Kelten, Römer, Franken im Lobdengau

Lobdengau? Guck hier. Mit der Hauptstadt Ladenburg.
Zum zweiten mal verschätzte ich mich gewaltig, war unvorbereitet. Ich sagte es ja bereits, ich wollte ins Lobdengau-Museum. Hätte ich mir die Website besser angeschaut, hätte, hätte. Das ist kein kleines Museum. Das sind 5 Stockwerke. In Ladenburg. 7 km entfernt. Wie oft fuhr ich schon mit dem Rad hin auf einen Kaffee, ein Bier, als Station auf dem Weg nach Schwetzingen oder Heidelberg. Steht ja auch hier im Blog. Ich las sogar schon in Ladenburg – guck: „Verletzte Seelen“. Vielleicht sollten die Ladenburger in die Social-Media-Welt einsteigen und von ihren Schätzen erzählen…Ich war schon in dem Museum, vor Urzeiten, irgendwie hat etwas nicht gepasst, es war sehr heiß.
Aber jetzt: Was für eine partizipative Museumspädagogik!

Schüler kuratieren Museum

Das sieht dann so aus:
Wandbeschschriftung im Lobdengau-Museum
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Isis, Mater, Leitkultur. Wer hat den Domschatz geklaut?

#tl;dr
Ich war in Mainz im Isis Heiligtum, im Dommuseum und auf dem Weihnachtsmarkt. Zum sinnieren sehr geeignet!

Ich gehe zu Weihnachtsmärkten um dem Dekowahn (sieht gut aus, so geschrieben es ist), auch in den Geschäften, zu entgehen, weil der Wahnsinn dorten geballt zu sehen ist, in der Masse unbesinnlich wirkt; um im Freien, außerhalb der Radsaison etwas in der Kälte zu tun, ohne den Ski- und Rodelwahnn (SIC!). Um Licht zu trinken in der Dunkelheit und sich zu schämen dabei für die Lichtverschmutzung, was sind wir alle so zweiseitig. Um Dialekt zu hören und zu sprechen, so geballt findet man das sonst nur auf Weinfesten, wobei, was sind Weihnachstmärkte eigentlich sonst? In Worms kam mir eher zufällig die Idee das mit einem Museumsbesuch zu verbinden. Aber das kennt ihr ja schon. Dieses mal wollte ich das, wie angesprochen, gezielt machen. Im Gutenberg-Museum hatte ich ja schon gelesen. Musste ich nicht schon wieder hin. Mich interessierte schon eine Weile dieses Isis- und Mater Magna-Heiligtum. Und BÄMM, alle Mainz-Klischees wurden wahr. Das Isis-Heiligtum wurde beim Bau einer dieser albernen neudeutschen City-Malls entdeckt, der Römer-Passage. Ich aber fand das Museum nicht. So folgte ich den Weihnachtsfrömmlern zum anderen Ende.

Die Leitkulturer 2016 in der Stadt des Hl. Erzbischofs Bonifatius und der Reicherzkanzler für Germanien. (Klick zur Erklärung)
Die Leitkulturer 2016 in der Stadt des Hl. Erzbischofs Bonifatius und der Reicherzkanzler für Germanien. (Klick zur Erklärung)

Ganz am Ende stand ein Mann vom MCV und verkaufte Plaketten für den Rosenmontagszug. BÄMM! Und der sagte mir, dass ich daran vorbei gelaufen war. Das Museum ist als Ladengeschäft getarnt, nichts weist in Augenhöhe darauf hin. Heidnischer Kram aber auch!

Eingang zum Isis Heiligtum in der Römerpassage Mainz
Eingang zum Isis Heiligtum in der Römerpassage Mainz

Kaum unten empfängt mich ein Hörspiel „Saturnalien vom 21.12.69.“ Eine Mischung aus Weihnachten und Fasnacht“. BÄMM. Die 22. Legion hat auch mitgefeiert.

Isis Tempel in Mainz, während des Hörspiels.
Isis Tempel in Mainz, während des Hörspiels.

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Glühwein, Würmer, Heylshof und Barock

tl;dr
Ich fuhr mit der Buslinie 644 Viernheim-Worms (Nein, das ist nicht in BaWü ! Neuer Fahrplan, neue Gefährte, danke VRN!) die 26 km in die Drachenstadt Worms (Siegfried, ihr kennt das ja!) zum Weihnachtsmarkt dorten und zur Ausstellung „Das Goldene Zeitalter – Barock im Heylshof“, die ich, wie den Weihnachtsmarkt wärmstens empfehle!

