Nassau am Rheine

Für die Rheinschiffchen-Touristen: Ortsschild am Rhein
Für die Rheinschiffchen-Touristen: Ortsschild am Rhein

Noch ein Sckell-Park. Wiesbaden-Biebrich
Noch ein Sckell-Park. Wiesbaden-Biebrich

Man sieht es: Ich war wieder unterwegs, den letzten größeren Park des Herrn Sckell besichtigen, für dieses Jahr. Eigentlich wollte ich ja noch dieses Hochsommerherbstwetter nutzen um München zu besuchen. Natürlich nicht nur die Gärten, aber dann entdeckte ich das. Die Bundeskunsthalle in Bonn hat noch bis zum 18. eine Ausstellung „PARKOMANIE Die Gartenlandschaften des Fürsten Pückler“ und gleichzeitig eine Ausstellung „DER RHEIN Eine europäische Flussbiografie“, noch dazu mit einem Blog!

Screenshot des Blogs der Bundeskunsthalle in Bonn.
Screenshot des Blogs der Bundeskunsthalle in Bonn.

Damit nicht genug twittert Mirjam Stegherr für das Museum ihre Rheinradfahrt live!
Ich muss noch nach Bonn, bis zum 18.9! Das MUSS ich doch hier noch dokumentieren. Über den Rhein und Bonn schrieb ich ja schon.
Aber ich verzettel mich wieder einmal. Es geht ja um Biebrich.

Typisch Sckell: Ein Wiesental, sehr weitläufig, offen mit Brunnen, lädt ein zum #lustwandeln, zum Picknick, chillen sagten die Nassauer noch nicht.

Das Wiesental im Schlosspark Wiesbaden-Biebrich
Das Wiesental im Schlosspark Wiesbaden-Biebrich

Alleen zum meditieren

Allee im Schlosspark Wiesbaden-Biebrich
Allee im Schlosspark Wiesbaden-Biebrich

Das Schloss von hinten. Das ist ein schöner Ort. Mozart wollte ich da gerne einmal hören. Genau da. Die 40. Sinfonie? Obwohl, irgendwo daneben hat Wagner fast Teile der Meistersänger komponiert. Also für mich muss man das aber nicht spielen… 🙂

Schloss Wiesbaden-Biebrich vom Park aus geknipst.
Schloss Wiesbaden-Biebrich vom Park aus geknipst.

Und natürlich gibt es einen See mit Getier und einer künstlichen Ruine. Die Mosburg und natürlich, aber reichlich unspektakulär, der Mosbach. Die Sckell’sche Kaskade ist leider trocken und bemoost. Man hat dort am Garten Teile weggeschnippelt. Übrigens ist der Blick auf den Turm der Biebricher Hauptkirche ganz bewusst von Sckell ins die Parkplanung integriert worden worden.


Da saß ich dann auf einer Bank und wollte über die Nassauer meditieren. Das Herzogtum Nassau gab es nur 60 Jahre. Auf Druck von Napoleon entstanden und 1866 dann von den Preußen kassiert. Übrigens die Nassauer „Nassauerten“ nicht, im Gegenteil! Was diese Preußen aber auch alles besetzten, bis sie endlich ihren Kaiser in Kleindeutschland installiert hatten. Und da kramen welche wieder „Deutschland muss Deutschland bleiben“ aus der Mottenkiste. Ein Elend. Auf der Herfahrt -ich komm‘ noch d’rauf- fuhr ich an den Schildern „200 Jahre Rheinhessen“ vorbei. Rheinhessen gehört aber zu Rheinland-Pfalz. Selbst unsere heutigen Bundesländer folgen noch den Besatzungsgrenzen. Erinnert sich noch jemand an die „Deutschland in den Grenzen von 1939“- Doktrin der frühen Bonner Republik? Unsere Geschichte ist durchwoben von Krieg, Völkermord, Flucht und Hass. Ich will, das dem nicht wieder so wird oder bleibt. Lassen wir das.

Nassau gibt es nicht mehr und Wiesbaden ist unsere Landeshauptstadt. Eine schöne Landeshauptstadt. gerade hier in Biebrich. Ich wollte sie nicht gegen Stuttgart tauschen. 🙂
Langsam drang bei solchem Sinnieren der allgegenwärtige Fluglärm in Rhein-Main in mein Bewusstsein und der Straßenlärm tobte. Straßenlärm? Nein, ein riesiger Traktor tobte mähend über das Wiesental und in seinem Gefolge allerlei lärmendes Gärtnergerät mehr. Muss auch sein, klar, so ein Park pflegt sich nicht selbst. Aber ich muss da nicht dabei sein. Also noch einmal um das Schloss herum, das Café hatte geschlossen….

Schloss Biebrich von der Seite.
Schloss Biebrich von der Seite.

Es lockte auch wieder der Rhein..

Rheinpromenade Wiesbaden-Biebrich
Rheinpromenade Wiesbaden-Biebrich

Aber von vorn!

Ich plante diesen Ausflug mit dem Rad, vor allem, weil ich endlich den Radweg Oppenheim-Mainz fahren wollte. Fast das ganze Jahr über hatte der Rhein aber Hochwasser und ich hatte Angst, die Leinpfade wären gesperrt. Die Tour führt wirklich direkt am Rhein entlang, auf gut befahrbaren Schotterwegen zumeist. Nix für dünne Rennradreifen.

