Oberes Mittelrheintal

Die deutsche Kleinstaaterei treibt Blüten. Gibt es nicht Ländertickets bei der Bahn, löblich. Löblich, aber die der Rheinland-Pfalz gilt eben nur dort und in Wiesbaden, um kostengünstig von der Hauptstadt der Rheinland-Pfalz zur Hessisch-Nassauischen Nachbar-Hauptstadt zu gelangen, von der größten Stadt in Rheinland-Pfalz zur zweitgrößten hessischen Stadt.
Um also zu den 45 Burgen des oberen Mittelrheintals, der Welten Erbe zu kommen reite ich den Straßenbahnschimmel von unserem hessischen Kleinstädtchen (die Nummer 24 im Land) zur zweitgrößten Stadt Baden-Württembergs und weitere 5 Minuten bei gleichen Preisen über den Rhein, mit der Linie 4, wo Werbung hängt für meine Lesung, zur zweitgrößten Stadt in Rheinland-Pfalz, der Stelzenstadt, die man auf Pfeilern mit dem Auto überqueren kann ohne den Boden zu berühren, als ob alles verboscht-habert wäre, mit Salmiakgeist durchdrungen, zum

hoch gepriesenen Bahnhof Oberes Mittelrheintal weiterlesen

Balthasar Neumann in der Kurpfalz.

Für die Älteren von uns, die noch den Glanz der D-Mark kannten, war Balthasar Neumann der Typ, der auf den neuen Fünfzigern abgebildet war. Hier zu sehen. Man wusste so ganz schwach, dass er das Karlsruher Schloss entwarf dort wo die Renegaten saßen, die weite Teile der Kurpfalz später nach Baden annektierten , die Würzburger Residenz (Weltkultur-Erbe!) baute, in Bruchsal die Treppe, aber in der Kurpfalz? Doch, doch, in jenem Dorf, in dem Timo Hildenbrand Torwart spielen lernte, diesem Dorf, das zu Lampertheim gehört, obwohl Bürstadt, Biblis und Worms näher liegen als die Kernstadt, dort steht in Lampertheim-Hofheim ein Barock-Kirchlein, das vom Meister stammt. Echt. Wie das? Nun, die Bischöfe von Mainz, Trier, Würzburg, Worms und weiß Gott wo nicht alles waren alle Schönborns, damals und liehen sich ihren Baumeister gegenseitig aus, hier baute der Trierer in einer Person auch Wormser Fürstbischof (warum auch immer der inmitten des Kur-Mainzer-Wormser Geklüngel da umherwuselte.) Ich frage mich immer, ob die beim Bauen auch die Perücken tragen mussten? Balthasar Neumann in der Kurpfalz. weiterlesen

Darum ist es am Rhein so schön…

Auf dem linksrheinischen (Fahrrad-)Weg zwischen den Kaiserdomen von Worms nach Speyer lockt den Radwanderer bei Rheinkilometer hhhm, sagen wir ca 445, ein weiterer romanischer(??) Eingang.

Eine vergessenen karolingische Kapelle, eine hochmittelalterich-vergessene Burg, ein geheimes ottonisches Kloster in Konkurrenz zu Lorsch? Aber NEIN, ein pseudo-romanischer Profanbau aus dem letzten Jahrhundert.

Die Rheinbrücke der Via Carolina (A6) bei Sandhofen, bietet Aufstieg für den Fahrensmann, und ebensolcher Frau Einstieg und Aufstieg zur Überquerung des Vater Rheins, der da in seinem Bette liegt, wie es Bruder Karneval befiehlt. Wie jetzt? Fußgänger, gar Radfahrer auf der A6? Ist dies der Zugang, der uns die vielen Fußgängerwarnungen der lokalen Radio-Sender in der lieblichen Kurpfalz hier beschert?

Aber lasst uns weiterschreiten, das Rad die Treppen hochwuchten und hier Darum ist es am Rhein so schön… weiterlesen

Postkarten von mir

(Bilder anklicken um zu vergrößern)

Ich arbeite in einer schönsten Städte Deutschlands, sagt man wenigstens. Die Millionärsdichte ist fast so hoch, wie in Königstein im Taunus, hört man so. Es ist ja auch egal, ob es denn stimmt, wen interessiert so was schon, außer den Erbsenzählern, die dort die Villen bevölkern. Es ist eine schöne Stadt, droben im älteren Teil, die Wohnsilos, drunten in der Ebene, die vergessen wir dabei, die hat es schließlich überall.