Die Kaiserkrone über dem Wormser Dom. Nächstes Jahr wird das Lutherjahr hier toben! (Klick)
Die Kaiserkrone über dem Wormser Dom. Nächstes Jahr wird das Lutherjahr hier toben! (Klick)

Weil aber alle Welt von SEO und der Digitalisierung (#augenroll) berichtet, so wie man museal gesehen, über die „analog-digitale Kulturschnittstelle“ spricht, auch hier eine digital-historische Vorbemerkung zu Worms:
Worms, die Stadt, war früher sehr schwer zu googeln. Die Bildersuche zeigt es immer noch, Würmer halt. Dabei ist der LINDwurm das Wappentier. Mein Drachen-Storify kennt ihr ja! :) :)

Mir war nach Glühwein, das Thermometer zeigte endlich -1°. Und Glühwein bedeutet vor allem:
(Übrigens ein Cuvée aus Muskateller, Müller-Thurgau und Riesling vom Weingut Kloos)

Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt in Worms
Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt in Worms

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Tweihnachtsmarkt

Nein, das braucht eigentlich keiner fäuletonistischen Überhebung. Nein, nein. Da trafen sich einfach ein paar Leute, um ein paar Glühwein miteinander zu trinken. Sie schreiben auf Twitter? Ja und? Doch war nett. @beingmenow hatte eingeladen (was heißt schon eingeladen, einen doodle aufgemacht halt) und es kamen @ichhebgleichab @eulenei @ElProgramador @enhesse @ritsch @weinpiraten und @kurzdielyrik.. Nach Trier, an die Westgrenzen der Republik. Nichts weltbewegendes und doch. Twitter, der große Hype, die Software, die Obama ins Präsidentenamt spülte (was natürlich nicht annähernd stimmt) hat 6 Leute zusammen geführt, die (in diesem Kontext gesehen) nichts weiter tun als 140 Zeichen mehr oder minder regelmäßig auf die Server des Anbieters in die Datenbanken zu versenken, aber irgendwann halten sie es nicht aus und all diese Fantasie-Namen wollten ins reale Leben, der Austausch sinnlich nachvollzogen werden, womit das Wort „besinnlich“ durchaus neue Bedeutung erhält.
Gut, das machen die Menschen schon seit sie die Boten den Tigris, den Nil oder den Yang-Tse mit schriftlichen Botschaften entlang jagten, doch, Mosel und Saar kamen erst später dran, doch, Ehre, wem Ehre gebührt, irgendwann mussten sie sich doch besuchen.Und dass dann ein Spassvogel den doodle missbrauchte, ja, siehe oben am Nil.
Natürlich gab es auch schon in den UrZeiten des elektrischen Netzes die UseNet-Treffen, die Foren-Treffen, was weiß ich und schon da konnten nicht alle kommen.
Das Besondere oder doch das unbesondere lag am Ort. Trier. Genau. Und was war Trier jenseits des römischen Erbes sehr lange, bewusst so angelegt? Pilgerstadt zum heiligen Rock. Heute noch. Bewusst so aufgestellt gegen die Sandalen Christi im nahegelegen Prüm. (Nein, ich werde jetzt nichts dazu sagen, kein Reliquien-Bashing heute, Köln hat ja auch die heiligen Drei Könige). Nein, keiner der Tweeties kam deswegen, was niemand daran hinderte im Dom den Altar des Rocks zu fotografieren und live davon zu twittern. Das ist natürlich neu. Das Netz, das Teilen, der Welt sofort offenbaren. Aber ansonsten? Was ist neu? Was unterscheidet letztlich ein Twitter-Treffen von einer Wallfahrt?
Und woher kamen die nicht Einheimischen oder doch Fasteinheimischen? Augsburg, römische Garnsion, fast solange wie Trier, Konstanz, römisch, Viernheim nahe der Civitas Ladenburg, Darmstadt Untertan der ehemals römischen Garnison Mainz. Global? Aber ja. Doch. Und die Reisen waren beschwerlich wie ehedem. 9 Stunden von Trier nach Konstanz. Wegen des germanischen Wetters.
Doch Trier hatte was, schon ein kurzer Blick in die Wikipedia genügt, wer sonst so alles kam, im Laufe der Zeit. Konstantin der Große, klar Kaiser dortselbst (das römische Trier hatte soviele Einwohner, wie heute, na ja, fast) samt ehrwürdiger Mutter St. Helena, die Wikinger (und damit meine ich nicht Wiki im Kino), Attila der Hunne und dann die Franken, unsere Vorfahren.
Ja und jetzt halt die 6 Twitterer.. Wie gesagt, ganz banal das Ganze. Ein paar Glühwein, Gespräche, ein Lächeln, Wurzeln für Freundschaften und Tweets, Tweets, Tweets. Seltsam oder? Seit dieser eiskalten Nacht an der Porta Nigra frage ich mich allerdings: Wie hielten diese Römer das aus in den trierischen Wintern, nur mit diesen Tuniken?