Ich ließ dieses Mal Oppenheim selbst aus und machte mich auf den Weg. Der Rhein ist breit und blau dort.

Der Rhein bei Oppenheim mit Blick auf Nierstein
Der Rhein bei Oppenheim mit Blick auf Nierstein

Durch Nierstein leicht den Weg hoch.


Manchmal wollte ich von jedem Weingut meiner Trips einen Wein versuchen, aber dann wäre oft schon nach 1 km Schluss :))
Aber dann, von Nierstein gen Nackenheim immer wieder entzückend dieses Bild:


Vorbei am roten Hang.

der Rote Hang in Nierstein
der Rote Hang in Nierstein

Der Weg halbhoch am Hang durch Reben fast schwebend.

Rebenweg am Rhein in Nierstein
Rebenweg am Rhein in Nierstein

Nach Nackenheim hinunter zum Rhein, direkt am Leinpfad auf dem Damm.

Leinpfad am Rhein bei Nackenheim
Leinpfad am Rhein bei Nackenheim

Nackenheim ließ ich auch passieren, den Geburtsort von Zuck, der den Rhein in „Des Teufels General“ „Völkermühle“ nannte. Lest mal.
Ich zitiere aus Wikipedia:

Und jetzt stellen Sie sich doch mal Ihre Ahnenreihe vor – seit Christi Geburt. Da war ein römischer Feldhauptmann, ein schwarzer Kerl, braun wie ne reife Olive, der hat einem blonden Mädchen Latein beigebracht. Und dann kam ein jüdischer Gewürzhändler in die Familie, das war ein ernster Mensch, der ist noch vor der Heirat Christ geworden und hat die katholische Haustradition begründet. – Und dann kam ein griechischer Arzt dazu, oder ein keltischer Legionär, ein Graubündner Landsknecht, ein schwedischer Reiter, ein Soldat Napoleons, ein desertierter Kosak, ein Schwarzwälder Flözer, ein wandernder Müllerbursch vom Elsaß, ein dicker Schiffer aus Holland, ein Magyar, ein Pandur, ein Offizier aus Wien, ein französischer Schauspieler, ein böhmischer Musikant – das hat alles am Rhein gelebt, gerauft, gesoffen und gesungen und Kinder gezeugt

Von wegen Rassismus und Deutschland muss Deutschland bleiben, gell!

Der Main spendet dann sein Wasser in den Strom und ewig fliegen die Touristbomber im Minutentakt gen Fraport. Ein Ohrenschmaus für alle! Die leeren Güterwagen rasseln dazu, die B9 dröhnt den Bass zum Brummen der Schiffsmotoren. Man kann nicht alles haben in einer Metropolregion. Ja, gehört alles zu „meiner“ Metropolregin, wir haben nämlich 2. 🙂

Main Mündung von Mainz aus gesehen.
Main Mündung von Mainz aus gesehen.

Mainz auch passiert, von Main-Kastel aus, das aber ein Vorort Wiesbadens ist. Sic!

Von den Beton– und Zementwerken am Weg berichte ich jetzt nicht. Der Rhein ist auch Industriestandort, mit den Höhepunkten BASF und Bayer. Ist wohl der römischen Tradition geschuldet.

Dann Biebrich. Die Froschkönigin von Birgit Helmy bewacht das Ufer.

Die Froschkönigin von Birgit Helmy am Rheinufer Wiesbaden-Biebrich.
Die Froschkönigin von Birgit Helmy am Rheinufer Wiesbaden-Biebrich.

Das Schloss samt Park haben wir ja oben schon besprochen, gell.
Ich wollte noch diesen Weg entlang des Rheins erfahren, Wiesbaden Stadtschloss, upps, das ist ja der Landtag kann ich immer noch mal.
Ich stieg nicht mehr viel ab, twittern am Rad ist nicht unbedingt zeitsparend!
In Schierstein, dort wo die brüchige Brücke steht und auch den Radfahrer zu Umwegen zwingt, liegt der Hafen von Wiesbaden, wo dir armen Leute ihre Boote parken. Wenn man da entlang fährt wundert man sich nicht mehr über die Besucher des Staatstheaters. 🙂

Hafen Wiesbaden-Schierstein
Hafen Wiesbaden-Schierstein

Übrigens: Lasst euch nicht verwirren, wenn ihr dor entlangfahren wollt. Ignoriert die Radweganzeiger, man kann fast komplett am Rheinufer entlangfahren, bis nach Eltville, wenigstens. Bei Kaiserwetter ein Traum!
Der Leinpfad am Rhein, irgendwo zwischen Eltville und Wiesbaden
Der Leinpfad am Rhein, irgendwo zwischen Eltville und Wiesbaden

Und dann Speis und Trank am Anleger und Rheinkilometer 511.


Die Rückfahrt zu Rheinkilometer 424 erfolgte ab Mainz-Römisches-Theater wieder per RB.
Das Theater haben sie jetzt mit Holzbänken verklastert :((


Nun ja es ging heimwärts…noch ein Bierchen am Neckar, später und der Heimritt, wie üblich.
Danke für’s lesen!