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Tour de France mit Col


 

Wissembourg war das Ziel. Und der Start. Das elsässische Städtchen hat sich dem Verkehrsverbund Rhein-Neckar angeschlossen und ist somit lässig mit dem Ticket 24Plus erreichbar. Und ab 9:00 darf man ja auch Fahrräder mitnehmen (begrenzt, wie noch zu beriechten sein wird). Dieses Mal kam Kevin mit. Ein erfahrener Biker aus Corpus Christi, Texas. Wir radelten also bis Mannheim HBF und dann ging es via S-Bahn nach Neustadt/Weinstrasse und dem Elsass-Express weiter nach Wissembourg. Ein hübsches Städtchen gerade mal knapp hinter der Grenze.
Mit vielen Kneipen und Restaurants, Kneipen und einer schönen, alten Kirche, die einst den größten Kronleuchter der Christenheit barg.

Kevin war ganz begeistert, schon vor dem Rathaus, das ja drüben zu seinem Erstaunen Hotel de ville heißt. Er freute sich auch sehr, dass er gleich nach dem Bahnhof vertrautes sah: http://www.lidl.fr. Und die hatten sogar einen vorzüglichen Munsterkäse, den wir mit Baguette, Salami und Rouge de Atlanta (wir wollten ja noch biken, gell) direkt vor St.Paul auf einer Bank verputzten,

während die Franzosen tapfer gegen den Terror kämpften

Nach der Würdigung des französischen Teils der vorbeiplätschernden Lauter wollten wir in das nur 13 km entfernte radeln, zur sagenhaften Burg Fleckenstein. Tja, aber da waren die Vogesen dazwischen. Und kurz hinter dem Col du Pigeonnier überkam uns der Verdacht, dass diese Ruine nicht noch weitere Cols wert wäre und ich weder Ulrich, noch Kevin Lance hieße. Wisst ihr wieviel SPASS es macht wieder runter zu fahren?

Unten gab es dann Flammekuchen

und noch einen Blick in die gut gemachte Ausstellung zur 60-jährigen Befreiung von Wissembourg. Es war nicht gerade angenehm die alten Nazi-Parolen aus den Original-völkischen-elsässischen Zeitungen zu übersetzen. Die Bilder von SA, Hitlerjugend, BDM und anderem aus der „Reichszeit“ von Weißenburg waren genauso ausgestellt, wie der erste Besuch De Gaulles, kurz nach der Befreiung und die „Befehle“ des Präfekten zur elsässischen Entnazifizierung. Kevin vermisste sehr die Hinweise darauf, dass die Befreiung wohl durch die US-Army, der er auch angehört, erfolgte. Doch eher nachdenklich zuckelten wir zum Zug, aber der Zugführer der Regionalbahn verweigerte zunächst die Weiterfahrt, weil zu VIELE Räder im Zug waren, aber schließlich gab er nach. Nein, ich werde jetzt NICHT erzählen, wie eine S-Bahn in Neustadt aussieht, wenn die „FANS“ des FC Kaierslautern darin sitzen. Gott sei’s gelobt hatten die Pfälzer gegen Duisburg gewonnen.

nu fluic du, vihu minaz, hera!

Also es waren insgesamt 60 km heute, eher eine Rundfahrt. Zunächst unter Umgehung von Laudenbach und Hemsbach (da wohnte ich auch mal), zwei eher uninteressante Dörfer, (äh ja, Stadt) ging es direkt zur Kreishaupstadt Heppenheim. Wer die “Herrlichen Zeiten im Spessart“ gesehen hat (ah Lilo Pulver,ah) oder den Räuber Hotzenplotz mit Fröbe und Meinrad, kennt sich ja bestens aus. Teile davon sind da gedreht. Meinrad sah ich da auch schon bei den Festspielen. Nestroy. Dieses Jahr geben sie Moliere. Nikolaus Schilling spielt schon WIEDER mit. Den Geizigen. Hat wohl der Media-Markt unten in der Ebene gesponsert. (Vorsicht es wird Heppenheimer Wein ausgeschenkt während des Theaters und der ist na ja). Aber Heppenheim selbst ist eine schöne Stadt und ich frage mich, warum ich nicht öfter hingehe, vielleicht weil sie mich dorten dem Wehrdienst verpflichteten?

Dabei ist der Marktplatz samt Altstadt und Kneipen sehr einladend unter der Starkenburg.
nu fluic du, vihu minaz, hera! weiterlesen