage. Ich aber fand das Museum nicht. So folgte ich den Weihnachtsfrömmlern zum anderen Ende.

Die Leitkulturer 2016 in der Stadt des Hl. Erzbischofs Bonifatius und der Reicherzkanzler für Germanien. (Klick zur Erklärung)
Die Leitkulturer 2016 in der Stadt des Hl. Erzbischofs Bonifatius und der Reicherzkanzler für Germanien. (Klick zur Erklärung)

Ganz am Ende stand ein Mann vom MCV und verkaufte Plaketten für den Rosenmontagszug. BÄMM! Und der sagte mir, dass ich daran vorbei gelaufen war. Das Museum ist als Ladengeschäft getarnt, nichts weist in Augenhöhe darauf hin. Heidnischer Kram aber auch!

Eingang zum Isis Heiligtum in der Römerpassage Mainz
Eingang zum Isis Heiligtum in der Römerpassage Mainz

Kaum unten empfängt mich ein Hörspiel „Saturnalien vom 21.12.69.“ Eine Mischung aus Weihnachten und Fasnacht“. BÄMM. Die 22. Legion hat auch mitgefeiert.

Isis Tempel in Mainz, während des Hörspiels.
Isis Tempel in Mainz, während des Hörspiels.

Übrigens ist der 21.12.69 der erste „reale Amtstag“ des „Imperator Caesar Vespasianus Augustus“, der 2 mal in Mainz war, gell. Im selben Jahr hat er auch Jerusalem belagert, was ein Jahr später zur Zerstörung des zweiten Tempels führte, dessen Einweihung die Juden jährlich mit dem Chanukka-Fest feiern. Hanukkah (Die Übertragung ins deutsche ist wohl schwierig), ein Lichterfest, fällt dieses Jahr auf den 25.12. Alles hängt immer und überall zusammen. Die Globalisierung gab es schon immer. Ich kam darauf, weil ich an die „Weihnachts-Hanukka-Deko“ von @irgendwiejuna denken musste, klar in einem Museum. Übrigens im Ganzen ein wirklich sehr guter, emotionaler Text, auf Einladung der Bundestagsfraktion der Grünen gehalten. Und Hannuka Deko ist schon beeindruckend. Das würde sich gut machen mit einem Stand auf den Weihnachtsmärkten der SCHUM-Städte! (#zaunpfahl) Wo doch Magenza sogar Partnerstadt von Haifa ist…
Aber ich schweife einmal mehr, also das ist eine sehr beeindruckende Ausstellung! Einfach in der Tiefe belassen, die paar Mauern fast mythisch in Szene gesetzt. Der LED-Sternenhimmel dort unten soll übrigens exakt dem des 21.12.69 in Mainz entsprechen….

Isis Heiligtum Mainz
Isis Heiligtum Mainz

Es ist wirklich eine Zeitreise. Entschleunigend im Trubel der Kaufräusche. Ein Kurzfilm, der einen Isis-Priester zeigt, wie er eine Grabbeigabe fertigt, die eine Frau in einer Kiste versteckt und vom Ausgrabeteam in realiter gefunden wird. Es ist wirklich spannend zuzusehen, wie die Exponate in den Glaskästen ausgebuddeld werden.

Grabbeilage aus dem Isis-Tempel Mainz
Grabbeilage aus dem Isis-Tempel Mainz

Die ärmeren unter ihnen durften auch schon einmal Vögel opfern…

Vögel Knochen im Isis-Museum Mainz
Vögel Knochen im Isis-Museum Mainz

Das ist ein sehr gut eingerichtetes, sinnliches Museum, das viel zu wenig Beachtung findet. Ich war wieder einmal zu weiten Teilen allein. Zum Abschluss noch einige fundierte Informationen am Tresen und Infos zur „Initiative Römisches Mainz e.V“ Es gibt noch viel zu tun da in Mainz. Noch immer weiß man noch nicht, wo das Forum mit den Tempeln war. Der Eintritt zum Museum ist übrigens frei. Spenden sind willkommen.
Aber weiter im Takt. Ich wollte mich Mainz dieses mal sakral nähern. Der Dom steht ja vor dem Weihnachtsmarkt herum. Wobei ich mich Mainz ja fast immer sakral näherte. Fast wäre ich in Erinnerungen versunken, an den Dom und (streicht 20000 Zeichen, das interessiert niemanden, Opa erzählt vom Krieg.)
Zwei Stories halt doch. Das mit dem doppelten Domjubiläum hatte ich ja schon 2009 gebloggt und heute ein Bild dazugefügt, von der Gotthart-Kapelle.

Meine erste wirkliche sakrale Reise nach Mainz? Man schickte den Obermessdiener am Gründonnerstag nach Mainz, zur Ölmesse, um die heiligen Öle für das Dekanat nach Viernheim zu holen. Ich musste mit, um zu gewährleisten, dass der Bahnunerfahrene, wie wohl ältere, auch dort ankam. Es war grauslich. Düster, fast unbeleuchtet der Dom, nur unser ehemaliger Obermessdiener, nun Seminarist, als Kreuzträger, überragte den Domschweizer um eine Kopflänge, trotz seltsamem Hut, und wir kicherten, auch als grauhaarige Männer mit violetten Krägen und Biretts „Oh sancte oelum“ sangen, staunten über das geschwätzige, von Witzen umsäumte Ausschenken des Öls in unsere Kännchen im Kasten. Nun abgebrüht schleppten wir den Kasten dann in den Imbiss am Dom, tranken einen „Kalten Kaffee“, aßen eine Bratwurst und auf der Heimfahrt spielten wir auf dem Kasten, als Tisch benutzt, „Offiziersskat“, aus Ermangelung eines dritten Mannes. Fast hätten wir auch das Aussteigen verpeilt, in Weinheim. Ähm… ja.

Ach so der Domschweizer? Kann man hier rechts nachlesen. Und BÄMM „Joe Ludwig als Der Domschweizer bei Mainz bleit Mainz, wie es singt und lacht 1981. Es geht um den Papstbesuch von Johannes Paul auf dem Flugplatz Mainz-Finthen“

St. Martin, Mainz
St. Martin, Mainz

Ich wollte noch zum Dommuseum. War ich noch nie. Ganz gerührt war ich, dass ich Altersrabatt bekam, dass es sowas noch gibt. Und weil ich die Sonderausstellung „Moderne Kirchen“ nicht ansehen wollte, ich wohne an einer hässlichen.. kostete es nur Einsfuzzisch.

Eingang Dommuseum Mainz
Eingang Dommuseum Mainz

Na ja, da ist nicht viel da. Der Anti-Luther Albrecht von Brandenburg, wir werden das Thema 2017 zum Lutherjahr noch oft durchkauen, hatte den Domschatz aus den Beständen von Halle, man war ja immer Multibischof aufgefüllt. Und dann SCHON WIEDER dieser Dalberg, den wir schon, wie den Albrecht aus Aschaffenburg kennen. In Worms hing er ja noch brav zwischen den Schinken. der war halt auch ein Multibischof, de letzte seiner Art und der ließ den Domschatz einschmelzen und die Edelsteine extra verscheuern, steht auf den Schautafeln des Museums. Karl Theodor von Dalberg hat den Domschatz geklaut und verscheuert. Man muss sich das vorstellen, da parliert er mit den Weimarer Dichtern und versetzt nebenher den Domschatz. Na ja, schon der Brandenburg jagte den Tetzel los. Also Leute, das ist diese Leitkultur? Egal, die bayrischen Bonzen sind ja auch schon immer, seit Franz-Josef in NewYork postfaktisch unterwegs, sie müssten nur in Augsburg mal gucken.
Also trabte ich ‚raus auf den Weihnachtsmarkt. Auch der ist kleiner geworden. Es fehlten fast alle Krimskrams-Kitschläden mit Billigimporten aus China, dafür viel Platz zum herumstehen. Und doch, er ist schön, der Mainzer Weihnachtsmarkt.

Weihnachtsmarkt vor dem Ostchor von einem Kaiser bewacht.
Weihnachtsmarkt vor dem Ostchor von einem Kaiser bewacht.
Der Sternenhimmel vor dem Mainzer Dom.
Der Sternenhimmel vor dem Mainzer Dom.

Übrigens hängt diese Weihnachtsbeleuchtung an der Heunensäule, von der Stadt Miltenberg zum ersten Domjubiläum 1975 gestiftet. Wir sprachen schon davon. BÄMM. 🙂
Ich stelle auch fest, dass der Trend eindeutig zum weißen Glühwein geht, beinahe hätte ich geschrieben, der sei bekömmlicher.
Ein Bio-Wein, vegan, weil ohne Gelatine als Filter produziert, der mir sehr mundete, kann ich empfehlen. Ich suche jetzt immer nach Bio auf diesen Märkten, dann bekommt man auch keinen Tetrapack-Mist verkauft. Dieser hier war sogar 2. beim Glühweintest der Mainzer Allgemeinen!

Karte des Weingut Geisinger, Weihnachtsmarkt Mainz
Karte des Weingut Geisinger, Weihnachtsmarkt Mainz

Und deren Webpage ist mit WordPress gemacht…. :))
Während ich so sinnierend über den Marktplatz flanierte überlegte ich, wo man denn den Haifa-Stand mit den Hannuka Dekos unterbringen könnte, fiel mir ein, dann bräuchte man noch was für die anderen Andersgläubigen und ich dachte vielleicht was mit „Fastfood aus Bethlehem“, denn dass Bethlehem zu Weihnachten gehört kann wohl niemand leugnen. Doch die leugnen auch das. Lügenbibel, oder so.
Kennt ihr übrigens die Homepage der Stadt Bethlehem? Da schneit es auch dieses Jahr bei 17°.:))
Aber da all die Schreihälse postfaktisch d’rauf sind und wir keine Panzer wollen, machen wir einfach zwei Stände auf. Einmal mit den Hanuka Dekos und koschere Fastfood, ohne das groß heraus zu hängen, pressetechnisch und einen mit Halal-Zuckerzeug für das nächste Zuckerfest und was die Hl.Familie heute dort essen würde. Alles verbunden mit einem Stand zu den Bemühungen die SCHUM-Städte in die UNESCO-Welterbeliste aufnehmen zu lassen. Alles ohne Getöse, einfach weil es faktisch dazugehört. Muss man garnix argumentieren. Isso.
Man wird doch noch träumen dürfen….

Nächste Woche, in Speyer ist der Domschatz dann zusammen mit den Mayas in einem Haus. Ich nehme euch auch mit, falls geöffnet, zum jüdischen Museum SchPIRA. Es wird auch Glühwein vor dem Dom geben. Und hoffentlich ist kein Dalberg da. :))